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BIM: Transformation eines ganzen Wirtschaftssektors

Publiziert am 20.05.2015 von Markus Weber, Vorsitzender der Konferenz der Gebäudetechnik-Verbände
Medusa

Meinung BIM – Building Information Modeling – ist da, ja es ist ein regelrechter BIM-Boom entstanden: Alle reden davon, aber nur wenige haben den Weg hin zum «digitalen Bauen» tatsächlich beschritten. Doch jetzt wird die Bauwirtschaft durch die Situation im Ausland zum Handeln gezwungen. 

Auf EU-Ebene wurde der Einsatz von BIM in öffentlichen Bauten beschlossen und in Ländern wie Grossbritannien, Niederlande oder Skandinavien bereits staatlich und damit per Gesetz gefordert. Zudem ist die Schweizer Bauwirtschaft mit innovativen Bauherren konfrontiert, die BIM in ihren Ausschreibungen fordern: Die BIM-Nachfrage hat das Angebot überholt und die Akteure sind überfordert!

Die Zusammenarbeit aller an Planung, Bau und Bewirtschaftung Beteiligten wird durch immer grössere Planungsteams und mehr Spezialisten zunehmend komplexer – konventionelle Methoden stossen an ihre Grenzen: Ineffizienzen in der Zusammenarbeit, lange Planungs- und Bauzeiten sowie Qualitätsmängel sind die Konsequenzen. BIM ist eine Methode, die es ermöglicht, diese komplexen Planungs-, Bau- und Bewirtschaftungsprozesse wieder in den Griff zu bekommen. Doch BIM allein löst diese Probleme nicht, denn beim «digitalen Bauen» geht es um mehr als BIM: Modularisierung, Standardisierung und industrielle Fertigung sind ebenso wichtige Bestandteile.

Die BIM-Einführung in der Schweiz ist nicht einfach ein Wechsel von 2-D- hin zu intelligenter 3-D-Planung. Es geht um die Transformation eines ganzen Wirtschaftssektors ins digitale Zeitalter: Es geht um die digitale Vernetzung der gesamten Wertschöpfungskette!

Die vielen kleinen und mittleren Unternehmungen, die die Schweizer Bauwirtschaft repräsentieren, dürften – jede für sich alleine – diesen evolutionären Entwicklungsschritt nur schwerlich, in dem von der globalen Konkurrenz vorgegebenen Tempo, vollziehen können. Es besteht die latente Gefahr, dass ein Teil der Wertschöpfung ins Ausland abwandert.

Die Schweizer Bauwirtschaft muss diese Herausforderung gemeinsam angehen: Es braucht Information, Koordination und Unterstützung. Deshalb ist im Rahmen der vom SIA BGT und buildingSMART Schweiz organisierten BIM-Tagung im Juni die Gründung der nationalen Initiative «Bauen digital Schweiz» geplant. Über diese Interessengemeinschaft sollen alle Beteiligten die Transformation der Baubranche ins digitale Zeitalter gemeinsam angehen.

Markus Weber

Markus Weber

Markus Weber ist Elektroingenieur FH/SIA und Betriebsingenieur ISZ/SIB. Er ist CEO der KIWI Systemingenieure und Berater AG, ein Planungsunternehmen im Bereich komplexer interdisziplinärer Gebäudetechnik mit rund 55 Mitarbeitern. Zudem ist er Präsident des SIA Fachvereins Gebäudetechnik und Energie und Vorsitzender der Konferenz der Gebäudetechnik-Verbände.

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