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Eckwerte zukünftiger Planungs- und Bauprozesse und die Rolle von BIM

Publiziert am 14.01.2016 von Redaktion Swissbau
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Eventreport 14. Januar 2016, 11.30 - 13.00, Veranstalter: SIA / CRB Die Planungsmethode Building Information Modeling (BIM) stellt die Baubranche vor grosse Herausforderungen: Prozesse müssen neu definiert und wichtige Entscheide früher getroffen werden. Die Interdisziplinarität steigt. Die Veranstaltung thematisierte das breite Spektrum von Forschung über Planung bis hin zur digitalen Fabrikation. Dies aus Sicht der Bauherrschaft, des Architekten, der Forscher, des Ingenieurs und der Industrie.

Bild: Architekt Sacha Menz bei seiner Begrüssung

Sendung in voller Länge

Die Planungsmethode Building Information Modeling (BIM) ist derzeit wohl eines der meist diskutierten Themen in der schweizerischen Baubranche. Noch fehlen jedoch ein einheitliches Verständnis und eindeutige Definitionen. Diesem Mangel stehen hohe Erwartungen seitens Bauherrschaften und Betreibern gegenüber. Diese Diskrepanz stand im Fokus der Veranstaltung. Anhand des Arch_Tec_Lab wurde an einem realen Bauwerk gezeigt, was heute mit BIM bereits möglich ist. 

Als Auftakt der Veranstaltung präsentierte Professor Sacha Menz, Vorsteher des Instituts für Technologie und Architektur der ETH Zürich (ITA) und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA, dessen Leitbild zur Digitalisierung: «Der SIA muss zwischen bewährten und neuen Methoden vermitteln». Im Zentrum stehen dabei Kommunikation und Koordination. Aus diesem Grund startet ab März das Netzwerk Digital mit dem SIA, der Schweizerischen Zentralstelle für Baurationalisierung CRB, den Bauherrenvertretern IPB und KBOB sowie Bauen Digital Schweiz. Im Anschluss präsentierte Professor Doktor Ludger Hovestadt von der Abteilung Computer Aided Architectural Design (CAAD) der ETH einen kurzen Abriss über die Geschichte des digitalen Modellierens und skizzierte, wie es in Zukunft aussehen könnte. 

Bauherrschaften sind gefordert 

Peter Strebel von der Interessengemeinschaft privater, professioneller Bauherren (IPB) brachte die Erwartungen an BIM auf den Punkt: «Bauherrschaften wollen ihr Bauvorhaben möglichst ökonomisch realisieren. Dafür brauchen sie saubere Entscheidungsgrundlagen für die Planung sowie eine gute Datenbasis für Bewirtschaftung und Betrieb. Dies ohne Mehraufwand». Unter diesen Voraussetzungen werden Bauherren BIM in Zukunft auch anwenden und bestellen. «Aber die Branche muss die Lösungen liefern», so Strebel. Die Bauherrschaften selbst müssen wichtige Entscheide viel früher treffen. Hierfür ist eine BIM-Strategie, die von allen Beteiligten getragen und verstanden wird, unerlässlich. Mark Baldwin von der Mensch und Maschine Schweiz AG versuchte, dem Publikum die Grundsätze der Methode verständlich zu machen. Er sieht BIM als Strukturierung von Planung, Ausführung und Betrieb eines Gebäudes durch digitale Prozesse. Die Beschreibung aller Elemente muss standardisiert erfolgen. «Diese Standardisierung bringt Struktur und Struktur ermöglicht Innovation», so Baldwin. 

Praxislabor auf dem Campus der ETH 

Welche Innovationen durch Digitalisierung möglich sind, zeigte der zweite Teil der Veranstaltung am Projekt Arch_Tec_Lab. Das neue Gebäude auf dem Areal der ETH Hönggerberg wird vom ITA genutzt und ist gleichzeitig ein Labor, in dem die verschiedenen Forschungsansätze der Professuren zur Anwendung kommen. Auffälligstes Gebäudemerkmal ist das geschwungene Dach, dessen hölzerne, sehr organisch anmutende Konstruktion konsequent nach den Prinzipien der digitalen Kette geplant und produziert wurde: eine Herausforderung für alle Beteiligten, wie Matthias Kohler, Professor für Architektur und Digitale Fabrikation an der ETH Zürich, und der Bauingenieur Daniel Meyer von der Dr. Lüchinger + Meyer AG schilderten. Jeder der 168 Fachwerkträger ist unterschiedlich geformt, über 800‘000 Nägel halten die Konstruktion zusammen. «Solche Berechnungen sind nur mit einem Computer möglich», so Kohler. Auch auf Seiten der ausführenden Firma war Innovationswille gefragt, wie Thomas Wehrle von der Erne Holzbau AG darlegte. Die gesamte Fertigung erfolgte digital: Aus einfachen Holzlatten von 1,5 Metern Länge setzte ein Roboter die Fachwerksträger zusammen. Für einen Träger brauchte er zwölf Stunden. Übernimmt ein Mensch diese Aufgabe, liegt der Zeitaufwand bei 150 Stunden. 

Die Referenten waren sich einig: Die Digitalisierung transformiert die Arbeitsmethoden des Planens, Bauens und Betreibens und bietet ganz neue Möglichkeiten. Dennoch läuft auch in Zukunft nicht alles automatisiert ab; das bewährte Handwerk wird deshalb weiterhin Bestand haben. Interdisziplinäres Arbeiten und eine gemeinsame Sprache sind der Schlüssel für das Gelingen jedes BIM-Projektes. Hier ist die gesamte Baubranche gefordert.  

Hier finden Sie alle Präsentationen des Tages zum Download.

Weiteres Bildmaterial steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Veranstalter

Logo SIA

CRB

Impressum

Text: Christine Sidler, Faktor Journalisten 
Fotografie: Aissa Tripodi, Swissbau
Konzept und Koordination: IEU Kommunikation AG

Redaktion Swissbau

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