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Life-Cycle-Orientierung erfordert Umdenken in der Bauwirtschaft

Publiziert am 13.01.2015 von Benedikt Loderer, Stadtwanderer
Bächtelenpark Bern

Meinung In seinem Bericht «Factor Five» für den Club of Rome identifiziert Ernst Ulrich von Weizsäcker die Nachhaltigkeit als den Megatrend. In der Schweizer Immobilienwirtschaft kursiert ein bodenständiger Begriff von Nachhaltigkeit. Lebenszyklusorientierung ist quasi «common sense». Und doch gibt es Hemmnisse – wie können wir diese überwinden? 

Im Grundsatz ist man sich einig, wie Erika Meins sagt: «Nachhaltige Immobilien sind gut in der Lage, mit den Folgen langfristiger Entwicklungen umzugehen und reduzieren damit das Risiko, aufgrund solcher Entwicklungen an Wert zu verlieren.»


Trotz diesem gemeinsamen Verständnis und dem anerkannten Bedarf für Nachhaltigkeit und mehr Lebenszyklusorientierung gibt es heute nach wie vor wesentliche Hemmnisse, die Erfolg versprechende Konzepte in der Nachhaltigkeits- und Life-Cycle-Thematik der Immobilienwirtschaft verhindern.

Folgende Faktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle:
 
  • Traditionelle Beschaffungsstrukturen mit investitionskostenorientierter Ausschreibungspraxis:
    Beispielsweise richtet sich das SIA-Planerhonorar oft nach dem Bauinvestitionsvolumen und die Realisierung eines Projekts wird anhand der minimalen Investitionskosten entschieden.
  • Klassische Rollenverteilung und Verantwortlichkeiten im Bauprozess:
    Oft versuchen Planer durch Sicherheitszuschläge etwaige Planungsfehler zu vermeiden, Bauunternehmen garantieren die optimierten Investitionskosten und die Betreiber eines Gebäudes entschuldigen den suboptimalen Betrieb mit Fehlern in den vorherigen Planungs- und Realisierungsphasen.
  • Fehlende strukturierte Datenbasis über Life-Cycle-Kosten:
    Es gibt zwischenzeitlich eine vergleichsweise hohe Sicherheit bezüglich Investitions- oder Realisierungskosten. Die Datenbasis über die Kosten der Nutzungsphase ist jedoch noch recht dünn, beziehungsweise unstrukturiert.

Ich persönlich finde «Performance Contracting» (wie zum Beispiel «Priora hochdrei») aus der Energiewirtschaft einen überzeugenden Ansatz, dessen Mechanismen es auf die Immobilie zu übertragen gilt. Konkret hiesse das, dass der Auftragnehmer der Bauwirtschaft, zum Beispiel der Totalunternehmer, als Contractor direkt Verantwortung für die Funktionalität des Gebäudes im Betrieb übernimmt – über die Abnahme hinaus. Dieser Ansatz räumt endlich mit den Hemmnissen auf, indem er die Gesamtlebenszykluskosten dem Wettbewerb unterstellt und in die Verantwortung des Contractors übernimmt. Dies zwingt alle Beteiligten zu einer echten Lebenszyklusorientierung. Das ist die Basis für nachhaltiges Bauen!

David Lunze zu den Lebenszykluskosten

Benedikt Loderer

Benedikt Loderer

Benedikt Loderer studierte nach einer Bauzeichnerlehre Architektur an der ETH Zürich, wo er auch doktorierte. Nach seinem Studium ging er bald in den Journalismus. Für die Redaktion des Tagesanzeigers schrieb er Berichte als Stadtwanderer und Architekturkritiker. 1988 gründete er Hochparterre, die Zeitschrift für Architektur und Design, deren Chefredaktor er von 1988 bis 1997 war. 2010 pensionierte sich Benedikt Loderer als Redaktor. Seither frönt er dem Stadtwandern als Hobby.

Verwandter Beitrag

  • Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft
    Am 22. Januar 2014 referierte David Lunze während der Swissbau am Anlass «Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft» über die Nachhaltigkeitskonzepte der Priora Services AG. Lesen Sie hier den Eventreport dazu.

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Kommentare

  • G. Harris sagte:
    19.01.2015 23:31
    Der Vergleich mit dem Auto ist doch wirklich selbsterklärend. Dieses Beispiel sollte man vorallem den Investoren öfters mal "um die Ohren hauen" :-)
    Der Ansatz des "Performance Contracting" ist tatsächlich sehr überzeugend, weil die Lebenszyklusorientierung so gewährleistet werden kann.
  • Rolf Huber sagte:
    29.01.2015 11:51
    Der Ansatz ist absolut richtig. Ich habe mehr als 30 Jahre MSR Ausführung und Planung gemacht für Anspruche volle Objekte, zu letzt Foyer Zug.
    Leider stelle ich immer wieder fest, dass sich niemand mehr nach Übergabe der Anlage an den Betreiber / Bauherr um die zum Teil hochkomplexe Infrastruktur (Heizung, Lüftung, Klima ect.) kümmert und solange im Gebäude niemand friert oder schwitzt ist alles i. O.
    In jedem Gebäude auch den neuesten könnte Energie gespart werden ohne Komfort Einbusse. Dazu braucht es hochqualifizierte Praktiker / Techniker welche die Prozesse verstehen und auch hinter fragen. Eine spannende Aufgabe aber nicht kostenlos, aber sicher werden die Kosten durch die Einsparungen mehr als bezahlt.
    Was nützen alle die schönen Label wenn die Gebäude nach der Abnahme irgendwo im Schilf draussen betrieben werden.
    Wäre interessiert dieses Thema mit Ihnen zu Diskutieren, bin im Unruhestand und habe dazu Zeit und Musse.
    Gruss Rolf Huber
  • Dr. David Lunze sagte:
    30.01.2015 09:22
    Sehr geehrte Herren
    Besten Dank für für Ihr Feedback.
    Grundsätzlich sollten wir es uns als Branche nicht zu leicht machen und immer erst unsere Kunden (Bauherren, Investoren etc.) in die Pflicht nehmen wollen. Vielmehr sollten wir uns ein Beispiel an all den Branchen nehmen, die mit innovativen Leistungen/Produkten ihre Kunden vom Nutzen einer Idee überzeugt haben. Gestalten Sie spannende Geschäftsmodelle, zeigen Sie Comittment und gehen Sie in Vorleistung. Nur so schaffen wir die für eine erfolgreiche Umsetzung der Life-Cycle-Idee bzw. des Performance Contracting notwendigen Referenzen.

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