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Ansgar Gmür

Nachgefragt
Herr Gmür, wenn Sie heute als Direktor des Hauseigentümerverbandes ein Haus bauen müssten – wie würden Sie vorgehen?
Ganz klar: Sicher nicht selbst planen, sondern Spezialisten holen. Das ist wichtig – vor allem energetisch. Ich saniere zurzeit mein Eigenheim und bin erstaunt, wie wenig Leute heute ganzheitlich denken. Auch bei Fachleuten ist die ganzheitliche Sicht oft nicht vorhanden. Zudem gibt es heutzutage eher zuviel als zu wenig Information; da kann man als Laie durchaus überfordert sein. Wer baut, ist auf sich alleine gestellt. Oft heisst es: «Sie vom HEV wissen ja, was Sache ist.» Denkste. Da schlagen mir die Fachleute 50 SIA-Normen um den Kopf und ich verstehe auch nur Bahnhof. Man muss den Kunden, also den Bauherren, an der Hand nehmen, begleiten und ehrlich führen.

Was hat denn bei Ihrer energetischen Sanierung dazu geführt, dass Sie es so oder so machen?
Ich bin immer noch dran. Inzwischen sind die Entscheidungsprozesse äusserst anspruchsvoll. Die einen sagen: «Setz auf Solar» – davon bin ich auch überzeugt: Warmwasser kann man mit Solarenergie machen. Dann beginnen die Diskussionen. Geht man in den Boden und macht eine Luftwärmepumpe? Die einen sagen: «Das ist in ein paar Jahren überholt.» Man muss sich gut informieren und vieles prüfen, dafür eignet sich die Swissbau bestens. Man muss sich gut überlegen, was in zehn Jahren noch sinnvoll ist und wie es sich mit den Kosten verhält. Neulich habe ich gehört, dass der Einbau von Erdsonden zu «Wärmeklau» führt. Sie sehen, die Thematik ist breiter denn je. Die alleinseligmachende Lösung gibt es nicht. Vor allem bei Teilsanierungen muss man sich gut überlegen, was langfristig Sinn macht und Zukunft hat, weil es in der technologischen Entwicklung noch enorme Sprünge geben wird. 

Wir reden über Nachhaltigkeit, mögen Sie diesen Begriff?
Nein. Ich halte das Wort für abgenutzt. Ich sage manchmal: Selbst Schlafen ist nachhaltig, wenn man es nur lange genug macht. Nachhaltig ist für mich: Sinnvoll für die nächste Generation zu planen. Meiner Meinung nach ist nicht alles, was nachhaltig genannt wird, tatsächlich nachhaltig.

Können Sie sich erinnern, dass am Anfang Ihres beruflichen Werdeganges – Sie waren Chemielaborant in Basel – das Wort Nachhaltigkeit überhaupt je gebraucht wurde?
Als ich ein junger Bursche war, war der Rhein noch farbig, weil die Farbe der Chemiefabriken reingeleitet wurde. Zum Glück ist das Geschichte. Das Wort Nachhaltigkeit ist mir im Zusammenhang mit dem Waldsterben begegnet. Damals war ich Direktor in der Papierindustrie. Das Thema Waldsterben wurde so strapaziert, dass die Leute irgendwann genug davon hatten. Nun muss man achtgeben, dass es im Energiebereich nicht zum «Waldsterbe-Effekt» kommt. Wir sollten das Thema Energie mit Bedacht sowie Vernunft angehen und realistisch sein. Die Bevölkerung wird nur dann mitmachen, wenn es nicht übertrieben und vor allem bezahlbar ist. Machbares machen, aber nicht übertreiben.

Sie haben nach Ihrer Lehre als Chemielaborant und der Matur auf dem zweiten Bildungsweg Wirtschaft studiert und als Taxifahrer, Nachtportier sowie als Putzmann gearbeitet. Sie liessen sich zum Tenor ausbilden, sind Bauchredner und stehen als Direktor dem HEV Schweiz vor. Eine bunte Vita. Würden Sie sagen, dass Sie ein nachhaltiges Leben führen?
Ja. Nachhaltig leben heisst für mich, dass ich einen Sinn im Leben sehe und verantwortungsvoll lebe. Und das ist im Alter mehr der Fall als in jungen Jahren. Mit dem Alter wird man nachhaltiger, weil man an die nächste Generation denkt.

Ansgar Gmür ist seit 2000 Direktor des Schweizerischen Hauseigentümerverbandes (HEV Schweiz). Er studierte an der Universität Zürich Wirtschaft und besuchte im Nachgang die Controller Akademie in München. Bevor Gmür sein Amt beim HEV Schweiz antrat, war er Vizedirektor beim Verband der Arbeitgeber der Textilindustrie VATI und Direktor des Verbandes der Schweizerischen Zellstoff-, Papierund Kartonindustrie (ZPK). Mehrere Jahre war Ansgar Gmür nebenamtlich am Bezirksgericht Zürich als Arbeitsrichter tätig. In seiner Freizeit betätigt er sich als Bauchredner und liess sich am Konservatorium in Zürich zum Tenor ausbilden.


Ansgar Gmür findet die Bauackerstrasse 40 in Giebenach ein gutes Beispiel für nachhaltiges Bauen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.