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Energiestrategie 2050: Wie lassen sich die wirtschaftlichen Chancen für die Schweiz nutzen?

Publiziert am 17.02.2015 von Roman Rudel, Leiter ISAAC SUPSI
GridSense

Meinung Die Umsetzung der ehrgeizigen Ziele der Energiestrategie 2050 stellt Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zweifellos vor grosse Herausforderungen. Sie wird heute oft einseitig unter dem Gesichtspunkt der hohen Kosten diskutiert, statt als wirtschaftliche Chance wahrgenommen zu werden. Warum eigentlich? 

Es wird gerne vergessen, dass in der Schweiz seit der ersten Erdölkrise im vergangenen Jahrhundert viele Idealisten, Unternehmer, aber auch Hochschulen vielversprechende technische Lösungen im Bereich der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien entwickelt haben. Einige dieser Technologien konnten sich im Markt mit Erfolg durchsetzen und nehmen in Nischen noch heute weltweit Spitzenpositionen ein, so zum Beispiel Geräte zur Herstellung und Überprüfung von Photovoltaikmodulen.

Gegenwärtig scheint in der Schweiz jedoch der Übergang von technischen Lösungen und Ideen zu innovativen Technologien, die sich auf dem Markt verbreiten können, bedeutend schwieriger. Während Länder wie Österreich interessante Konzepte zur Innovationsförderung entwickelt haben, tut sich die Schweiz diesbezüglich wesentlich schwerer. Hier wäre wieder an die Tradition des schweizerischen Erfolgsmodells, geprägt durch Kooperation zwischen dem Finanzplatz und dem Industriestandort Schweiz, anzuknüpfen.

Angesichts der vorhandenen Finanzmittel kann man sich leicht ausdenken, wie sich eine solche Kooperation auf die Schweizer Wirtschaft und gerade auch auf die Bauindustrie auswirken könnte, indem auch die Dynamik bei der Gebäudeerneuerung stark erhöht werden könnte. Ähnliches gilt für die Entwicklung neuer Energie- oder Smartgrid-Technologien, welche auch für den Export geeignet wären.

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist GridSense, der in ein Steuergerät integrierte Algorithmus ist selbstlernend und sorgt autonom für den Lastenausgleich im lokalen Netz. Weltweit gibt es kaum vergleichbare Lösungen – mit ein Grund, wieso er mit dem Watt d’Or 2015 in der Kategorie Energietechnologien ausgezeichnet wurde.

Umbrüche wie die Energiestrategie 2050 eröffnen der Schweiz neue wirtschaftliche Chancen, die unbedingt genutzt werden sollten. Die Schweiz hat ein beträchtliches Potenzial, technologisch wie gesellschaftlich eine Leaderrolle zurückzugewinnen! Was es braucht sind Rahmenbedingungen und Auflagen, welche Innovationen im Energiebereich lohnenswert machen.

Roman Rudel zu GridSense

Roman Rudel

Roman Rudel

Roman Rudel wurde 1959 in Thun geboren. Nach der Ausbildung an der Universität Freiburg und einem Doktorat mit der Forschungsgruppe Humanökologie der ETH im Bereich technologischer, gesellschaftlicher und institutioneller Umweltinnovationen arbeitet er seit 1993 im Tessin und leitet an der Fachhochschule Südschweiz das Institut für Angewandte Nachhaltigkeit der bebauten Umwelt. In dieser Funktion konnte er auch den Watt d’Or 2015 für das Projekt «GridSense» entgegennehmen.

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