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Energieeffiziente Gebäudetechnik im digitalen Zeitalter

Publiziert am 15.01.2016 von Redaktion Swissbau
Energieeffiziente Gebäudetechnik

Eventreport 15. Januar 2016, 9.15 - 10.45, Veranstalter: EnergieSchweiz / KGTV / 2SOL Lange stand die Hülle im Zentrum, wenn es ums Energiesparen am Gebäude ging. Nun rückt die Gebäudetechnik wieder mehr ins Interesse. Und hier ist es wiederum die Digitalisierung, die Hoffnungen auf Fortschritte weckt. Sie soll den Energiebedarf bei gleichem oder gar besserem Komfort deutliche senken, sagen die Optimisten.  

Bild: Karin Frick, Christoph Schaer, Frédéric Gastaldo, Esther Keller, Patrick Hofer-Noser (v.l.n.r)

Vier Referenten gingen an der Veranstaltung «Energieeffiziente Gebäudetechnik im digitalen Zeitalter» der Frage nach, ob und wie die Digitalisierung künftig dabei helfen kann, Energie zu sparen. Dabei näherten sie sich – ihrem beruflichen Hintergrund entsprechend – dem Thema von sehr verschiedenen Seiten. 

Adrian Grossenbacher vom Bundesamt für Energie bereitete das Terrain vor. Er postulierte, durch forcierten Einsatz effizienter Gebäudetechnik liessen sich bis 2050 zusätzlich rund 15 Prozent des Energieverbrauchs und 39% der Treibhausgasemissionen über den gesamten Gebäudeparks einsparen. Die Zahlen stammen aus der neusten Studie, die das Bundesamt für Energie zusammen mit der Konferenz der Gebäudetechnikverbände zusammen initiiert hat. 

Die Web-Ökonomie als Vorbild? 

Karin Frick vom Gottlieb Duttweiler Institute versuchte daraufhin, der Gebäudetechnikbranche die Geschäftsmodelle der Internet-Ökonomie schmackhaft zu machen. Die Gebäudetechnik werde sich dematerialisieren, Hardware werde unwichtiger und Software wichtiger. Vor allem aber mahnte sie Eile an, denn es drängen bereits Internetkonzerne in die Schweiz mit Dienstleistungen in der Gebäudeautomation (Google/Nest) oder der Vermittlung von Gebäudetechnik-Fachleuten (Amazon mit «Homeservice»). Sie warnte auch davor, zu hoffen, dass sich in den künftig verdichteten Städten mit Lowtech noch Geld verdienen lasse. «Ihre Branche wird eine Software-Branche. Denken sie nicht in Objekten, sondern vernetzt!», rief sie in den Saal.

Wie das mit dem Netz etwa aussehen könnte, zeigte Frédéric Gastaldo, CEO Swisscom Energy Solutions AG. Er ist verantwortlich für die Energie-Dienstleistung Tiko, die seine Arbeitgeberin zusammen mit dem Stromversorger Repower zusammen anbietet. Sie soll gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit dezentraler Energieerzeuger und die Stabilität des Stromnetzes verbessern. Dies tut sie, indem sie etwa den Eigenverbrauch der Gebäude optimiert oder die Wetterentwicklung antizipiert. Der Dienst läuft heute bei 6000 Kunden und soll sich bewährt haben. Damit die Digitalisierung aber breit akzeptiert werde, müssten die Kosten weiter sinken, die Sicherheit und der Datenschutz garantiert sein und die Technik zuverlässig skalieren. Er prophezeite: «Alles, was heute an teuren Insellösungen zu haben ist, wird künftig digitalisiert und viel billiger sein.» 

Der Innovator Elmar Mock, Co-Erfinder Swatch und Gründer Creaholic SA, dachte darüber nach, warum sich Menschen oft schwer tun mit Innovationen. Damit meinte er auch die Schweizer Gebäudetechnikbranche, die zwar meisterlich im Optimieren und Renovieren von gängiger Technik sei, aber eben nicht übermässig innovativ. Das müsste sie aber sein, um in einer zunehmend digitalisierten Welt zu bestehen. Hierfür brauchte es den Mut, bekannte Pfade zu verlassen und mutig völlig Neues zu schaffen. Das müsse aber nicht unbedingt digital sein, befand er im Gegensatz zu seiner Vorrednerin: «Elektronik ist nicht entscheidend – smart müssen die Produkte sein!». 

Gemeinsam offene Systeme schaffen 
Auf dem Podium schliesslich wurden die Referenten noch durch Patrick Hofer-Noser, Präsident Allianz 2SOL, Christoph Schaer, Leiter Technik und Betriebswirtschaft suissetec und Markus Weber, Präsident Fachverein Gebäudetechnik und Energie SIA FGE und Vorsitzender Konferenz der Gebäudetechnik-Verbände KGTV, ergänzt. Einig war man sich, dass die Schweiz als Bildungsstandort eigentlich gute Voraussetzungen habe, um auch international eine Rolle bei der Digitalisierung der Gebäudetechnik zu spielen. Momentan aber komme ihm die Branche aber eher vor, wie ein Schildkröte, frotzelte Elmar Mock. Damit sie nicht von ausländischen Branchenfremdlingen überrollt werde, müssten die Firmen über ihren Schatten springen und sich mit anderen zusammentun, riet Patrick Hofer-Noser. Sie müssten gemeinsam offene Systeme schaffen, die auch für den Export taugten. 

Hier finden Sie alle Präsentationen des Tages zum Download.

Weiteres Bildmaterial steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Elmar Mock, Co-Erfinder Swatch und Präsident Creaholic SA
Karin Frick, Leiterin Research und GL-Mitglied Gottlieb Duttweiler Institute GDI
Frédéric Gastaldo, CEO Swisscom Energy Solutions AG
Markus Weber, Präsident SIA FGE, KGTV und Mitinitiator Bauen digital Schweiz

Veranstalter

Energie Schweiz

Logo KGTV

Redaktion Swissbau

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