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Baut die Schweiz bald Hochhäuser aus Holz?

Publiziert am 18.03.2015 von Silvia Flückiger, Nationalrätin und Präsidentin Lignum, Holzwirtschaft Schweiz
Holzbau

Meinung Mit dem Inkrafttreten der neuen Schweizer Brandschutzvorschriften 2015 kann Holz in unserem Land jetzt in allen Gebäudekategorien und Nutzungen angewendet werden. Der nachwachsende Rohstoff aus dem Wald normalisiert sich damit als Baumaterial ohne Sonderregelung. Ein Meilenstein! 

Die neue Freiheit für Holz verdankt sich den guten Erfahrungen der Brandschutzbehörden, aber natürlich auch der mittlerweile erreichten Akzeptanz von Holz im neuen Markt des mehrgeschossigen Bauens, der sich 2005 öffnete. Und am Ende waren zwei Jahrzehnte intensiver Forschung und Entwicklung im Verbund von Holzbranche, Hochschulen und Bund entscheidend, ohne die es nie dazu gekommen wäre, dass Holz diesen Quantensprung geschafft hätte.

Seit 2005 entstehen jedes Jahr Hunderte grosser Wohn-, Büro- oder Schulbauten, oft in gemischten Bauweisen mit Holz. Im Mehrfamilienhausneubau ist der Anteil der baubewilligten Tragkonstruktionen aus Holz steil von praktisch null auf heute fast 7% angestiegen. Der mehrgeschossige Holzbau hat sich damit etabliert.

Neu kann Holz jetzt zum Beispiel auch bei Beherbergungsbetrieben wie Hotels und Altersheimen oder bei Verkaufsgeschäften bis 30 m Gesamthöhe zum Zug kommen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind sogar Hochhäuser mit Holz möglich. Wohnen wir vielleicht bald schon der Einweihung eines ersten Schweizer Holz-Hochhauses bei?

Meine Überzeugung: Nichts ist unmöglich! Denn was andere können, kann die Schweiz als führende Holzbaunation auch. In Mailand stehen bereits heute neungeschossige Holz-Wohntürme. In Schweden werden 13 Geschosse mit Holz angepeilt, in Norwegen steht ein Holz-Wohnhaus mit 14 Geschossen zurzeit im Bau. In Wien ist gar ein Projekt mit 24 Geschossen im Gespräch.

Schauen wir uns noch etwas weiter um: In Vancouver will der Architekt Michael Green Holz über 30 Geschosse hinauftreiben. Und in Chicago ist das Büro Skidmore, Owings and Merrill, kurz SOM, das Hochhausikonen auf der ganzen Welt baut, zum Schluss gekommen, dass ein 42-stöckiges Gebäude mit Holz machbar wäre. Warum sollte das nicht auch Ansporn sein für Holz-Hochhausprojekte in der Schweiz?

Diese Beispiele verdeutlichen bereits eindrücklich, welches Potential im mehrgeschossigen Holzbau steckt. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass in Schweizer Städten wie Zürich, Basel oder Bern in nicht allzu ferner Zeit auch Hochhäuser aus Holz zum Stadtbild gehören werden!


Zum Bild:
Viermal neun Geschosse mit Holz: «Via Cenni» in Mailand
Bauherrschaft: Fondo Abitare Sociale, Polaris Investment Italia SGR SPA
Architektur: Prof. Arch. Fabrizio Rossi Prodi, Arch. Simone P. G. Abbado, Arch. Marco Zucconi, Rossiprodi Associati S.R.L.
Tragwerksplanung Struktur Brettsperrholz: Prof. Dr. Andrea Bernasconi, Ing. Cristina Zanini Barzaghi, Ing. Maria Rosaria Pes, Borlini e Zanini SA
Bild: Andrea Bernasconi, Yverdon

Silvia Flückiger

Sylvia Flückiger

Die SVP-Politikerin Sylvia Flückiger (*1952) führt zusammen mit ihrem Mann Hanspeter Flückiger ein Hobelwerk mit Holzhandel in Schöftland. Sie gehört seit 2007 dem Nationalrat an. Die Vizepräsidentin des Aargauischen Gewerbeverbandes ist auch Vorstandsmitglied des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Seit 2014 ist sie zudem Präsidentin von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz.

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Kommentare

  • Yves Müller sagte:
    07.04.2015 21:25
    Wir alle profitieren davon, wenn möglichst viel Holz im Bauwesen angewendet wird resp. werden darf.
  • Ulrike Thoma sagte:
    15.04.2015 20:10
    Bin per Zufall auf diesen Blog-Eintrag gekommen. Rein von der Optik her finde ich ebenfalls das mehr aus Holz gebaut werden soll!
  • 26.11.2015 10:24
    Frau Flückiger hat recht. Es kann, wird und darf neuerdings mehr Hochhäuser in Holz geben. Die Grenze ist mit 10 Geschossen noch längst nicht erreicht. Es wird allerdings eine Lücke geben zwischen 8 und etwa 16 Geschossen. Hier ist der Mehraufwand für den Brandschutz und die Erschliessung von Hochhäusern höher als der Mehrnutzen durch mehr Geschosse. Erst über rund 16 Geschossen zahlt sich der Mehraufwand netto pro Geschoss wieder aus.
  • 26.11.2015 10:28
    Hochhäuser in Holz sind aussergewöhnlich, aufsehenerregend und eignen sich für ein Wettrennen: Wer baut das höchste Hochhaus in Holz?
    Allerdings liegt die grosse Masse der Holzanwendung nicht in der Höhe, sondern in der Breite: Heute steht bei Mehrfamilienhaussiedlungen mit 100-300 Wohnungen häufig Holz zur Diskussion. Dabei werden oft normale Wohnungen, betreutes Wohnen, Alters- sowie Pflegewohnungen im gleichen Areal geplant. Bisher musste der Bauherr sich entscheiden, welche Anteile er für welche Nutzung bauen wollte. Denn Alters- und Pflegeheime durften keine brennbaren Baustoffe im Tragwerk enthalten. Somit wurde ein Teil in Holz, ein Teil in Stahlbeton gebaut. Viele Bauherrschaften wollten Flexibilität der Nutzung behalten und schwenkten für die gesamte Überbauung zum Massivbau über. Dies ist mit der neuen Brandschutznorm 2015 nicht mehr nötig und es dürfen - mit gewissen Auflagen - Gebäude für alle diese Nutzungen in Holz erstellt werden. Somit ist der Weg frei für altersdurchmischte Siedlungen in Holz. Nach unserer Sicht sind Hochhäuser in Holz ein Ikonenmarkt, der zwar interessant und aufsehenerregend, aber in der Masse untergeordnet bleiben wird.