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BIM – Evolution oder Revolution ?

Publiziert am 12.01.2016 von Redaktion Swissbau
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Eventreport 12. Januar 2016, 13.30 - 15.00, Veranstalter: Bauen digital Schweiz / Hochschule Luzern BIM ist nicht einfach der Wechsel von 2D- hin zu intelligenter 3D-Planung, es bedeutet vielmehr die Vernetzung der gesamten Wertschöpfungskette: Die Transformation eines ganzen Wirtschaftssektors in das digitale Zeitalter steht quasi bevor, denn BIM ist in der Schweizer Bauwirtschaft noch mehr Versprechen denn Praxisalltag. 

Sendung in voller Länge

BIM – Evolution oder Revolution?

Steht die Schweizer Bauwirtschaft bezüglich der Anwendung von BIM vor einer stetigen Evolution oder gar vor einer Revolution? Markus Weber, stellvertretender Geschäftsführer von Amstein + Walthert AG, stellte zunächst die Ziele von Bauen digital Schweiz vor: Die Plattform, welche aktuell 100 Partner-Unternehmungen und 30 Verbände vertritt, will helfen, das eingangs erwähnte Versprechen in praxistaugliche Schweizer Standards umzusetzen, und wird im Rahmen der Swissbau 2016 offiziell gegründet. Anschliessend präsentierten die drei Referenten Viktor Sigrist, Direktor der Hochschule Luzern – Technik & Architektur, Steffen Riegas, Head Digital Technologies bei Herzog & de Meuron sowie Jörg Kaiser, Head Technical Center bei der Implenia Schweiz AG ihre Sicht zum Thema BIM. In einer abschliessenden Gesprächsrunde, zu der auch Sacha Menz, Professor für Architektur und Bauprozesse an der ETH und Mitglied des SIA-Vorstandes stiess, diskutierten die Referenten unter der Moderation von Roderick Hönig, Hochparterre-Redaktor, was die Digitalisierung für die Schweizer Bauwirtschaft bedeutet. 

Berufsbilder verändern sich

Er sei kein BIM-Fachmann, sondern schaue quasi von aussen auf den Prozess, der sich aktuell in der Schweiz abspiele, meinte Viktor Sigrist gleich zu Beginn seines Referats. Folgend verglich er, was BIM sein könnte, mit dem, was BIM heute ist. Im Idealfall stehe bei BIM ein Modell im Zentrum, um das herum sich der ganze Lebenszyklus eines Bauwerks mit den verschiedenen Disziplinen abspiele. Dazu kämen weitere Aspekte wie die Kommunikation unter allen Beteiligten und damit die Interdisziplinarität. BIM sei aus seiner Sicht dann erfolgreich, wenn es auf der Zusammenarbeit aller basiere. Heute sei das Potenzial von BIM in der Schweiz zwar erkannt, aber man sei noch weit davon entfernt, dieses auszuschöpfen: «BIM wird in erster Linie eingesetzt, wenn es die Bauherrschaft verlangt, oder wenn ein Projekt gross und komplex ist.» Aus Sicht der Aus- und Weiterbildung bedeute BIM, dass sich die Berufsbilder verändern würden, auch was die Kommunikation betrifft: «Entsprechend muss sich die Lehre anpassen», so Sigrist. 

BIM ist ein Lernprozess 
Die Digital Technologies Group bei Herzog & de Meuron umfasst 14 Mitarbeitende und unterstützt das Büro beim Einsatz von digitalen Werkzeugen. BIM werde bei Herzog & de Meuron ganz unterschiedlich eingesetzt, abhängig von Faktoren wie Geographie/Ort, Typologie; Rolle oder Prozess, so Steffen Riegas. Das Spektrum reicht von klein (little BIM), offen (open BIM, mit Partnern) bis bestellt (vertragliche Bedingung der Bauherrschaft). Sie hätten dabei viel gelernt in den letzten Jahren, indem sie Dinge ausprobiert, dann aber auch wieder verworfen hätten. BIM gleiche im Büro Herzog & de Meuron denn auch eher einer Evolution denn einer Revolution. «Das Produkt des Architekten ist nach wie vor die Planung», so Riegas. Auch die Medien (Plan, Bild, Modell) hätten sich nicht grundsätzlich verändert, sie seien heute einfach alle digital. Wichtig sei nach wie vor, kompetent zu entscheiden, welches Werkzeug wofür das richtige sei. «Mit BIM wird ein neues Produkt erzeugt», sagt Riegas, «dafür brauchen wir ein Tool, mit dem wir unsere Ideen abbilden können.» BIM sei gleichbedeutend mit Geometrie, Dokumentation und Koordination und diene dazu, Wissen, Standards und Qualität zu erzeugen. 

BIM als Hebel zur Optimierung der Wertschöpfung 

Mit dem Einsatz von BIM verfolgt Implenia zwei Ziele: Zufriedene Kunden und Geld zu verdienen. BIM diene damit als Hebel zur Optimierung der Wertschöpfungskette, so Jörg Kaiser. Künftig werde es immer schwieriger, Projekte abzuwickeln (steigende Kundenbedürfnisse, globaler Wettbewerb, Unikatcharakter eines Bauwerks, steigende Komplexität). «Das muss Implenia beherrschen», sagt Kaiser. BIM sei dafür das geeignete Hilfsmittel, vorausgesetzt, es gelinge, neben dem richtigen Werkzeug auch die passenden Mitarbeitenden dafür zu finden. Ebenso wichtig sei, dass der Hebel von BIM in die operative Umsetzung reiche. Das erhoffte Resultat ist laut Kaiser Effizienzsteigerung und Zeitersparnis. Aktuell setzt Implenia BIM für ausgesuchte Projekte mit hoher Komplexität ein. Oder dann, wenn BIM von der Bauherrschaft verlangt wird, wie beim Grossprojekt des Albvorlandtunnel der Deutschen Bahn. Die Zeitspanne von 2016 bis 2020 versteht Implenia bezüglich BIM als «window of opportunity», in dem investiert wird, um den Markteintritt nicht zu verpassen. Investitionen, die sich laut Kaiser auf jeden Fall auszahlen werden. 

BIM als Chance 

Weshalb es Bauen digital Schweiz brauche, wollte Roderick Hönig in der Schlussrunde wissen. Laut Markus Weber ist es notwendig, dass alle Akteure gemeinsam eine BIM-Lösung für die Schweiz definieren: «Wir haben die Wahl zwischen Chance oder Bedrohung.» Die Digitalisierung lasse sich nicht aufhalten, meinte auch Viktor Sigrist: «Es braucht digitale Kompetenz und eine Rückkehr zu mehr Fachlichkeit im Sinne von koordinativ.» Sacha Menz erinnerte daran, dass es in der Ausbildung letztlich aber immer noch darum gehe, zu zeigen, wie man baue: «Die neue Generation ist mit der digitalen Welt aufgewachsen.» Auch Jörg Kaiser betonte, dass BIM nur eine Methode sei: «Ein schlechter Prozess wird mit BIM nicht besser, es bleibt ein schlechter Prozess.» Eine wesentliche Aufgabe von Bauen digital Schweiz sei die quasi ausgelagerte Forschung und Entwicklung für die kleinen und mittleren Planungsbüros, die sich dies nicht leisten könnten, meinte Markus Weber abschliessend. 

Hier finden Sie alle Präsentationen des Tages zum Download!

Weiteres Bildmaterial steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Veranstalter

bauen digital schweiz

Hochschule Luzern

Impressum

Text: Jutta Glanzmann, Faktor Journalisten 
Fotografie: Aissa Tripodi, Swissbau
Konzept und Koordination: IEU Kommunikation AG

Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

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