Downloads

Ralph Schläpfer

Ralph Schläpfer, ETH Bauingenieur, Werkstoff Holz, Mitinhaber Holzbauunternehmen Lignatur
Ralph Schläpfer, der Slogan «Holz ist heimelig» stand einst für altbackene Gemütlichkeit. Heute gilt Holz als angesagter Werkstoff in der Baubranche. Wie beurteilen Sie das? 
Der heimelige Touch von Holz ist sehr wichtig, in einem Holzhaus fühlt man sich wohl. Wir durften in Basel jüngst ein fünfgeschossiges Holzhaus realisieren, nebenan steht ein Massivbau – da spüren Sie den Unterschied. Holz ist zwar immer noch heimelig, aber „innovativ“ und „nachhaltig“ klingt besser. Heimelig im Sinne von „altmodisch“ wirkt Holz, wenn man einen Stadel, ein Bauernhaus oder eine Alphütte im üblichen Stil baut. Doch heutzutage gestaltet man mit Holz hochmoderne Architektur!

Stellen Sie sich vor, ich wäre ein Ausserirdischer. Wie würden Sie mir Holz beschreiben?
Lassen Sie uns in den Wald gehen. Da spüren wir die Bäume und hören uns das Waldrauschen an. Wir geniessen die frische Luft und machen uns Gedanken, dass man aus dem tollen Zeug ein Haus bauen kann, in dem man sich wohlfühlt, wenn es anfängt zu regnen.

Was heisst Nachhaltigkeit für Sie persönlich?
Holz ist ein Material, das ohne unser Zutun entstanden ist. Der Baum wächst alleine mit Sonnenenergie. Das führt bei mir zum Gedanken, wie ich diesen – aus eigener Energie entstandenen – Werkstoff ohne hohen Energiebedarf einsetzen und nutzen kann. Nachhaltig bedeutet auch: Wir haben ein tolles Material, das überall wächst. Und das sollten wir nicht wie wild verbrauchen, sondern sparsam mit ihm umgehen. So kamen wir in unserem Unternehmen auf das Hohlkastenprinzip: Wir wollen mit möglichst wenig Holz möglichst viel bauen. Die 2'000-Watt-Gesellschaft heisst für uns die 1 Kubik-Holz-Gesellschaft. Und nachhaltige Nutzung bedeutet auch "Von Anfang bis Ende". Da hat Holz den grossen Vorteil, dass man es verbrennen kann und so wieder zurück in den Kreislauf führt.

Ihr Unternehmen hat sich der Element- und Modularbauweise verschrieben. Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit – abgesehen vom Werkstoff und dem sparsamen Einsatz von Ressourcen?
Wir versuchen immer, das Material zu reduzieren – auch beim Schallschutz, wo oft mit der Masse argumentiert wird. Da behauptet beispielsweise der Akustiker, dass man nur mit 500 kg die notwendi-ge Dämmung zustande bringt. Das ist für mich der Ansporn, eine Lösung zu suchen, die mit 300 kg funktioniert. Weniger Gewicht bedeutet weniger Materialbedarf. Und das wiederum heisst: Sparsamer Umgang mit Ressourcen. In diese Richtung gehen unsere Optimierungen – auch in der Architektur. Wir verfolgen hier keine Hirngespinste, sondern suchen eine einfach umsetzbare Architektur. Und da wir in der Schweiz produzieren, müssen wir sehr effizient sein, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Wir denken immer an eine optimierte Produktion – und das ist wiederum nachhaltig.  

Sie haben erwähnt, dass Holz per se ein nachhaltiger Werkstoff ist. Wo liegt aus Ihrer Sicht in der gesamten Baubranche das grösste Potenzial, um der Nachhaltigkeit gerecht zu werden? 

Im bewussten Einsatz des Materials. Egal ob Beton, Stahl oder Holz. Wesentlich ist, mit möglichst wenig Material auszukommen. Da liegt noch viel drin. Mit einem Minimum an Material das Maximum rauszuholen. Und dabei nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit achten, sondern den Werkstoff im Auge behalten. Was sich heute vielleicht noch nicht rechnet, macht sich übermorgen bezahlt. Das hat Zukunft. Wenn man beim ersten Öltropfen im ersten Auto gedacht hätte: „Da muss ich sparsam sein“, dann würde das Öl noch lange reichen. Also lautet die Lösung: Das richtige Material am richtigen Ort einsetzen und davon möglichst wenig verwenden.

Hier an der Swissbau sehen wir, was heute und in naher Zukunft möglich ist. Wie lange dauert es, bis diese Innovationen und Technologien im Schweizer Bauwesen Alltag sind?

Das ist schwer zu sagen. Wenn ich sehe, dass in meiner Wohngemeinde gegenwärtig Eigentumswoh-nungen für 1,5 Millionen CHF gebaut und dabei billige Baustoffe mit langen Anfahrtswegen verwendet werden – die Wohnungen werden mit Fenstern aus Kunststoff bestückt –, dann stimmt mich das nicht gerade zuversichtlich. Ich glaube: Erst wenn die Geldgier aufhört, haben wir eine reelle Chance, die richtigen Ziele zu verfolgen.


Wie bringt man das in den Kopf der Menschen?    
Ich beobachte bei der Jugend, dass es neue Werte gibt, die weiter gehen, als nur auf das Handy-Display zu starren. Ich hoffe, dass bei der nächsten Generation ein Umdenken stattfinden wird. Auch weil schnelles Geld in Zukunft nicht mehr so leicht zu verdienen ist.

Ralph Schläpfer liess sich an der ETH zum Bauingenieur ausbilden. Der Vater von zwei Buben hat seit jeher ein grosses Faible für den Werkstoff Holz. Schläpfer ist Mitinhaber des Holzbauunternehmens „Lignatur“ im appenzellischen Waldstatt; dort leitet er den Bereich „Marketing und Entwicklung“.

Er hat das Seniorenheim «Bad Säntisblick» als Referenzobjekt als Beispiel für nachhaltiges Bauen ausgesucht. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.