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In Dübendorf wird das Bauen der Zukunft live erprobt

Publiziert am 19.05.2015 von Peter Richner, Stellvertretender Direktor an der Empa
NEST

Meinung Es gibt kaum einen anderen Wirtschaftsbereich, in dem es so schwierig ist, neue Konzepte und Ideen am Markt umzusetzen, wie in der Bauwirtschaft. Wir brauchen neue Mittel und Wege, um innovative Ideen schnell auf den Markt zu bringen. 

Die gebaute Umwelt ist ein Schlüsselbereich, wenn es um die Gestaltung unserer Zukunft geht. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn wir den Energiebedarf des Bauwerks Schweiz dramatisch reduzieren. Gleichzeitig müssen Funktionalität und Komfort erhalten oder noch weiter verbessert werden – Die Verdichtung des Wohnbestandes und der zunehmende Bedarf für Wohnen im Alter sind nur zwei Stichworte aus diesem Kontext. Das perfekte Umfeld für neue Ideen und Innovationen.

Doch die hohen Investitionskosten, die über lange Zeiträume amortisiert werden müssen, führen zu einer geringen Risikobereitschaft, die durch die hohe Regeldichte in der Baubranche noch weiter reduziert wird. Vor einer erfolgreichen Markteinführung muss ein neues Material oder System erst seine Praxistauglichkeit unter Beweis stellen.

Nicht alles, was im Labor funktioniert, erfüllt die Erwartungen auch bei der Umsetzung im Massstab 1:1. Dafür braucht es Demonstrationsprojekte, die unter realen Bedingungen durchgeführt und wissenschaftlich begleitet werden.

Genau das ist die Zielsetzung von NEST, einer Forschungs- und Technologietransferplattform von Empa und Eawag, auf der Partner aus Forschung und Industrie miteinander wegweisende Lösungen für das zukünftige Bauen entwickeln und erproben. Das Gebäude besteht aus unterschiedlichen Wohn- und Büroeinheiten – sogenannten Units –, wo jeweils komplett neue Technologien verbaut und Nutzungsweisen im Betrieb geplant sind.

In der Unit «City Lifting» zum Beispiel präsentiert das CCLAB der EPF Lausanne in Zusammenarbeit mit Bauart Architekten ein Konzept zur modularen Aufstockung von bestehenden Bauten. Oder die Unit «Vision Holz: plug&stay» will zeigen, dass sich ökologisches Bauen und modernes Wohnen nicht ausschliessen und dass sich zukunftsweisende Technik und Materialnutzung auch mit dem altbewährten Werkstoff Holz umsetzen lassen.

Jede dieser Units wird mit anderen Partnern aus Forschung, Praxis und der Bauwirtschaft realisiert. Ich persönlich messe dieser interdisziplinären Zusammenarbeit eine entscheidende Bedeutung bei, wenn es um die Entwicklung neuer Ideen geht.

Im NEST in Dübendorf sind die Nutzerinnen und Nutzer ein zentrales Element der Evaluation der Büro- und Wohneinheiten. Denn erst im Zusammenspiel mit dem Menschen zeigt sich die Tauglichkeit neuer Lösungen und Technologien. Die Nutzer sind Teil der Experimente, wodurch im Vergleich zu konventionellen Pilot- und Demonstrationsbauten deutlich höhere Risiken eingegangen werden können.

Wir brauchen solche Projekte, um den Innovationsprozess im Gebäudebereich zu beschleunigen und qualitativ zu verbessern. NEST soll zu einem Leuchtturmprojekt mit positivem Einfluss auf das Image der gesamten Branche werden. Im Frühjahr 2016 werden die ersten Wohn- und Büroeinheiten in Betrieb gehen – wir sind alle gespannt!

Peter Richner

Peter Richner

Peter Richner ist stellvertretender Direktor und Leiter der Forschungsbereiche Energie sowie nachhaltiges Bauen an der Empa. Seine Interessen liegen in den Bereichen energieeffizientes Bauen und Technologietransfer im Baubereich. Darüber hinaus ist er in diversen nationalen und internationalen Gremien mit Bezug zur Bauforschung aktiv.

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