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Graue Energie und Ökobilanzen – was steckt dahinter?

Publiziert am 31.03.2015 von Friederike Pfromm, Stadtbaumeisterin Luzern und Präsidentin eco-bau
Schulhaus Büttenen

Meinung Bis vor wenigen Jahren war «graue Energie» lediglich ein Schlagwort in der Debatte um ökologische Werte, mit dem jeder oder jede versuchte die eigene Argumentation zu hinterlegen. Man konnte davon ausgehen, dass das Gegenüber ebenso wenig wusste, wie eine solche Behauptung zu verifizieren sei, wie man selbst. 

Dies hat sich grundlegend geändert. Heute steht die breit abgestützte Plattform «Ökobilanzdaten im Baubereich» von KBOB und eco-bau zur Verfügung. Sie bilden die Basis für die massgebenden Programme zur Berechnung der grauen Energie von Bauteilen. Damit kann heute jeder und jede mit einem gewissen Mass an technischem und mathematischem Verständnis die graue Energie eines Bauteils und Gebäudes ermitteln und optimieren. Ich habe dies im Selbstversuch getestet. Obwohl solche Rechenübungen nicht zu den Kernaufgaben meiner Tätigkeit als Stadtbaumeisterin gehören, sehe ich unbedingt den Nutzen in einer qualitativen Vorstellung dessen, was graue Energie für das nachhaltige Bauen bedeutet.

Unsere Erfahrungen mit dem eco-Label und dem Effizienzpfad Energie zeigen, dass in manchen Neubauten über den ganzen Lebenszyklus mehr Energie in den Baumaterialien steckt, als das Gebäude in seiner gesamten Lebensdauer an Betriebsenergie benötigt. Es wird also je länger. je mehr so sein, dass die graue Energie ausschlaggebender Leitindikator der baulichen Energiebilanz wird.

Ein herausragendes Beispiel ist das Haus Boll in Kriens, das 2014 mit dem Prix Watt d’Or ausgezeichnet wurde. Das fünfstöckige Minergie-A-ECO-Mehrfamilienhaus erfüllt die Zielwerte des «Effizienzpfads Energie 2040» des schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA und damit die Anforderungen des 2000-Watt-fähigen Bauens.

So sind es vor allem die auf der grauen Energie basierenden Instrumente von eco-bau, die in der Planung helfen, nachhaltig zu materialisieren. Es sind die ECO-BKP-Merkblätter, eco-devis- und Eco-Produkte, die diejenigen Varianten mit 1. und 2. Priorität auszeichnen, die am wenigsten graue Energie verbrauchen. Damit bleiben auch in Zukunft die eco-Zertifizierung und der Effizienzpfad Energie ein Garant für ökologisches Bauen.

Bild: Schule Büttenen von Roger Frei, Zürich

Friederike Pfromm

Friederike Pfromm

Friederike Pfromm ist seit 20 Jahren Architektin, früher selbstständig und seit 2012 Stadtbaumeisterin von Luzern. Zudem ist sie Präsidentin des Vereins eco-bau.

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