Blog

Die Schweiz wird renoviert: Wie gelingt das im grossen Stil?

Publiziert am 06.10.2015 von Max Renggli, CEO Renggli AG
cigale_detailbild

Meinung Als wir mit der Planung des Renovationsprojektes «La Cigale» in Genf starteten, gab es in der Schweiz noch nichts Vergleichbares. Es handelte sich um eine Premiere: 273 alte Wohnungen in zwei Gebäudekomplexen sollten energetisch saniert werden, damit sie dem Minergie-P-Standard entsprechen. Wie ist das gelungen? 

Es war nicht nur die Gebäudehülle der Überbauung, die renovierungsbedürftig war. Auch Wärmeerzeugung und Wärmeverteilung mussten neu geregelt werden. Die Genossenschaft «La Cigale» und deren Immobilienverwaltung Brolliet SA setzten dazu ehrgeizige Ziele:

1. Die Nutzung und Abhängigkeit der fossilen Energiequellen verringern.
2. Die Energieeffizienz steigern.
3. Die Nachhaltigkeit gewährleisten. 

Am Ende sollte die Überbauung den Minergie-P-Standard erreichen. Dieses ambitiöse Ziel stellte auch den Holzbau vor grosse Herausforderungen. 

Die Wärmebrücken der Balkone haben wir als eines der grössten Probleme eruiert. Doch die Balkone waren wichtig für die Bewohner. Sie mussten bestehen bleiben, um die Zustimmung der Genossenschaftsmitglieder für die Renovation zu erhalten. Die Architekten des Büros François BAUD & Thomas FRÜH hatten die zündende Idee: Die Balkone sollten geschlossen werden, um daraus komfortable, unbeheizte Loggias zu machen. Dadurch erhielten wir eine Pufferzone innerhalb der isolierten Gebäudehülle. Mit unserem energetischen Wissen und unserer Erfahrung konnten wir schliesslich die Gebäudehülle so weit optimieren, dass wir die Baukosten senken konnten. 

Die Statik war bei uns ebenfalls ein viel diskutiertes Thema: Wir mussten die grossen Wandelemente am bestehenden Massivbau befestigen. Dafür haben wir eine Lösung entwickelt, mit der wir die Anschlusskräfte kontrollieren konnten, ohne Wärmebrücken zu erhalten. Die bestehende Dachkonstruktion mussten wir ebenfalls verstärken. Sonst hätte sie den neuen, grossflächigen Dachelementen mit Photovoltaikanlage nicht standgehalten. Auch hier haben wir eine Lösung gefunden, um die Dachflächen möglichst schnell wieder decken zu können und nicht lange den Wetterbedingungen auszusetzen. 

Die ambitiösen Energieziele der Sanierung konnten vollständig erreicht werden. Das heisst konkret: Die Genossenschaft hat den CO2-Ausstoss der Bauten von «La Cigale» um 91 Prozent reduziert! Das ist ein wichtiges Zeichen an die Schweizer Bauwirtschaft. Denn solche Massivbauten, die in den 40er- oder 50er-Jahren gebaut worden sind, sind heutzutage riesige Energieschleudern. Und davon gibt es unzählige in der Schweiz. Dieses Projekt zeigt, dass es möglich ist, viele Wohneinheiten auf einmal zu renovieren und dabei den Energiebedarf drastisch zu senken. 

Für das Gelingen des Projektes «La Cigale» waren zwei Punkte von entscheidender Bedeutung: 1. Eine frühzeitige Analyse der bestehenden Bausubstanz und das Involvieren eines Holzbauers kann viel vereinfachen und verbessern. 2. Die Wahl der passenden Partner ist anspruchsvoll, aber enorm wichtig. Bei diesem Projekt haben alle Partner motiviert und professionell «am selben Strick gezogen». So konnten wir die Renovation erfolgreich durchführen, auch wenn das zu Beginn fast unmöglich schien.


Das Projekt kompakt erklärt

Max Renggli

Max Renggli

Max Renggli ist CEO der Renggli AG und führt das Familienunternehmen in vierter Generation. Die Renggli AG ist Spezialistin im nachhaltigen Bauen mit Holz. Sie ist Generalunternehmerin sowie Holzbaupartnerin für Architekten. Max Renggli gilt als Pionier im Holzbau und hat mit seiner Firma zahlreiche Innovationen auf den Markt gebracht.

Verwandter Beitrag

Veröffentlicht unter:

Kommentar verfassen