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Die Bauwirtschaft im Energie-Kontext: Themen, Fragen und Positionen

Publiziert am 12.01.2016 von Redaktion Swissbau
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Eventreports 12. Januar 2016, 12.45 - 13.45, Veranstalter: AEE SUISSE Der Neubau funktioniert hinsichtlich der Nutzung von erneuerbaren Energien weitgehend, Mängel orten die Experten bei der Erneuerung und im Betrieb von Bauten. Das ist das Fazit der Veranstaltung «Die Bauwirtschaft im Energie-Kontext: Themen, Fragen, Positionen», die auf Einladung von AEE Suisse im Swissbau Focus stattfand. Damit zielt der Veranstalter auf ein enorm wichtiges Thema im weiten Feld des energieeffizienten Bauens. 

Bild: Hans Rupli nach der Podiumsdiskussion

Die Diskussion zu den Hemmnissen für erneuerbare Energien ist neu lanciert: Künftig wird es gar keine Neubauten ohne diese umweltfreundlichen Energieträger geben. Doch wie bringt man Hausbesitzer dazu, ihr Jahrzehnte altes Objekt auf Vordermann zu bringen? Das Podiumsgespräch im Swissbau Focus zeigte einmal mehr eine grosse Breite starker Argumente. 

Finanzielle Anreize entscheiden

Christoph Schaer von suissetec lancierte die provokative These, dass der «Mensch ein monetär getriebenes Gebilde» sei. Nur wenn sich die Rahmenbedingungen grundsätzlich ändern würden, könnten erhebliche Fortschritte gemacht werden. Wenn die Dekarbonisierung das Ziel ist, dann braucht CO2 einen Preis. Schaer meint damit offenkundig einen deutlich höheren Preis, um überhaupt nachhaltig Wirkung zu erzielen. Die Sanierungsrate müsste, statt ein Prozent pro Jahr, drei Prozent betragen, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Sogar Fördermittel erhöhen nach Einschätzung von Marco Berg von der Stiftung Klik die Sanierungsrate nicht. Es führt vielmehr dazu, so Berg, dass Hauseigentümer besser sanieren. Das kann sich in der Eingriffstiefe auswirken, indem das Projekt umfassender angegangen wird oder eine Massnahme graduell konsequenter umgesetzt wird. Vorschriften könnten nach Berg effektiver sein, vor allem im Bereich der Gebäudehülle und bei Betriebsoptimierungen. 

Heinz Marti von usic verwies auf die konsequente Ausrichtung von Erneuerungsprojekten an den Kosten. Offenkundig sei der Mensch Kostenoptimierer. Damit bestätigt Marti die These von Christoph Schear. Hans Rupli von Holzbau Schweiz vermisst, dass Hauseigentümer nicht stärker für das nachhaltige Bauen sensibilisiert würden. Die Auswirkungen auf die Umwelt müssten stärker thematisiert werden, betont Rupli. 

Gesamtkonzept als erster Schritt

Besonders deutlich wurde Adrian Altenburger von der Hochschule Luzern. Für eine langfristige Werterhaltung müssten auch die Investitionen zukunftskonform sein. Wer heute Wärmeerzeuger mit fossilen Brennstoffen installieren lässt, müsste sich nicht wundern, wenn dies schon bald als Fehlinvestition zu erkennen sei. Einzelmassnahmen müssten konsequent auf Gesamtkonzepte ausgerichtet sein, meint der Gebäudetechnik-Experte. 

Bildungsangebote zentral

Ein Erfolgsmerkmal der Schweiz sei die Bildung, findet Adrian Altenburger. Das könne als Basis dienen, um die Umrüstung unseres Gebäudeparks auf erneuerbare Energien voranzubringen. Dass die sprichwörtlich gute Grundausbildung eines ständigen Updates bedarf, «das hat sich mittlerweile herumgesprochen». Angebote gebe es sehr viele, fast zu viele, finden einige der am Podium beteiligten Experten. 

Verständnis für Lebenszyklus notwendig

Gemäss Thomas Ammann vom Hauseigentümerverband Schweiz HEV, sollten viel mehr Fördermittel in die Beratung und in das Coaching von Hauseigentümer gehen. Die Ergebnisse wären effektiver, meinte der HEV-Architekt. Dieses Modell ist allerdings erst beim GEAK und beim GEAK Plus umgesetzt, indem mit der Erhebung von Energiekenndaten auch eine Beratung von Hauseigentümern möglich ist. Ammann will damit verhindern, dass quasi mit staatlicher Unterstützung suboptimale Massnahmen realisiert werden. Denn die meisten Hauseigentümer würden den Lebenszyklus eines Gebäudes kaum verstehen, Ingenieure und Psychologen müssten hier Unterstützung anbieten. Der Grund: Der Lebenszyklus eines Gebäudes unterscheidet sich drastisch von jenem eines Menschen. 

Wärmeerzeugung von Altbauten als grosse Herausforderung

Während es im Neubau nach Urteil des Podiums gut bis sehr gut läuft, mangelt es vor allem bei der Erneuerung und im Betrieb von Gebäuden. Häufig würde eine Betriebsoptimierung nicht einmal ins Auge gefasst. Die positive Bewertung des Neubaus hat einen triftigen Grund: Laut einer Untersuchung von Wüest & Partner im Auftrag des Bundesamtes für Energie werden in Neubauten viermal häufiger erneuerbare Energien eingesetzt im Vergleich zu sanierten Bauten. Ganz schlecht schneidet diesbezüglich der reine Ersatz von Wärmeerzeugern ab.

Hier finden Sie alle Präsentationen des Tages zum Download

Weiteres Bildmaterial steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Adrian Altenburger, Abteilungsleiter Gebäudetechnik Hochschule Luzern HSLU
Hans Rupli, Zentralpräsident Holzbau Schweiz
Thomas Ammann, Ressortleiter Energie- und Bautechnik HEV Schweiz

Veranstalter

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Impressum

Text: Othmar Humm, Faktor Journalisten 
Interviews: Stephan Pauly
Kamera und Schnitt: Adrian Baumann, TVision
Fotografie: Aissa Tripodi, Swissbau
Konzept und Koordination: IEU Kommunikation AG

Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

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