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Das Label Nachhaltiges Bauen Schweiz: bloss ein weiteres Label?

Publiziert am 03.11.2015 von Martin Hitz, Präsident des Netzwerks Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS)
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Meinung Am 16. Januar nächsten Jahres wird es also so weit sein: Société Generale de Surveillance (SGS) präsentiert an der Swissbau den Prototyp des Labels Nachhaltiges Bauen Schweiz, kurz LNBS. Damit wird man wohl noch nicht gleich draufloszertifizieren können, aber immerhin eine klare Vorstellung davon bekommen, wie das in Zukunft gehen soll. Ich jedenfalls freue mich darauf. 

Seit klar ist, dass es zum Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) auch ein Label geben soll, werde ich immer wieder gefragt, ob es denn nicht schon genug Labels gebe. Die Themen Ökologie und Gesundheit sind ja durch Minergie respektive Minergie-Eco gut abgedeckt. Und mit DGNB/SGNI und Leed gibt es schon etablierte und umfassende Nachhaltigkeitslabels auf internationaler Ebene. 

Warum also noch ein Label? Ganz einfach: Zum einen, weil die Schweiz mit dem LNBS erstmals ein «komplettes» Label für Nachhaltigkeit am Bau erhält. Dass der Markt hierfür bereit ist, wissen wir aus der Marktstudie vom letzten Jahr. Damals gaben immerhin fast 60 Prozent der befragten Fachleute an, sie würden ihre Projekte «sicher» oder «je nach Projekt» danach zertifizieren lassen. Zum anderen erhält die Schweiz damit auch ein Zertifizierungssystem, das auf die spezifischen Gepflogenheiten ihrer Baubranche ausgerichtet und auf ihre ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten abgestimmt ist. 

So viel zur Theorie. In der Praxis wird sich das LNBS aber nur etablieren, wenn sich Aufwand und Kosten für die Zertifizierung in einem wirtschaftlich vernünftigen Rahmen halten. Hier sind schlanke, klare Prozesse, verständliche Informationsmittel und einfach handhabbare Arbeitsinstrumente gefordert. In dieser Hinsicht besteht mit dem SNBS bereits eine gute, praxisorientierte Basis. Die neue, kürzlich freigegebene Version 1.5 wurde ja vor allem auch auf einfache Handhabung getrimmt. Zurzeit wird der Standard parallel zur Arbeit am Label weiter optimiert. 

Wie ich Anfang September erfahren durfte, sind die beteiligten Fachgremien mit ihren Arbeiten gut auf Kurs. Ich bin also sehr zuversichtlich, dass wir an der Swissbau ein stimmiges Zertifizierungskonzept präsentiert bekommen, das die Frage nach dem Sinn und Zweck eines weiteren Labels endgültig beantworten wird.

Fotografie:  Horisberger Wagen Architekten GmbH

Martin  Hitz

Martin Hitz

Martin Hitz ist dipl. Arch. ETH und hat einen Master in Immobilienmanagement. Er ist Präsident des Netzwerks Nachhaltiges bauen Schweiz (NNBS) und vertritt dort den Migros Genossenschaftsbund MGB. 

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