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Peter Schilliger

Nachgefragt
Herr Schilliger, Sie waren lange Gemeindepräsident, Kantonsrat und sitzen für die FDP im Nationalrat. Wann haben Sie festgestellt, dass Nachhaltigkeit quer durch alle politischen Lager thematisiert wurde?
Vor rund zehn Jahren. Über Nachhaltigkeit wurde lange Zeit im Zusammenhang mit Umweltthemen gesprochen. Über die Jahre hat sich das zugespitzt – Stichwort Klima – und nach und nach hat man auch die Abhängigkeitsproblematik in Sachen Ressourcen in diesem Zusammenhang begriffen. Jetzt sind umsetzbare Konzepte gefragt. Was ist machbar? Was ist auch für den Normalbürger umsetzbar? Mit welchen finanziellen Aufwendungen verändert man etwas? Nicht zu vergessen sind die steigenden Preise im Energiebereich. Immer wenn es mehr kostet, ist der Schweizer doppelt sensibilisiert. Darum sind eigentlich Preisschwankungen nach oben wichtig und gut, um die breite Bevölkerung für diese Themen zu sensibilisieren.

Geld ist der wesentliche Treiber?
So wie ich die Schweizer kenne, würde ich sagen: Ja!

Als Politiker werden Sie vermutlich ein Paradebeispiel in Sachen Nachhaltigkeit sein. Hand aufs Herz, wie sieht es in Ihrem Leben als Privatperson aus?
Ich bin von Haus aus innovativ und investitionsfreudig. Gerade eben habe ich in meinem Eigenheim eine neue Heizungsanlage installiert, die mit einem Eisspeicher-Heizsystem funktioniert. Sie macht aus Wasser Eis und das ist die Energiequelle, um im Winter die Energieseite der Wärmepumpe zu bestücken. Zudem habe ich eine grosse Photovoltaik-Anlage installiert. So habe ich aus einem 18-jährigen Gebäude ein Plus-Energiehaus gemacht, ohne die Fenster zu ersetzen und an der Gebäudehülle etwas zu ändern. Das wird zwar unter dem Strich mein Portemonnaie auf der Ausgabenseite mehr belasten. Aber wir müssen solche Beispiele realisieren, um zu zeigen, dass es möglich ist. Wenn man nicht bereit ist, eine Grundinvestition zu tätigen, dann wird man auch keine neuen Ideen finden und Erfahrungen sammeln können. Ich halte das für meinen grössten Beitrag in der Gesellschaft: Immer wieder die Bereitschaft aufzubringen, zu investieren und etwas zu wagen. Um die Leute davon zu überzeugen, dass es andere Ideen und Denkweisen gibt. Offenheit gegenüber neuen Denkweisen ist eine Vorbildfunktion, die man aus meiner Sicht wahrnehmen muss.

Gab es für diesen Entscheid auch finanzielle Überlegungen oder wahltaktische Gründe?
Nein, ich hatte diese Idee schon, bevor ich Nationalrat wurde. Ich kopple das aber natürlich sehr gerne an meine politischen Tätigkeiten. Ich bin ein Politiker, der nicht in der Theorie lebt, sondern ein Praktiker, der anpacken und umsetzen will. Ein anderes Beispiel: Es reden so viele Leute von der Berufsbildung. Aber nur wenige von denen bilden schlussendlich Lernende aus und wissen, worum es dort geht. Ich hingegen bin einer, der nicht nur schön redet, sondern auch realisiert. 

Was bedeutet Ihnen Nachhaltigkeit?
Unter Nachhaltigkeit verstehe ich etwas, das auf einen längeren Zeitraum hinaus Mehrwert generiert. Keine Schnellschüsse – das ist für mich nachhaltig.

Wie können wir alle ein tieferes Verständnis für Nachhaltigkeit entwickeln?
Wir leben heute in einer Welt, die durch schnelle Erfolge, Aktienwerte sowie Gewinne an den Börsen geprägt ist. Ich glaube, ein Unternehmer, der sein Geld in die Firma investiert hat und so in der Eigenverantwortung steht, denkt sehr viel langfristiger. Gesellschaftlich gesehen würde ich sagen, dass wir denjenigen mehr Respekt entgegenbringen sollten, die zu gewährleisten versuchen, dass etwas über einen längeren Zeitraum funktioniert. Menschen, die hinstehen und Verantwortung übernehmen. Das sind für mich eigentlich die wichtigsten Darsteller der Nachhaltigkeit. Also die patronale Führung. So altmodisch wie dieses Wort klingt – es hat für mich sehr viel mit Nachhaltigkeit zu tun.

Nennen wir es Bodenhaftung; wie kann man die optimal vermitteln?
Das ist schwierig. In der heutigen Medienlandschaft sind Sensationen, Skandale und all diese Dinge mehr gefragt als die seriöse Arbeit. Vielleicht hat es auch mit unserem Wohlstand zu tun, dass wir uns über gewisse Fragen keine Gedanken mehr machen. Es geht uns gut, wir haben Jobs, die Wirtschaft läuft. Wenn der Wind rauer wird, werden existenzielle Fragen von der Gesellschaft wieder anders bewertet. Ich bin überzeugt, dass dann die Bodenhaftung sehr viel an Wert gewinnt.

Als Politiker müssen Sie verkürzen und verknappen, allenfalls auch unbequeme Themen umschiffen. Wie machen Sie das?
Ich bin stets für klare Positionen zu haben, auch wenn das nicht allen gefällt. Zudem glaube ich, dass ein politisch interessierter Bürger klare Aussagen bevorzugt. Ich selbst habe lieber einen Gegner vor mir, der sich klar positioniert, aber eine andere Meinung achtet. Niemand ist dazu berechtigt, seine Wahrheit als die absolute und einzige Wahrheit einzufordern. Mit Wertschätzung von Andersdenkenden und zugleich mit einer klaren Position auftretend, ist man gut unterwegs. 

Sie präsidieren die suissetec – einen der Verbände der Gebäudetechnik. Ihre Branche ist einer der Dreh- und Angelpunkte, wenn es um die Umsetzung der Energiestrategie geht. Ist die Gebäudetechnik bereit, um die Energiewende zu stemmen?
Ich glaube schon. Unser grosses Problem ist, dass unsere Gesellschaft Dienstleistungsberufe und Berufe mit einem akademischen Hintergrund bevorzugt. Berufe mit körperlicher Arbeit, bei der man sich die Hände schmutzig macht, gelten nicht als besonders sexy. Auch wenn die Einkünfte, Aufstiegsmöglichkeiten und die Arbeitsplatzsicherheit durchaus vergleichbar oder sogar besser sind. Wir müssen gewährleisten, dass wir junge Leute für unsere Berufe begeistern können. Dann ist sichergestellt, dass wir über Handwerker und Techniker verfügen, die interdisziplinär denken und umsetzen können. Wir benötigen nicht nur Menschen, welche die Denkarbeit erledigen. Wir brauchen auch Berufsleute, die realisieren und umsetzen können.

Schauen wir fünf Jahre in die Zukunft: Wie weit ist die Thematik der Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit der Energiewende gediehen?
Wir werden die Abhängigkeit von Erdölprodukten reduziert haben. Wir werden fitter sein in der Kopplung von Überschussenergie. Wir werden Batterien im Einsatz haben, die Ertrags-Schwankungen kompensieren können. Wir müssen solche Ideen suchen und fördern. Ich bin davon überzeugt, dass auch Photovoltaik noch effizienter wird. Ein Wirkungsgrad von heute 17 Prozent reicht nicht. Die Welt wird nicht wesentlich anders aussehen, aber wir werden weiter sein. Wenn man dann fünf Jahre zurückschaut, wird das Erstaunen gross sein, welche Innovationen in dieser Zeit umgesetzt werden konnten. 

Peter Schilliger ist Zentralpräsident des Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverbandes (suissetec). Der gelernte Sanitärzeichner, Sanitärtechniker und Heizungstechniker ist Mitinhaber, Verwaltungsratspräsident und CEO eines Gebäudetechnikunternehmens in Luzern (Herzog Haustechnik AG). Peter Schilliger sitzt für den Kanton Luzern im Nationalrat und ist Präsident der Kantonalpartei FDP.

Das Eisspeichersystem von Peter Schilliger ist ein gutes Beispiel für nachhaltigen Bauen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.