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Hans Killer

Hans Killer ist Präsident von «bauenschweiz», der Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft.
Herr Killer, Sie haben eine Tiefbauzeichner-Lehre absolviert und sich dann als Maurer weitergebildet. Wann haben Sie zum ersten Mal von Nachhaltigkeit gehört?
Das war sicherlich nicht in meiner Lehrzeit. Das ist ein Begriff, der in den letzten 20 Jahren Bedeutung erlangt hat – und mittlerweile ist er fast überstrapaziert. Viele Leute wissen gar nicht so recht, was er bedeutet. Alles muss irgendwie nachhaltig sein. Aber entsprechend verhalten tut sich der Mensch gleichwohl nicht. Man ist froh, wenn die Welt und die Umwelt nachhaltig sind. Aber sich selbst sieht man nicht als Problem bei der Nachhaltigkeit. 

Was bedeutet der Begriff für Sie?
Im Sinne der Definition von Frau Brundtland: Man sollte nicht mehr verbrauchen als das, was nachwächst, und den kommenden Generationen keine Altlasten vermachen. Das ist die einfachste Definition von Nachhaltigkeit.

Würden Sie sagen, dass Sie mit dieser Einstellung schon immer durchs Leben gegangen sind? Oder ist sie erst im Laufe der Zeit, im Laufe Ihres politischen Engagements zu Ihrer Handlungsmaxime geworden?
Ich würde für mich in Anspruch nehmen, mich nicht exzessiv verhalten zu haben. Ich bin ein besonnener und überlegter Typ und neige nicht zum masslosen Übertreiben. Mein Leben ist bisher so verlaufen, dass ich keine groben Fehler gemacht habe. Dass ich dabei nicht immer allen Leuten gefalle, gehört dazu, wenn man in der Öffentlichkeit steht.

Sie plädieren als Präsident von bauenschweiz dafür, nicht alles, was gebaut wurde, stehen zu lassen. Warum bringt es aus Ihrer Sicht mehr, etwas abzureissen und neu zu bauen?
Viele alte Bauten haben bezüglich Geschosshöhe und Inneneinteilung eine Architektur, die aus einer anderen Zeit stammt. Heute muss ein Zimmer so gross sein wie früher eine ganze Wohnung. Viele Gebäude entsprechen nicht mehr den Ansprüchen, die die Gesellschaft heute hat. Das bedeutet aber nicht, dass man historische und architektonisch wichtige Bauten nicht weiter unterhalten und für die Zukunft erhalten sollte. Aber viele alte Gebäude eignen sich nicht, um mit massiven Investitionen Energie zu sparen. Das hängt damit zusammen, dass die Grundstruktur eines alten Hauses nicht mehr zeitgemäss ist. Das kann man fast nur ändern, wenn man das Haus demontiert und rückbaut. Mit einem solchen Arbeitsprozess lässt sich Platz für architektonisch gute, zeitgemässe Lösungen gewinnen. Allenfalls sogar mit mehr Geschossen als bisher, um einen grösseren Raum zu schaffen und eine Verdichtung nach innen zu ermöglichen.

Nachhaltiges Bauen ist aus Ihrer Sicht also unmöglich, wenn man das nicht berücksichtigt?
Ja. Nachhaltigkeit im Bauen heisst natürlich auch, dass man das eingesetzte Material nicht einmal einbaut und dann ist es für die Ewigkeit verloren. Gerade mit dem Rückbau – und da spreche ich als Präsident des Aushub-, Rückbau- und Recyclingverbands der Schweiz (ARV) – ist die Wiederverwendbarkeit von Baumaterialien ein grosses Thema für die Branche. Und es wird viel getan: Zum Beispiel stellt man aus Abbruchmaterial wie Mauerwerk und Beton qualitativ guten Kies her. Das Material lässt sich in einem Kreislauf auch in der zweiten und dritten Phase noch gut verwenden. Das ist ressourcenschonend und nachhaltig. Die Technik der Wiederverwendbarkeit ist weitgehend anerkannt und das Material wird am Markt ohne qualitative Einbussen verwendet.

Aufgrund Ihrer Tätigkeit als Präsident des ARV ist es naheliegend, dass Sie den Rückbau forcieren. Was sagen Sie dazu?
Das ist durchaus ein Argument, aber nicht der Hauptgrund, warum ich mich dafür einsetze. Mir geht es eher um den optimalen Einsatz der Mittel: Wenn man viel Geld in die Erneuerung eines Baus investiert, aber die überholte Struktur nicht beachtet, ist das häufig nicht wirtschaftlich. Der Bereich der Renovation hat absolut seine Berechtigung. Aber es ist nicht damit getan, dass man sagt: «Abreissen darf man nicht, denn die alten Häuser haben Charme, sind Zeitzeugen und darum unantastbar.»

In Diskussionen um Nachhaltigkeit in punkto Verdichtung wird oft der Vorwurf geäussert, dass die Politik nur reagiere und man diese Themen mit ein wenig Weitsicht auch schon vor 20 Jahren hätte besprechen können. 
In der Eröffnungsveranstaltung hier an der Swissbau wurde gesagt: «Die Raumplanung hat versagt.» Das mag man so sehen, ich will nur daran erinnern: Raumplanung ist eine theoretische Sache und auf dem Papier machbar. In der Praxis stellen sich dann aber plötzlich Fragen wie «Befindet sich mein Areal noch in der Bauzone, oder nicht?». Das sind Sachverhalte, bei denen es um privates Eigentum geht. Weil in unserem Land in der Entscheidungshierarchie zuerst die Gemeindeversammlung bestimmt, wie gross die Bauzone im eigenen Dorf sein darf. Man muss dann Mehrheiten bilden und mit den Mehrheiten geht man zum Kanton und formuliert seine Vorstellungen. Und der Kanton befürwortet die Pläne oder er lehnt sie ab oder er fordert Korrekturen. Ganz am Schluss werden die Pläne in den Richtplan integriert und nach Bern geleitet. Und dort wird es in der Regel akzeptiert. Den Prozess jetzt umkehren zu wollen und von oben nach unten zu korrigieren, funktioniert aufgrund unserer demokratischen Strukturen nicht.

Man müsste also die Interessen der Allgemeinheit über das Privateigentum stellen?
Man würde keine Mehrheiten finden, wenn man die privaten rechtlichen Möglichkeiten einschränken und dem Eigentümer von Bauland das Mitspracherecht verweigern würde. Aber es gibt Ansätze, die der Bund vorgibt. Mit dem neuen Raumplanungsgesetz wurde festgelegt, dass es keine Ausweitung mehr nach aussen gibt. Die Kantone müssen ihre Richtpläne überarbeiten und haben dazu fünf Jahre Zeit. Solange diese Bearbeitung nicht erfolgt ist, wird nicht mehr eingezont. Auf der Stufe «Kantone und Bund» ist das noch einigermassen gangbar. Aber auf der Stufe der Gemeinden bedeutet es eine Menge von Detailfragen – alleine bei Projekten, die bereits vorfinanziert sind.

Wie sieht die Schweiz aus Ihrer Sicht als ideales Land in 15 Jahren aus?
Die Ansicht, wonach jede Sekunde ein Quadratmeter Land verbaut wird, teile ich nicht. Wenn ich die Schweiz von oben anschaue, habe ich nicht den Eindruck, dass wir kurz vor dem Kollaps stehen und dass es kein Kulturland mehr gibt. Wir hatten ein Limit, wieviel Kulturland die Schweiz haben muss. Und an der Zahl hat sich bis jetzt nichts geändert. Man ist immer noch der Meinung, dass man das Ziel erreichen kann. Ich denke, dass mit den Änderungen im Raumplanungsgesetz die Siedlungsgebiete in den nächsten 15 Jahren nicht mehr gross oder nur sehr gezielt nach aussen wachsen werden. Man muss sich aber damit befassen, dass man die Wohnzonen nach innen erschliesst und die freien Parzellen im Siedlungsraum, die bereits erschlossen sind, besser nutzt. Diese Einsicht wird kommen. Der Kanton Zürich hat beispielsweise eine Kulturland- Initiative angenommen. Und auch die Zweitwohnungs-Initiative ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Leute nicht mehr wollen, dass jeder noch eine Zweitwohnung besitzt. Das war zwar ein knapper Entscheid, aber den muss man akzeptieren. Und auch die anderen Entscheide in der Vergangenheit wie die Raumplanungsgesetz-Revision haben gezeigt, dass die Bevölkerung sensibilisiert ist und sich das Wachstum nicht mehr so vorstellt wie in den 1960er Jahren – mit vierspurigen Hauptstrassen durch das Siedlungsgebiet. Die Menschen haben heute ein stärkeres Bewusstsein für ein gesteuertes und moderates Wachstum. 

Hans Killer ist Präsident von «bauenschweiz», der Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft, die über 60 Verbände integriert. Zudem präsidiert er den Schweizer Aushub-, Rückbau- und Recyclingverband (ARV). Hans Killer war bis zu seiner Pensionierung über 30 Jahre für eine Infrastrukturfirma in der Bauwirtschaft tätig. Der gelernte Maurermeister und Tiefbauzeichner engagiert sich seit Jahrzehnten in der Politik. Seit sechs Jahren sitzt er für den Kanton Aargau im Nationalrat
(SVP).

Hans Killer gefällt die Idee hinter dem nachhaltigen Bauen an der Badenerstrasse 378 – 380 in Zürich. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.


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