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Silvan Frei

Silvan Frei

Herr Frei, Sie arbeiten heute als Solarteur Wie kam es dazu?
Silvan Frei: Ich habe eigentlich Elektriker gelernt. In meinem alten Betrieb sind aber immer auch Solaranlagen geplant und verbaut worden. Als mein Chef einen Flyer für die Weiterbildung zum Solarteur erhielt, habe ich mich dafür interessiert und schliesslich angemeldet.

Dabei ist der Beruf nicht einmal staatlich anerkannt.
Stimmt, die Ausbildung wird in der Schweiz im Gegensatz zu Deutschland und Österreich erst seit wenigen Jahren angeboten. Ich glaube, ich war an der Berufsschule Rheinfelden sogar einer der ersten Absolventen, der diesen berufsbegleitenden halbjährigen Kurs besucht hat.

Wie kommt ein junger Bursche von Anfang zwanzig dazu, sich für Themen wie Photovoltaik, Wärmepumpen, Solartechnik oder Arbeitssicherheit zu begeistern?
Ich bin gegen Atomstrom und für erneuerbare Energien. Und für die Energiewende möchte ich meinen ganz persönlichen Beitrag leisten – nicht nur durch mein Verhalten, sondern auch von Berufs wegen. Solaranlagen zu bauen, gibt mir einfach ein gutes Gefühl. Vor allem, wenn ich daran denke, dass wir mit jeder von uns gebauten Photovoltaikanlage den ökologischen Fussabdruck reduzieren können.

Wie geht der Privatmann Silvan Frei damit um?
Zu Hause bin ich zwar eingeschränkt, was die baulichen Veränderungen angeht. Aber in der Wohnung verwende ich zumindest Energiesparlampen, benutze Steckerleisten zum Abschalten und achte darauf, dass das Licht nicht brennt, wenn niemand im Raum ist.

Wie schafft man es, Bauherren von der Notwendigkeit zu überzeugen, trotz der höheren Investitionskosten auf umweltfreundliche Energietechnik zu setzen?
Die Energiewende ist Gott sei Dank ein grosses Thema in den Medien. Man muss die Leute ganz einfach dafür begeistern, dass jeder seinen Beitrag leistet. Hinzu kommt in einigen Kantonen ja auch ein finanzieller Anreiz in Form von Förderungen. Damit lassen sich die Investitionen etwas reduzieren und in bestimmten Fällen sogar eine Rendite erwirtschaften. Aber trotzdem bleibt es bei jedem Kunden eine Herausforderung, ihn davon zu überzeugen, dass sich der Mehraufwand lohnt.

Können sie den Begriff «Nachhaltigkeit» überhaupt noch hören?
So oft höre ich den Begriff bei der Arbeit nicht. Wenn ich mit Kunden spreche, dann von Solaranlage oder Photovoltaikanlage. Wenn ich bei einem Neubau dabei bin, sind die Kunden meistens ohnehin nicht da. Grundsätzlich finde ich den Begriff schon gut, denn er drückt genau das aus, was wichtig ist: erneuerbare Energien mit einer langfristigen Perspektive im Sinne unserer Kinder einzusetzen.

Leidet unter den Möglichkeiten des nachhaltigen Bauens vielleicht die Kreativität des Architekten oder des Bauherrn, weil der Individualität Grenzen gesetzt sind?
Die Kreativität ist sicher noch da, aber irgendwo muss man Kompromisse eingehen. Man muss halt eine Anlage aufs Dach bauen, auch wenn der Nachbar das nicht immer schön findet. Es gibt den Dorfkern, wo der Kanton entscheidet, was geht und was nicht. Ich finde es schade, wenn man Mühe hat, etwas zu verwirklichen. Für mich stellt sich nicht die Frage, ob eine Anlage schön ist oder nicht. Das Haus muss schön sein, und das hat zum Beispiel damit zu tun, ob die Farbe stimmt.

Aber hat grüne Technologie nicht ein grundsätzliches Akzeptanzproblem, insofern als sie zwar ein reines Gewissen schafft, gestalterisch aber nicht gerade das Gelbe vom Ei ist?
Wieso? Ich finde eine Photovoltaikanlage sehr schön, mir gefällt das. Man darf das sehen. Ein Atomkraftwerk sehen Sie ja auch; man muss nicht alles verstecken. Die Kunden nehmen in Kauf, dass man das nachher sieht. Und wenn eine Anlage schön aufgebaut ist, sieht sie auch schön aus. Es gibt zum Beispiel dachintegrierte Anlagen, die sogar die Dachziegel ersetzen. Oder Solarpaneele die wasserabweisend sind, damit es nicht durchs Dach regnet.

Aber bleibt nicht ein gestalterischer Wermutstropfen?
Das würde ich so nicht sagen. Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten, die gerade die Ästhetik in den Vordergrund stellen. Nicht nur die eben angesprochenen Punkte. Wir haben eine solche Vielfalt an Farben und Transparenzstufen, die ein Photovoltaikmodul zur unerschöpflichen Quelle für den Architekten macht. Leider ist das nicht so bekannt, da muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Welches Projekt in der Schweiz bringen Sie spontan mit Nachhaltigkeit in Verbindung?
Da fällt mir die Umweltarena in Spreitenbach ein. Sie haben vielleicht davon gehört, das Projekt hat ein grosses mediales Echo ausgelöst. Vor allem der Nachhaltigkeitsgedanke wurde hier sehr in die Breite getragen.


Silvan Frei, 22, ist gelernter Elektromonteur. Nach seiner Ausbildung liess er sich an der Gewerbeschule Rheinfelden zum Solarteur weiterbilden – und darf sich heute Fachkraft für erneuerbare Energien nennen. Frei kommt aus Frick im Aargau und arbeitet in Basel bei der Solvatec AG, einem der landesweit führenden Unternehmen im Bereich der Photovoltaik.


Er hat die Umweltarena in Spreitenbach als Referenzobjekt für nachhaltiges Bauen in der Schweiz angegeben. Mehr Informationen dazu erhalten Sie hier.