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Mit Smart Grid in die Energiedemokratie

Publiziert am 20.05.2014 von Peter Kieffer, Präsident Swissmig
Seebach

Meinung Die letzten 100 Jahre herrschten «feudale» Machtverhältnisse in der Energieerzeugung in der Schweiz: Die da oben haben Energie, sie verteilen sie – immerhin gerecht – und sie verlangen von denen da unten Tarife, Gebühren und Abgaben. Dieses System scheint sich nun fundamental zu ändern. 

Heute steht das System der elektrischen Energie an der Schwelle zur Demokratie – zur Herrschaft des Volkes. Denn es steht jedem frei, Energie zu erzeugen und sie ins Netz einzuspeisen, egal ob es im System schon genug hat oder ob gerade Mangel herrscht. Immer mehr Energie wird dezentral produziert, zum Beispiel wird Strom aus Photovoltaikanlagen auf Hausdächern ins Netz eingespeist. Diese Art der dezentralen Erzeugung ist nicht mehr zentral «von oben» regelbar. Um das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch trotzdem zu jeder Zeit stabil aufrechtzuerhalten, braucht es dazwischen nicht mehr nur ein Netz, sondern ein intelligentes Netz.

Ein intelligentes Netz kann auf stochastische Einspeisung, auch auf der untersten Netzebene, reagieren, mit Lastflussumkehr umgehen, Spannung und Frequenz stabil halten und vor allem zu jeder Zeit den verfassungsmässigen Auftrag einer sicheren Stromversorgung erfüllen.

Auch ein Smart Grid kommt nicht ohne die Elemente Kupfer und Eisen eines konventionellen Netzes aus, darüber hinaus braucht es aber noch weitere Elemente, und zwar Silizium für die Mess-, Übertragungs- und Regeltechnik und Lithium für die Speicher zur Zwischenlagerung momentan überschüssiger Energie. Heute werden schon viele Komponenten eines Smart Grid angeboten, sie haben sich bereits in einigen Pilot- und Demonstrationsanlagen unter Alltagsbedingungen bewährt. Besonders spannend sind das E-Energy-Förderprogramm in Deutschland, in welchem Technologiepartnerschaften in sechs Modellregionen Schlüsseltechnologien entwickeln und erproben, und der Smart-Grid-Prototyp von EcoGrid EU. Dieser befindet sich auf der dänischen Ostseeinsel Bornholm im Aufbau. Die Anlagen zeigen: Smart Grid ist machbar!

Peter Kieffer

Peter Kieffer

Peter Kieffer, dipl. El. Ing. ETH, seit über 10 Jahren bei Landis+Gyr in verschiedenen Funktionen tätig, ist Mitglied des Vorstandes der ETG, Präsident der Fachgruppe Neue Erneuerbare Energien der Electrosuisse und Präsident des Vereins Smart Grid Industrie Schweiz Swissmig.

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