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Dr. Walter Steinmann

Walter Steinmann

Herr Dr. Steinmann, was bedeutet für Sie nachhaltiges Bauen?
Dr. Walter Steinmann: Der Wunsch, in Gebäuden zu leben, in denen das Leben Freude macht und die bezüglich der Nutzung natürlicher Ressourcen wie auch im Hinblick auf ihren Energiehaushalt erstklassig sind.

Wenn Sie eine Art Nobelpreis für nachhaltiges Bauen vergeben könnten, welches Projekt erscheint Ihnen preiswürdig?
Ich würde keinen Nobelpreis vergeben, aber ich sehe verschiedenste Gebäude in der Schweiz, welche architektonisch und energetisch sinnvoll sind; beispielsweise der neue Campus der ETH auf dem Hönggerberg. Das von Branco Weiss mitfinanzierte Projekt Science City ist für mich ein gutes Beispiel, wie wir künftig bauen, arbeiten und leben sollen.

Steht das Gebot der Nachhaltigkeit nicht im Widerspruch zum Zeitgeist? Anders gefragt: Ist der Reiz des Neuen nicht stärker als jeder Nachhaltigkeitsgedanke?
Ich glaube, wir bauen in der Schweiz noch immer für eine lange Zeit unsere Bauwerke – denken Sie nur an die Grimsel-Staumauer, eines der zentralen Beispiele für Nachhaltigkeit und Speicherung von Energie. Von daher meine ich, hat die Architekturzunft sehr wohl Möglichkeiten, nicht nur den Gebäudebestand zu optimieren, sondern auch neue Gebäude zu entwickeln und sich anhand neuer Architekturtendenzen zu profilieren.

Wie erklären Sie sich, dass die Schweiz hier eine Vorreiterrolle einnimmt?
Ich bin in den Gremien der Internationalen Energieagentur IEA, und da war bis vor wenigen Jahren in vielen Ländern ganz einfach der Energiekonsum im Gebäudesektor kein Thema. In der Schweiz haben wir dagegen eine lange Tradition, allein schon wegen der Berge und der Kälte im Winter. Von daher ist es wichtig, dass wir das hier weiterentwickeln und jetzt auch schauen, dass in anderen Regionen der Welt nachhaltiger gebaut wird. Ich denke da zum Beispiel an das Thema Kühlung und die dafür notwendigen Energieressourcen, die auch in arabischen Ländern langsam ins Bewusstsein kommen.

Der Bereich Energie spielt hierzulande eine grosse Rolle, ob er nun unter dem Begriff Plus-Energiehaus oder Null-Energiehaus daherkommt. Ihr Departement ist derzeit gefragt, da es um eine verbindliche Definition von Standards für nachhaltiges Bauen geht. Was heisst das für die Ausbildung der Architekten?
Dafür haben wir Hochschulen, die sich diesem Thema widmen sollten, und die das auch tun. Die Architekturabteilungen sind gefordert. Ich wünsche mir, dass es in Zukunft unmöglich ist, dass jemand am Ende des Studiums sich nicht umfassend mit Fragen der Energieeffizienz in Gebäuden befasst hat.

Steht nicht zu befürchten, dass der Architekturberuf immer komplexer wird und dadurch an Attraktivität verliert?
Ich meine, dass kreative Architekten die Schönheit mit der Energieeffizienz verbinden können.

Welches Projekt kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie  an eine derartige Verbindung denken?
Das Eawag-Gebäude in Dübendorf. Dort hat Bob Gysin gezeigt, dass erstklassige Architektur mit intelligenten Energiesystemen ideal kombiniert werden kann.

Dr. Walter Steinmann, 61, ist Direktor des Bundesamts für Energie (BFE) im Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Steinmanns Amt mit Sitz in Ittigen ist verantwortlich für die Umsetzung der schweizerischen Energiepolitik. Der promovierte Volkswirtschaftler vertritt die Schweiz im Governing Board der Internationalen Energieagentur und in der Internationalen Atomenergie- Organisation. Zudem ist er Mitbegründer des Swiss Technology Awards sowie des Design Preises Schweiz.


Er hat die Eawag aquatic research als Referenzprojekt für nachhaltiges Bauen in der Schweiz angegeben. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.
    

Swissbau Blog
Dr. Walter Steinmann diskutiert auch in unserem Blog: «Energiewende – wo sind die Profis?»