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«Bauwirtschaft als solche wird sich nur marginal verändern»

Publiziert am 20.11.2015 von Redaktion Swissbau

Nachgefragt Ist die Zukunft des Bauens eine Welt aus Bits und Bytes? Im Blogbeitrag vom 19. November 2015 haben wir verschiedene Expertenmeinungen zum digitalen Bauen publiziert. Heute wollen wir unseren Themenpartner, die Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung CRB, etwas ausführlicher zu Wort kommen lassen. Vizepräsident Jean-Claude Nussbaumer erklärt uns im Interview, wie und wo CRB dem Swissbau Focus Motto «Rettung durch Technik?» in der Praxis begegnet. 

Herr Nussbaumer, welche Rolle spielt digitales Bauen in Ihrem Unternehmen?
Als Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung sehen wir unsere Aufgabe darin, mit unseren Arbeitsmitteln und Dienstleistungen die Kommunikation zwischen Bauherren, Planern, Unternehmern und Zulieferern zu erleichtern. Dafür entwickeln wir – in enger Zusammenarbeit mit den Fachverbänden – Standards für den gesamten Lebenszyklus von Bauten. In der Produktentwicklung bei CRB nimmt das Thema digitales Bauen eine zentrale Rolle ein. Wir sehen unsere Aufgabe einerseits darin, gemeinsam mit Partnern wie SIA und KBOB grundsätzliche Fragestellungen zu klären. Parallel dazu werden wir unsere bewährten Arbeitsmittel entsprechend den spezifischen Bedürfnissen weiterentwickeln.

Wo sehen Sie Chancen und Grenzen beim digitalen Bauen?
Die Chancen des digitalen Bauens liegen in der Optimierung der Planungs- und Bauprozesse bei gleichzeitiger Verbesserung der Transparenz. Falls die Prozesse klar definiert sind, können Planungs- und Ausführungsfehler frühzeitig entdeckt und bereinigt werden. Es entfallen kostenintensive Anpassungen und Korrekturen. Die digitale Welt wird es ermöglichen, Projekte durch Simulation zu optimieren.

Dies setzt voraus, dass Bauherren, Planer und Unternehmer gleichzeitig ihre Prozesse auf die neue Methode ausrichten und anpassen. Wie weit das digitale Bauen bei kleinen und mittleren Bauten sowie im Umbausektor Sinn macht, wird sich weisen. Weitere Grenzen werden dem Vorhaben wahrscheinlich durch die filigrane Unternehmensstruktur der Schweiz gesetzt. Die heutige Qualität der exakten und rechtssicheren Beschriebe muss unter allen Umständen erhalten bleiben.

Wie wird das digitale Bauen aus Ihrer Sicht die Bauwirtschaft in der Schweiz verändern?
Die Begrifflichkeit «digitales Bauen» kommt nach meinem Empfinden etwas elitär daher. Der Beton kann beispielsweise nicht «digital» eingebracht werden, sondern wird auch in Zukunft «a mano» verarbeitet. Die digitale Methode wird massgeblichen und hoffentlich positiven Einfluss auf die Projektierung, die Kommunikation während der Bauprozesse und den Betrieb der fertigen Bauten nehmen. Die Bauwirtschaft als solche aber wird sich dadurch nur marginal verändern.

Zusätzliche Informationen zu unserem Themenpartner CRB finden Sie im Aussteller- und Produkteverzeichnis.
Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

Der Swissbau Blog ist eine dialogorientierte Online-Plattform für aktuelle Beiträge zur Bauwirtschaft in der Schweiz. Neben zahlreichen Beiträgen aus dem Themenspektrum des Swissbau Focus liefert er regelmässig interessante News und Hintergründe zur Baubranche bzw. zur Swissbau selbst. Informationen zur Autorenschaft finden sich im Impressum. Bitte beachten Sie zudem die Blog Policy.

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