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Photovoltaik bringt das Stromnetz an seine Grenzen – es gibt Alternativen zum Netzausbau!

Publiziert am 14.04.2015 von Beat Andrist, Mitglied der Geschäftsleitung EBL
Überbauung Eich

Meinung Strom aus Photovoltaik leistet einen wichtigen Beitrag zu einer erneuerbaren Energieversorgung. Im Stromnetz werden lokal heute aber bereits Kapazitätsgrenzen erreicht. Die Energieversorger sind gefragt, Lösungen zu finden. Dabei gibt es intelligente Alternativen zum Netzausbau. 

Erneuerbare Energien werden europaweit massiv ausgebaut, wodurch das Energiesystem – wie wir es heute kennen – in Frage gestellt wird. Die hohen Ansprüche dieser unregelmässig anfallenden Energie an Speicher- und Regeltechnologien stellen die Branche vor neue Herausforderungen.

Besonders beliebt sind in der Schweiz die Photovoltaikanlagen – und sie werden immer beliebter. In den kommenden Jahren ist mit einem grossen Wachstum zu rechnen. Ganze Quartiere werden neu zu Stromlieferanten. Sie funktionieren wie kleine Kraftwerke, die ihren Strom von verschiedenen Punkten aus ins Netz liefern.

Werden in einem Quartier – wie in unserem Beispiel in der Siedlung Eich in Frenkendorf – sehr viele Photovoltaik-Anlagen gebaut, kommt das Stromnetz irgendwann an seine Grenzen. Wertvoller Solarstrom geht verloren. Diese lokalen Engpässe stellen uns als Energieversorger vor neue Herausforderungen. In der Siedlung Eich mussten wir nach der 21. Solaranlage aktiv werden: Die Aufnahmekapazität des Verteilernetzes war erreicht und keine weitere Anlage konnte angeschlossen werden.

Wir haben uns sodann mit den Anwohnern, der Solarfirma und einem externen Planungsbüro zusammengesetzt und gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Vier verschiedene Optionen wurden geprüft: 1. klassischer Netzausbau, 2. Lastmanagement Photovoltaik und Boiler, 3. Quartierakku, 4. Dynamische Leistungsreduktion und Blindleistungsregelung.

Die vierte Variante zeigte sich als preislich und technisch am interessantesten: Durch die Steuerung des Wechselrichters wird es möglich, die vorhandene Leitung dank der sogenannten «Blindleistungsregelung» besser zu nutzen.

Diese Variante wurde letztes Jahr umgesetzt und dient uns nun als grossen Praxisversuch. Bis heute wurden somit 36 Photovoltaik-Anlagen realisiert, mit einer Fläche von 1‘334 Quadratmetern und 140‘000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Die Siedlung Eich liefert uns wertvolle Erfahrungswerte, um diese immer wichtigere Aufgabe optimal zu bewältigen.

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom ist für  Netzausbau und -planung zuständig. Für eine sinnvolle Weiterentwicklung des Schweizer Stromnetzes finde ich es zentral, dass intelligenten Lösungen – wie die Blindleistungsregelung in Frenkendorf – schweizweit gefördert und, dem Netzausbau gleichgestellt, finanziert werden!

Beat Andrist zu den Herausforderungen der Energieversorger

Beat Andrist

Beat Andrist

Beat Andrist wurde 1955 in Basel geboren, ist verheiratet, hat drei Kinder und ist Elektroingenieur FH. Er ist stellvertretender Geschäftsleiter der EBL. In seinen 25 Jahren bei der EBL war er verantwortlich für den strategischen Netzausbau und die Rundsteuertechnik, in den letzten 10 Jahren verantwortlich für den Bereich Wärme, Energieberatung und Marketing.

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