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Wenn weniger Licht mehr ist

Publiziert am 23.04.2015 von Eva Inderwildi, Projektleiterin Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz
Earthlights

Meinung Künstliche Beleuchtung erlaubt uns, unsere Aktivitäten in die Nacht auszudehnen, und gibt ein Gefühl der Sicherheit. Dabei wird allerdings wenig über die immensen Auswirkungen auf die Umwelt und auch auf die menschliche Gesundheit nachgedacht. Bei jedem Bauprojekt kann die Lichtverschmutzung bereits mit einfachen Massnahmen wesentlich reduziert werden. 

Der natürliche Wechsel Tag/Nacht respektive Licht/Dunkelheit hat eine wichtige Steuerungsfunktion auf den Hormonhaushalt bei Mensch und Tier. Künstliche Beleuchtung in der Nacht kann diese Funktionen durcheinanderbringen. 

Bei Tieren hängen ganze Lebenszyklen wie zum Beispiel die Fortpflanzung vom natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus ab. Werden potenzielle Lebensräume in der Nacht beleuchtet, werden sie für viele nachtaktive Tierarten wertlos und können nicht genutzt und besiedelt werden. Eine beleuchtete Strasse stellt beispielsweise eine unüberwindbare Barriere für lichtsensible Fledermausarten dar. Strassenlaternen saugen Millionen von Insekten aus ihren natürlichen Lebensräumen ab. Nachts ziehende Zugvögel werden bei schlechtem Wetter, wenn sie sich nicht mehr an Mond und Sternen orientieren können, von beleuchteten Hochhäusern und anderen hohen Strukturen angezogen und kollidieren oft tödlich damit. 

Die nächtliche Beleuchtung hat ein solches Ausmass angenommen, dass inzwischen beinahe die Gesamtfläche der Schweiz beeinträchtigt ist. Das nächtliche Dunkel wird zum schützenswerten Gut. Bei jedem Bauprojekt besteht die Möglichkeit, einen Beitrag zur Reduktion der Lichtverschmutzung zu leisten. 

Eine wichtige Überlegung ist dabei, wo und wann das Licht genau gebraucht wird. Mit der LED-Technologie und mit Bewegungsmeldern eröffnen sich viele Möglichkeiten, das Licht zeitlich und räumlich viel gezielter einzusetzen. Dabei wird zum Beispiel eine Wegbeleuchtung nur dann eingeschaltet, wenn das Licht wirklich gebraucht wird. LED-Leuchten beleuchten nur gerade den Weg und nicht den ganzen Garten. Ein positiver Nebeneffekt sind die finanziellen Einsparungen. 

Um die Anziehwirkung von beleuchteten Hochhäusern auf Zugvögel zu verringern, empfehle ich zum Beispiel, dass – zumindest im Herbst und Frühling während der Zugzeiten – die Storen der Gebäude bei Dunkelheit automatisch heruntergelassen werden. Auch soll Licht möglichst von oben nach unten strahlen und die Leuchten sollen seitlich gut abgedeckt sein, damit eine unnötige Abstrahlung in den Himmel vermieden wird. Mit einfachen Massnahmen lässt sich viel für die Natur bewirken!

Eva Inderwildi

Eva Inderwildi

Eva Inderwildi wurde 1975 in Bielefeld (Deutschland) geboren und ist in der Westschweiz aufgewachsen, wo sie auch Biologie studierte. Nach einer Doktorarbeit über Strassentauben in Basel arbeitet sie nun seit 2006 beim Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz in Zürich. Sie ist dort unter anderem verantwortlich für den Bereich Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht.

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