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Bauen für die Zukunft - Beton und Holz!

Publiziert am 14.01.2016 von Redaktion Swissbau
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Eventreport 14. Januar 2016, 13.30 - 15.00, Veranstalter: Betonsuisse / Lignum Durch die Kombination von Beton und Holz entstehen Synergien, welche Bauten auf die Zukunft ausrichten. Orientiert am Gebäude-Lifecycle, beweisen sich konzeptionelle und konstruktive Hybride durch einen effizienteren und sparsameren Baustoffeinsatz. Zwei Impulsvorträge mit anschliessendem Podium beleuchteten diese These aus unterschiedlichen Perspektiven.

Bild: Judit Solt bei ihrer Moderation

Sendung in voller Länge

Eine «historische» Veranstaltung, zu der Betonsuisse erstmals gemeinsam mit der Lignum einlud, rückte die Stärken der Materialien Holz und Beton in den Fokus. Fachexperten verschiedener Bereiche erläuterten mögliche Synergien, die sich aus dem Verbund der Baustoffe ergeben, und diskutierten sinnvolle Anwendungen.  

Wie können Beton und Holz als eine auf den ersten Blick unübliche, aber begrüssenswerte Werkstoffkombination zum Erfolg eines Gebäudes beitragen? Diese Frage stellte Judit Solt, Chefredaktorin TEC21 und Moderatorin der Veranstaltung, gleich zu Beginn des Anlasses. Bedingt durch die veränderten Brandschutzvorschriften, die unter bestimmten Voraussetzungen auch Hochhäuser mit tragenden Holzbauteilen zulassen, hat der Holzbau einen regelrechten Schub erfahren. Dies erfordert situativ die Kombination mit Beton, einem Baustoff, mit dem Holz nicht selten in Konkurrenz steht. Wie man beim Bauen von den jeweiligen Stärken profitieren kann, erläuterten Hanspeter Oester, dipl. Architekt ETH SIA von der Oester Pfenninger Architekten AG aus Zürich, und Pirmin Jung, dipl. Holzbauingenieur SIA FH von den Primin Jung Ingenieuren für Holzbau AG aus Rain, anhand zweier Beispiele. 

IUCN: «Back to Construction» 
Bei der Erweiterung für die IUCN (International Union for Conservation of Nature) in Gland, der grössten weltweit tätigen Umweltorganisation, prägt der Rohbau Form und Raum. «Unser Interesse galt der gestalterischen Kraft der Konstruktion», sagt Oester und ergänzt: «Die Logik einer ressourcenschonenden Bauweise birgt diese Kraft». Schlüsselelement des architektonischen Konzepts, an welches höchste Nachhaltigkeits-Anforderungen gestellt wurden (Minergie-P-Eco und LEED Platinum), war einerseits die Reduktion auf das Wesentliche – architektonisch wie technisch –, andererseits der Mehrfachnutzen einzelner Bauteile. So dienen etwa die aufgesetzten Deckenpaneele nicht nur der Raumakustik, sondern auch dem Heizen und Kühlen und enthalten Sensoren, Abluftauslässe, Sprinkler und Beleuchtungskörper. Durch die Nutzung lokal verfügbarer Ressourcen wie Sonne, Erdwärme, Wasser, Rohmaterial und Know-how liessen sich Synergien zwischen Architektur, Tragwerk und Energie nutzen. Die hybride Konstruktion mit einem Stützen-Platten-Tragwerk aus Beton und einer thermischen Gebäudehülle aus Holz erlaubt eine hohe Nutzungsflexibilität. Die innere Haut ist als Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Holz mit verglasten und opaken Elementen ausgeführt und ermöglicht passive Solarenergiegewinne. 

Neubau SANO Bern 

Beim Neubau der SANO Bern, Rettungsdienste und kantonale Sanitätsnotrufzentrale, wurde im Projektwettbewerb ein dreigeschossiger Ingenieurholzbau nach Minergie-P-Eco-Standard gefordert, der zu einem sechsgeschossigen Bau aufgestockt werden kann. Die Herausforderung lag darin, eine hohe architektonische Qualität in der Umsetzung dieser Anforderungen zu finden. Holzbauingenieur Pirmin Jung, der gemeinsam mit den Müller & Truninger Architekten als Sieger aus dem Wettbewerb hervorging, erläuterte die Konstruktion mit den mehrfachfunktionalen Decken als Holz-Beton-Verbundelemente. «Das Untergeschoss ist in Massivbauweise (Stahlbeton/Mauerwerk) ausgeführt, während die Obergeschosse in Holzbauweise realisiert wurden». Die Holz-Beton-Verbunddecken, die zusammen mit dem massiven Treppenkern die Gebäudeaussteifung übernehmen, bilden das sekundäre Tragwerk. Der Holzbau prägt den Charakter des kompakten Gebäudes innen wie auch aussen. Die Verwendung von Beton wurde auf ein Minimum reduziert und dient der Stabilisierung des Gebäudes sowie als Speichermasse für die passive Sonnenenergienutzung. 

Fazit: Interdisziplinarität und Offenheit zielführend 

Die Teilnehmer des anschliessenden Podiums waren sich einig: Nur mit einer interdisziplinären Herangehensweise, die vermehrt auch in der Ausbildung gefordert werden soll, sind nachhaltige, qualitätsvolle Bauten möglich. Zudem ist ein früher Einbezug aller Beteiligten – Bauingenieuren, Architekten, Spezialisten für Holzbau oder Beton – bereits in einer frühen Planungsphase notwendig, um neue Lösungen zu finden. Hanspeter Oester brachte es mit folgenden Worten auf den Punkt: «Es braucht viel Denkarbeit, bevor man konkret werden kann».  

Hier finden Sie alle Präsentationen des Tages zum Download.

Weiteres Bildmaterial steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Veranstalter

Betonsuisse

Lignum

Impressum

Text: Sandra Aeberhard, Faktor Journalisten 
Fotografie: Aissa Tripodi, Swissbau
Konzept und Koordination: IEU Kommunikation AG

Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

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