Downloads

Thomas Pareth

Nachgefragt
Herr Pareth, was bedeutet Ihnen Nachhaltigkeit? 
Für mich bedeutet es, dass ich mich so verhalte, dass diejenigen, die nach mir kommen, nicht sagen: Pareth, was hast du da für eine Schweinerei hinterlassen! Wir müssen noch viel bewegen, um die Gesellschaft, die Ökonomie und die Ökologie nachhaltig zu gestalten. 

Wie sieht Ihr persönlicher Beitrag dazu aus?
Wir als CRB handeln mit unterschiedlichen Stossrichtungen: Zum Beispiel beschäftigen wir uns mit der Ökologie der Bauleistungen und stellen mit dem eco-devis Bewertungen des Vereins ecobau zur ökologischen Qualität von Bauprodukten zur Verfügung. Das umfasst die graue Energie, geht über die Menge von Lösungsmitteln bis hin zur Emission von Schadstoffen während der Nutzung. Die Entsorgung beschäftigt uns ebenso: Kann man im besten Fall recyceln oder wenigstens deponieren? Oder handelt es sich um Sonderabfall, der teuer ist und eine Belastung für die Nachwelt darstellt?

Und wie verhalten Sie sich im Privatleben?
Eigentlich würde ich gerne mehr machen. Aber man steht auch in einem gesellschaftlichen und öko-nomischen Kontext, aus dem man nicht einfach raus kann. Immerhin bemühe ich mich, fahre zum Beispiel viel weniger Auto und nutze stattdessen die öffentlichen Verkehrsmittel. Den Standort für mein privates Wohnhaus habe ich bewusst in einer Zone für verdichtetes Bauen gewählt. In meinem kleinen Garten zuhause verwende ich – wo immer möglich – Produkte, die den Boden nicht belasten. In meiner beruflichen Tätigkeit ging es zum Beispiel darum, dass man Bodenschutz-Massnahmen plant und die ökologischen Massnahmen auch wirklich durchsetzt. Man soll sie nicht als lästige Auf-lagen sehen, sondern ernst nehmen.

CRB etabliert Standards für das Bauwesen, schafft ein Regulativ und eine gemeinsame Sprache für all die involvierten Parteien. Fördern Standards die Nachhaltigkeit – oder behindern sie eher die Entwicklung? 
Das hängt von der Qualität der Standards ab. Ich glaube, Standards sind wichtig, um gewisse Anliegen auf den Boden zu bringen. Ich verspreche mir sehr viel vom „Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz“, der jetzt in der Pilotphase steht. Ich wünsche mir, dass wir die schönen Worte in die Praxis umsetzen. Oft sitzt der Teufel im konstruktiven Detail. Ein wesentlicher Punkt ist hier die Trennbarkeit der Materialien. Ein Architekt erzählte mir kürzlich, dass sich bei einem Umbau der Rückbau der Decke als ungeheuer kompliziert erwies, weil eine Schaumglasisolation mit der Betondecke verklebt war. Genau das sind Details in der Konstruktion, die nachhaltiges Arbeiten erschweren. Die Planer, Unternehmer und Hochschulen müssen sich um einfache Lösungen bemühen, damit man das Recyceln der Materialien auch wirklich bewerkstelligen kann. Bis dahin ist es noch ein gutes Stück Weg, aber ich bin zuversichtlich. Ganz nah dran sind die Holzbauer: Diese sind mit dem Werkstoff Holz zwar bereits privilegiert, doch sie haben die Systeme zudem auf eine nachhaltige Weise ausgebaut. 

Welches ist aus Ihrer Sicht das nachhaltigste Gebäude neueren Datums? 
Das ist für mich der Neubau des Intensiv-, Notfall- und Operationszentrums INO am Inselspital Bern. Es besteht aus drei konsequent getrennten Systemen: Dem Primärsystem mit Tragstruktur, Gebäudehülle und Logistik, dem Sekundärsystem mit Innenausbau und Installationen sowie dem Tertiärsystem mit den medizinischen Ausrüstungen. Die Trennung ist wegen der unterschiedlichen Lebensdauern der Systeme äusserst wichtig, sie ermöglicht Erneuerung unter Betrieb und Flexibilität. Weil ganzheitlich gedacht wurde, ist die Lösung nachhaltig.

In der Zukunftsforschungs-Szene redet man immer von einem Horizont von fünf Jahren. Wie wünscht sich Thomas Pareth das Bauwesen in fünf Jahren – aus persönlicher Sicht als auch aus der Perspektive des CRB-Direktors?   
Am liebsten hätte ich alles morgen schon erfüllt, aber ich will realistisch sein. Ich habe den Wunsch, dass sich in fünf Jahren mit der Ausbildung das Bewusstsein durchgesetzt hat, dass Nachhaltigkeit geplant werden muss. Und ich hoffe, dass man in fünf Jahren bereits damit begonnen hat, die entsprechenden Methoden und konstruktiven Lösungen verbreitet umzusetzen.

Der ausgebildete Bau- und Wirtschaftsingenieur Thomas Pareth war als Oberassistent am Institut für Baustatik und Konstruktion der ETH Lausanne tätig. Danach hat Pareth diverse Grossprojekte im Hoch- und Tiefbau realisiert. Seit 2013 ist er Direktor des CRB, der Schweizerischen Zentralstelle für Baurationalisierung.


Er hat das INO im Inselspital Bern als Referenzobjekt als Beispiel für nachhaltiges Bauen ausgesucht. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Teilen