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Martin Kaufmann

Nachgefragt
Martin Kaufmann, Sie stammen aus dem Bündnerland. Inwiefern beeinflusst Ihre Herkunft den Blick auf das Thema Nachhaltigkeit? 
Die Natur und die Berge im Bündnerland haben mich sehr geprägt. Das ist durchaus ein zweischneidiges Schwert. Wir leben im Bündnerland stark vom Tourismus – und der funktioniert nur, solange die Natur intakt bleibt. Andererseits leben wir in der Haustechnik-Branche davon, dass neue Gebäude erstellt werden und wir die Haustechnik dafür liefern. Das bedeutet: Wir müssen den Ressourcen Sorge tragen, denn nur so können wir sie nachhaltig nutzen. 

Wann wurde Ihnen bewusst, dass Klima über Ihr Tagesgeschäft hinaus noch eine weitreichendere Bedeutung hat? 
In den letzten Jahren wurde das Thema zunehmend breiter diskutiert. Als ich in der HLK-Branche anfing, war mir schon bewusst, dass die Ölverbrennung nicht gerade optimal ist. Aber es wurde noch völlig unterschätzt, dass wir alle unseren Beitrag leisten müssen, um sparsam mit den Ressourcen umzugehen. Öl ist etwas sehr sehr Wertvolles: Wir müssen darauf achten, dass wir es dort einsetzen, wo wir keine Alternativen haben. Fliegen ohne Öl beispielsweise wird sehr schwierig. Hingegen kennen wir im Bereich der Gebäude bereits einfache Lösungen. Mit fast der Hälfte des schweizweiten Energieverbrauches ist der Gebäudepark einer der grössten Energiefresser. Hier sind wir als Branche stark gefordert. 

Wann begann Ihre Branche, sich dazu vermehrt Gedanken zu machen? 
In der Klimabranche ist das schon länger ein Thema, in der Öffentlichkeit – nach meinem Empfinden – erst seit gut zehn Jahren; damals ist der Ölpreis wieder einmal richtig davongerast. Ich persönlich spüre das vermehrte Interesse auch an der Reaktion der Menschen auf meinen Beruf: Wenn ich früher von meiner Tätigkeit erzählt habe, wurde genickt und man hat ein anderes Thema angesprochen. Heutzutage kommt sofort das Gespräch ins Rollen: Da erzählen die Leute von ihrer sanierungsbedürftigen Heizung und von ihrer Ratlosigkeit, wie sie vorgehen sollen. Es wird jetzt breiter diskutiert und das ist wichtig, denn: Nur wenn sich die Menschen damit auseinandersetzen, sind sie bereit, in dieses Thema zu investieren. 

Auch die Energiewende ist ein viel diskutiertes Thema: Wo liegt für Sie die grösste Herausforderung?
Das ist in der Tat eine immense Herausforderung. Aus gebäudetechnischer Sicht ist der Neubau kein Thema mehr. Denn mit den heutigen Standards können wir wunderbare Häuser bauen, die praktisch keine Energie mehr benötigen. Die Herausforderung jedoch liegt in der energetischen Sanierung des bestehenden Gebäudeparks, denn hier muss man in Gesamtkonzepten denken. Die Gebäudeisolation, die Gebäudehülle sowie die Haustechnik sind wichtige Themen, und es ist nicht immer einfach, hier eine Balance zu finden. Gerade ältere Leute, die in den 1960er- und 70er-Jahren Häuser gebaut haben und darin wohnen, sind schwer von einer Sanierung zu überzeugen. Hinzu kommen der Denkmalschutz, der Unterhalt von älteren Gebäuden sowie der steigende Bedarf an Komfort. Wenn wir die Energiestrategie des Bundes erreichen wollen, dann kommen wir nicht umhin, den gesamten Gebäudepark energetisch zu sanieren. 

Das geschieht nicht von heute auf morgen. Haben Sie eine Idee, wie man der Alltagsrealität Rechnung trägt – ohne die Vision aus den Augen zu verlieren? 
Die Vision ist da: Man will raus aus der Kernenergie. Man will den fossilen Energieverbrauch drastisch senken – und wir haben auch die Möglichkeit, diese Ziele umzusetzen. Ich halte für wichtig, dass auf dem politischen Parkett gute Rahmenbedingungen geschaffen werden. Da sind wir als Branche ebenso wie die Politik gefordert. Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten, und die Rahmenbedingungen müssen so beschaffen sein, dass die Hausbesitzer von sich aus investieren, um der Energiewende zum Durchbruch zu verhelfen. Von Subventionen halte ich nicht allzu viel. Die Förderung der Photovoltaik in Deutschland ist aus meiner Sicht völlig kontraproduktiv und führt zum „Schweinezüchter-Zyklus“: Alles geht hoch und wir ziehen mit. Und dann geht alles runter – und wir auch. Das ist nicht nachhaltig. Daher gilt es, eine Balance zu finden. 

Sie haben sich im Bündnerland ein Ferienhaus gebaut – mit welcher Energietechnik? 
Bei der Gebäudehülle habe ich mich auf den Architekten verlassen. Interessant war, dass ich mich bei der Wahl der Heiztechnik schwerer tat als angenommen. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten. Bei der Wahl der Heiztechnik müssen die Gebäude- und Umgebungsgegebenheiten unbedingt berücksichtigt werden. Im Neubau ist der Einsatz einer Wärmepumpe unbestritten. Dann stellen sich aber sofort folgende Fragen: Erdsonde oder Luft als Energieträger? Baut man eine Komfortlüftung ein? Setzt man als Ergänzung auf Solarthermie oder Photovoltaik? Für mein Ferienhaus und meine Bedürfnisse war eine Wärmepumpe mit Erdsonde in Kombination mit einer Komfortlüftung die energetisch effizienteste Wahl.

Martin Kaufmann hat nach einer Ausbildung zum Kaufmännischen Angestellten die Höhere Wirtschafts- und Verwaltungsschule in Chur absolviert. Nach Stationen in der Romandie und mehreren Schweizer Industrieunternehmen leitet der bekennende Heimweh-Bündner seit 2007 die Geschicke von Walter Meier Klima.

Er hat das Mehrfamilienhaus «Residenza Paradiso» in Lugano als Referenzobjekt als Beispiel für nachhaltiges Bauen ausgesucht. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.