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The New Way of Working – Offenheit und Vertrauen als neuer Massstab

Publiziert am 17.03.2015 von Martin Kleibrink, Architekt und Geschäftsführer KLEIBRINK. SMART IN SPACE
Arbeitswelt

Meinung Dank technischen Innovationen ist es seit einiger Zeit möglich, entkoppelt von Ort und Zeit unsere Arbeit zu leisten. Die Generation Y weiss genau, dass gute Ergebnisse nicht an einen bestimmten Ort gebunden sind. Die Herausforderung besteht nun darin, das Büro für diese Arbeitsnomaden attraktiver zu gestalten. 

Ich bin davon überzeugt, dass sich die Effektivität und Wettbewerbsfähigkeit zukünftiger Büroarbeitswelten nicht mehr über den Quadratmeterverbrauch von Arbeitsplätzen definieren wird. Die Zurverfügungstellung von mehr oder weniger Fläche für den einzelnen Arbeitsplatz wird für die wahrgenommene Qualität des Arbeitsumfeldes, für die Identifikation von Mitarbeitenden mit ihrem Unternehmen, für ihre Motivation und somit für ihre Performance und die Wertschöpfung von Unternehmen kaum entscheidend sein.

Wahlfreiheit bezüglich Arbeitsort und Arbeitszeit, Autonomie bei der Gestaltung der Arbeitsabläufe und -inhalte, Beteiligung an Entscheidungsprozessen und eine transparente Kommunikation und Wertschätzung werden die kritischen Erfolgsfaktoren für den Arbeitsplatz der Zukunft und im Wettbewerb um die besten Talente sein. Dafür braucht es aber mehr als bunte Büros, mehr als «flippige» Einrichtungs- und Gestaltungswelten.

Die Führungsarbeit in vielen Unternehmen ist nach wie vor geprägt von Misstrauen, Bevormundung und Kontrollmechanismen. Führungskräfte sind allzu oft noch dem alten Rollenverständnis von «Vorgesetztem» und «Untergebenen» verhaftet. Es wird gezielt nicht offen kommuniziert oder beteiligt, Informationsflüsse folgen den verzweigten, kaskadenartigen Wegen verstaubter Organigramme, die ihre Verwandtschaft zur Militärhierarchie bis heute nicht leugnen können.

In solch einem Umfeld finden neue Konzepte kaum fruchtbaren Boden. Deshalb führt der räumliche Wandel – der nottut – nicht vorbei an einem Nachdenken über die Arbeits-, Führungs- und damit die gesamte Unternehmenskultur.

Neue flexible Arbeitswelten, die im Sinne von «activity-based working» verschiedene Arbeitsumgebungen für verschiedene Arbeitsweisen bereithalten, können nur in einem Umfeld gedeihen, das von Offenheit und Vertrauen, Wahlfreiheit und einem partnerschaftlichen Führungsstil geprägt ist.

Dies sind die Fundamente, auf die neue Arbeitswelten zukunftssicher aufgebaut werden müssen. Für mich ist klar: Wo diese Voraussetzungen nicht geschaffen werden, können neue Konzepte nicht erfolgreich umgesetzt und gelebt werden. So führt der Weg zu einer neuen Arbeitswelt nicht unmittelbar zum Entwurf neuer Flächenlayouts und Einrichtungs- und Gestaltungsfragen. Stattdessen hat vorneweg immer die Frage nach dem kulturellen Umfeld, nach Arbeitsweisen, Prozessen und Menschen zu stehen.

Martin Kleibrink

Martin Kleibrink

Martin Kleibrink studierte Architektur in Deutschland und Italien und promovierte an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Danach arbeitete er in verschiedenen Architekturbüros und von 1994 bis 2007 bei der congena GmbH in Wien und München, unter anderem als Partner und Gesellschafter. Seit 2011 ist er Gastdozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft ZHAW. Und seit 2012 hat er sein eigenes Büro KLEIBRINK. SMART IN SPACE.

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