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Neues Material als Alternative zu Stahl und Beton

Publiziert am 20.10.2015 von Redaktion Swissbau
Buchenholz_detailbild

Meinung Träger- und Plattenmaterialien aus Buchenholz sind ein Novum in der Baubranche und versprechen Architektinnen und Architekten neue Möglichkeiten. «Die hohe Festigkeit und das geringe Gewicht lassen filigrane Baukonstruktionen zu. Deshalb wird Buchenholz in Zukunft vor allem im Hochbau eine tragende Rolle spielen», meint Stefan Vögtli, Geschäftsführer von Fagus Jura. Wir haben mit ihm über das Potential von Buchenholz für die Baubranche gesprochen. 

Herr Vögtli, wenn heute mit Holz gebaut wird, dann stets mit Nadelholz. Warum soll die Baubranche auf Buchenholz umsteigen?
Buchenholz gibt dem ganzen Holzbau neue Möglichkeiten. Wir werden in Zukunft immer höhere Gebäude bauen. Buchenholz ist aufgrund seiner Materialeigenschaften dafür bestens geeignet. Es ist fester und stärker als Nadelholz und kann deshalb im Bereich der unteren Geschosse im Tragwerk sogar Beton und Stahl ersetzen. Buchenholz ist in den Schweizer Wäldern in grossen Mengen verfügbar. Es ist höchste Zeit, dass wir diesen tollen einheimischen Rohstoff auch sinnvoll nutzen. 

Warum wird nicht schon heute mit Buchenholz gebaut?
Das liegt an der schwierigeren Verarbeitung des Holzes. Es braucht wesentlich aufwendigere Prozesse, bis das Rundholz zu einem Bauelement wird. Da früher genügend anderes Holz verfügbar war, hat man sich bisher nicht an das Buchenholz herangewagt. 

Das klingt nach Mehrkosten. Kann man diese kompensieren?
Tatsächlich kostet die Verarbeitung von Buchenholz im Vergleich zum Nadelholz wesentlich mehr. Doch dem steht die hohe Festigkeit des Holzes als Mehrwert gegenüber. Diese bietet den Architekten und Architektinnen mehr Möglichkeiten: Sie können filigraner bauen, schlankere Konstruktionen sind möglich. Hinzu kommt der Nachhaltigkeitsgedanke: Mit dem Einsatz von Buchenholz können energieintensive Baumaterialien wie Stahl und Beton eingespart und gleichzeitig CO2 in die Gebäude eingebunden werden – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Energie- und CO2-Bilanz der Bauwerke. 

Wie sieht es mit der momentanen Nachfrage nach Buchenholz aus?
Einige Produkte sind bereits auf dem Markt und der heute noch kleine Markt wächst stetig. Das Potential ist riesig. Heute liegt die Nachfrage nach verleimtem Konstruktionsholz auf dem Schweizer Markt bei 400 000m3 bis 500 000m3 pro Jahr. Wenn wir nur in einem kleinen Teil davon Buchenholz einsetzen würden, sind wir schnell bei einem Potential von mehreren 10 000 Kubikmetern. In erster Linie wollen wir jedoch mit den neuen Hochleistungsprodukten einen Teil der Stahl- und Betonkonstruktionen ersetzen, was ein riesiges Potential darstellt. 

Eine Umstellung auf ein anderes Baumaterial erfordert auch eine neue Denkweise bei der Planung. Haben die Planer und Ingenieure das nötige Know-how?
Das ist der springende Punkt: Wir müssen auf verschiedenen Ebenen arbeiten, wenn wir das Buchenholz in der Baubranche etablieren wollen. Bauherren müssen zuerst einmal wissen, dass es überhaupt möglich ist, mit einheimischem Laubholz zu bauen. Die Architekten und Ingenieure müssen sich über die Festigkeit des Holzes bewusst sein, damit sie das Potential richtig ausschöpfen können. Die Idee ist nicht, Nadelholz einfach durch Buchenholz zu ersetzen. Dann würde es einfach nur entsprechend teurer werden – ohne jeglichen Mehrwert. Wir müssen das ganze System im Auge behalten und da wird es sicher zu gewissen Anpassungen im Arbeitsprozess kommen. So werden zum Beispiel ganze Module und Bauteile direkt zur Baustelle gebracht. 

Im Swissbau Focus im Januar bauen Sie einen Pavillon aus Buchenholz. Was erhoffen Sie sich davon?
Wir wollen mit diesem Pavillon die Messebesucher auf den neuen Baustoff Buchenholz aufmerksam machen. Wir zeigen eine filigrane Architektur, die zum Ausdruck bringt, wie fest und stark dieses Holz ist. Wir rechnen mit einer grossen Beachtung bei den Besuchern  der Swissbau. Viele Architekten und Architektinnen werden so etwas zum ersten Mal sehen. Der eine oder andere wird danach hoffentlich Buchenholz in die Bauplanung einbeziehen.

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Stefan Vögtli

Stefan Vögtli ist Projektleiter und Mitglied im VR  der neu gegründeten Fagus Jura SA, die sich auf die Herstellung und den Vertrieb von hochwertigem Schweizer Buche-Konstruktionsholz  spezialisiert. Der ausgebildete Holzkaufmann und Verkaufsleiter, dem die Nachhaltigkeit ein zentrales Anliegen ist, führt seit 13 Jahren das Beratungsbüro waldmarketing.ch, welches Projektentwicklungen für die Schweizer Wald- und Holzwirtschaft anbietet. Ausserdem ist Stefan Vögtli Gemeindepräsident von Lupsingen (BL). Er ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Redaktion Swissbau

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