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Focus: Energie-Zukunft – Utopie oder Realität?

Publiziert am 14.01.2016 von Redaktion Swissbau
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Eventreport 14. Januar 2016, 16.00 - 17.15, Veranstalter: Swissbau. Am Donnerstag, den 14. Januar 2016 ist die Charta der Schweizerischen Bauwirtschaft für die energetische Transformation des Gebäudeparks feierlich im Swissbau Focus an Bundesrätin Doris Leuthard übergeben worden. Damit sollen die Ziele der Energiestrategie 2050 des Bundesrates im Bereich Gebäude erreicht werden. Die Bundesrätin applaudierte der Übergabe und zeigte sich glücklich. 

Gruppenbild: Bundesrätin Doris Leuthard und die beteiligten Vertreter der Schweizer Bauverbände mit unterzeichneter Charta Energiebildung

Sendung in voller Länge

Fast dreissig Verbände aus der Bauwirtschaft an einen Tisch zu setzen, das gelang Doris Leuthard schon vor zwei Jahren, anlässlich der Swissbau 2014. Jetzt sind die Resultate dieser Verhandlungen in Form der Charta der Schweizerischen Bauwirtschaft für die energetische Transformation des Gebäudeparks sichtbar geworden. Die Verbände sehen sich in der Pflicht und scheuen auch die Herausforderung nicht. Der Optimismus animierte auch die zahlreiche Zuhörerschaft zu kräftigem Applaus. 

«Mit einer Erneuerungsrate von nicht einmal einem Prozent schaffen wir die Energiewende nicht – es baucht das Doppelte», warnt Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin des UVEK. Damit spricht die Energieministerin einen wunden Punkt an: Die Ziele sind formuliert, auch über den Weg sind sich die meisten Wirtschaftsvertreter einig. Was es jetzt braucht, ist die Umsetzung. An diesem Punkt setzt die Charta der Schweizerischen Bauwirtschaft für die energetische Transformation des Gebäudeparks an. Für alt Nationalrat Hans Killer, Präsident von bauenschweiz, ist diese Charta das Bekenntnis der Bauwirtschaft, die Energiestrategie 2050 des Bundesrates im Gebäudebereich umzusetzen. Doris Leuthard bedankte sich für das Engagement bei Killer: «Das macht mich glücklich.» 

Bildung ist zentral 

Klimapolitik und Energiepolitik ist auch und vor allem Wirtschaftspolitik, so Leuthard. Dabei geht es um eine Steigerung der Energieeffizienz und eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Dass dabei Fachwissen ein entscheidendes Kriterium bildet, ist für Killer der entscheidende Grund, in die Charta der Schweizerischen Bauwirtschaft für die energetische Transformation des Gebäudeparks die Bildung als integralen Teil einzufügen. «Es ist eine Übereinstimmung der Branche, sich an diese Herkulesaufgabe zu wagen», meint Professor Urs Rieder von der Hochschule Luzern. An dieser Bildungsoffensive sind die Hoch- und Berufsschulen der Schweiz beteiligt. «Zur Charta gehört auch, dass wir die Ergebnisse kontrollieren», so Rieder, «wir wollen ein Controlling.» Es ist ganz zentral, dass ein Grundwissen über das energieeffiziente Bauen und Renovieren zum Wissen unserer Baufachleute gehört, so Leuthard. Und damit ist es nicht getan, meint Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie: «Es braucht eine kontinuierliche Weiterbildung.» Rein betriebswirtschaftlich sind Investitionen in Mitarbeitende sehr erfolgsrelevant, so Hans Rupli, Zentralpräsident von Holzbau Schweiz, schon deshalb ist Weiterbildung lohnend. 

Die Hälfte der Energie 

40 Prozent der CO2-Emissionen und die Hälfte des Energieverbrauches geht auf das Konto der Gebäude. «Es ist deshalb wichtig, dass die Nutzung des Gebäudes in den Fokus rückt», betont Hans Rupli. Das sei an der Zeit, meint Matthias Sulzer von der Hochschule Luzern. Relevant sei eine Lebenszyklusbetrachtung und nicht die Bewertung einzelner Phasen, wie das noch oft der Fall sei, kommentierte der Professor. Für eine Betrachtung des Gesamtsystems «Haus» ist auch Walter Steinmann vom Bundesamt für Energie. «Da braucht es auch kritische Fragen der Hausbesitzer und Hausbesitzerinnen.» Doch viele Eigentümerschaften würden das Risiko scheuen, warnt Pascal Müller, Architekt in Zürich. Es braucht ein Umdenken: «Wie konsumiere ich ein Haus? Kann ich auch mit weniger auskommen?» Hans Rupli findet, dass viele Hauseigentümer lediglich reaktiv agieren, wenn es quasi nicht mehr anders geht. So wäre eine langfristige Werterhaltung kaum möglich, so Rupli. Für Beat Odinga, Projektentwickler, fehlt es häufig am gegenseitigen Verständnis. Damit könnten aber viele grosse Projekte, wie beispielsweise Arealentwicklungen, nicht realisiert werden, was für alle Beteiligten die Chancen mindert. 

Charta der Bauwirtschaft 
Die Charta der Schweizerischen Bauwirtschaft für die energetische Transformation des Gebäudeparks als Teil der Energiestrategie 2050 ist die Absichtserklärung von 27 Verbänden des Rohbaus, des Ausbaus sowie der Gebäudetechnik, ihren Anteil in der Umsetzung zu leisten. Ein zentraler Teil ist die Bildungsoffensive, mit der der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft nachhaltig behoben werden soll.

Hier finden Sie alle Präsentationen des Tages zum Download.

Weiteres Bildmaterial steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin UVEK
Pascal Müller, Inhaber Müller Sigrist Architekten AG
Matthias Sulzer, Prof. Hochschule Luzern und Partner Inretis AG
Urs Rieder, Vizedirektor Hochschule Luzern
Marzio Nessi, Professor für Physik Universität Genf CERN
Beat Odinga, Verwaltungsratspräsident Blickpunkt Lebensraum
Hans Rupli, Zentralpräsident Holzbau Schweiz und Vorstand bauenschweiz

Trailer


Focus: Energie-Zukunft – Utopie oder Realität?

Veranstalter

Swissbau

Impressum

Text: Othmar Humm, Faktor Journalisten 
Interviews: Peter Basler 
Kamera und Schnitt: Adrian Baumann, TVision
Fotografie: Aissa Tripodi, Swissbau
Konzept und Koordination: IEU Kommunikation AG

Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

Der Swissbau Blog ist eine dialogorientierte Online-Plattform für aktuelle Beiträge zur Bauwirtschaft in der Schweiz. Neben zahlreichen Beiträgen aus dem Themenspektrum des Swissbau Focus liefert er regelmässig interessante News und Hintergründe zur Baubranche bzw. zur Swissbau selbst. Informationen zur Autorenschaft finden sich im Impressum. Bitte beachten Sie zudem die Blog Policy.

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