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Autonome Fahrzeuge werden den Immobilienmarkt verändern

Publiziert am 29.09.2015 von Fredy Hasenmaile, Leiter Immobilienresearch Credit Suisse
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Meinung Kaum sind in Sachen Raumplanung erste Pflöcke eingeschlagen, steht die nächste Herausforderung vor der Tür. Nach der Eisenbahn und den Autobahnen dürfen selbstfahrende Autos für neue Verhältnisse sorgen, was die Distanzen und die Art, diese zu überwinden, betrifft. Autonome Fahrzeuge könnten nach meinem Dafürhalten zum nächsten «Game Changer» für den Immobilienmarkt werden. 

In der Geschichte der Menschheit gibt es eine Konstante: Erfindungen, welche das Leben bequemer und einfacher machen, haben sich stets durchgesetzt. So wird es sich auch mit selbstfahrenden Autos verhalten. Sie sind sicherer, bequemer und erst noch günstiger. Vollautomatisch gesteuerte Fahrzeuge können ihre Passagiere vor deren Haustüre abholen. Der Weg zur nächstgelegenen Haltestelle des öffentlichen Verkehrs entfällt. Daher werden sich Verkehrssysteme, welche aus einer Vielzahl solcher vollautomatisierter Wägelchen bestehen, gegen Bus- und Tramsysteme langfristig durchsetzen.

In Zukunft wird man sowieso nicht mehr klar zwischen öffentlichem und privatem Verkehr unterscheiden können. Die Grenzen werden sich verwischen. Private werden, wenn sie selber grad keinen Transportbedarf haben, ihr selbstfahrendes Auto zur Beförderung von anderen Passagieren einsetzen und in den Dienst vollautomatisierter Transportsysteme stellen. Das wird die Betriebskosten senken, denn das im Fahrzeug gebundene Kapital steht nicht mehr untätig in der Garage. Gewiss, es wird einige hoheitliche Regeln brauchen. Zum Beispiel, um zu verhindern, dass sich gleich mehrere selbstfahrende Autos auf denselben Passagier stürzen. 

In jedem Fall dürfte die heute bereits hohe Mobilität nochmals auf eine neue Stufe gehoben werden. Wenn wir die Zeit im Verkehr nicht mehr für das Steuern der Fahrzeuge verwenden, sondern anderweitig nutzen können, steigt der Nutzen der Mobilität. Gleichzeitig ist mit einer starken Verbilligung zu rechnen, denn das teuerste Element im Verkehr ist heute der Chauffeur. Er wird von Sensoren und dem Computer verdrängt werden. 

Besonders interessant dürften die räumlichen Auswirkungen solch hocheffizienter neuer Verkehrssysteme sein: Die Fokussierung auf die Städte als Lebensraum dürfte an Gewicht verlieren, weil plötzlich sogar abgelegene Weiler eine ähnlich gute Mobilität anbieten wie die Zentren. Raumplanerisch dürfte das noch die eine oder andere Knacknuss bedeuten.


Fredy Hasenmaile

Fredy Hasenmaile

Fredy Hasenmaile arbeitet als Managing Director bei der Credit Suisse. Ihm obliegt die Leitung der Researchbereiche Regionen Schweiz, Immobilien Schweiz und Immobilien Global. Seit 2002 arbeitet er im Research, seit 2006 als Verantwortlicher für alle Immobilien- und Baupublikationen der Credit Suisse. Er hat sein Wissen bei den Analysen diverser grosser Immobilienprojekte eingebracht und für zahlreiche Kunden Immobilienstrategien entwickelt.

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