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Swissbau Focus Arena: Verdichtung – lebenswert und rentabel?

Publiziert am 24.01.2014 von Redaktion Swissbau
Swissbau Focus Arena- Verdichtung lebenswert und Rentabel
Eventreport - Swissbau Focus Arena: Verdichtung – lebenswert und rentabel?, 24. Januar 2014, 16.00-17.00 Uhr, Messe Basel

 

Eine hohe Dichte in grossen und auch kleinen Siedlungen hat Vorteile: kurze Wege bedeuten weniger Zeit und Energie für den Individualverkehr, Naturraum wird als solcher bewahrt. Doch es gibt auch Widerstand. Bei der vierten und letzten Swissbau Focus Arena diskutierten Vertreter aus Politik und Bauwirtschaft die Frage: Verdichtung – lebenswert und rentabel?

Moderator Patrick Rohr stellt zunächst den inneren Kreis der Runde vor, wonach alle ihre ersten Statements zum Thema Verdichtung abgeben. Bauunternehmer und FDP Nationalrat Philipp Müller stellt fest, dass sich die Bevölkerung ambivalent verhält: Zwar wird für Verdichtung abgestimmt, doch wer selbst betroffen ist, leistet Widerstand. 

Hans Peter Wessels, Regierungsrat Kanton Basel Stadt, sieht einen weiteren Gegensatz zwischen Land- und Stadtbevölkerung. Während Städter Landschaft als Erholungsraum betrachten, stellt sie für Menschen am Land Wohnraum dar. Daher liesse sich Verdichtung in der Stadt leichter umsetzen. Auch der Geschäftsführer des SIA Hans-Georg Bächtold plädiert für mehr Stadt in der Stadt, eine Innenentwicklung. 

Der Städtewanderer Benedikt Loderer meint hingegen, man muss dort verdichten, wo es jetzt dünn ist. Ein eigenes Landgesetz ist nötig. Darüber hinaus handle es sich um ein Luxusproblem. «Wären wir ärmer, hätten wir das Problem nicht.» Müller kontert darauf sofort, dass viele in die Stadt ziehen wollen, aber keine bezahlbare Wohnung finden. Bächtold greift den Gedanken auf, denn er weiss schon von Monopoly, dass Zürich teures Pflaster ist. «An vielen Orten etwas mehr» ist seine Devise. Anstatt Basel, Genf und Zürich zu fokussieren, muss bei mittelgrossen Städten angesetzt werden.

Als Erste des äusseren Kreises bekommt die Stadt-Soziologin Brigit Wehrli-Schindler das Wort. Sie greift Zürich auf, das Glück gehabt hat, dass es in Industriegebieten möglich war zu verdichten, ohne zu verdrängen. Sie sieht auch Potential in den umliegenden Agglomerationen. «Verdichtung heisst nicht mehr Gebäude, sondern mehr Urbanität.» Die entsprechende Infrastruktur mit öffentlichem Verkehr und Einkaufsmöglichkeiten muss ortsspezifisch und nach einem partizipativen Prozess gebaut werden. Der selbst in der Agglomeration Münchenstein lebende Gemeinderat Lukas Lauper denkt dabei auch an die ältere Bevölkerung. Am Weg zur Verdichtung muss die Lebenssituation der Bevölkerung beachtet werden. Laut Patrick Schnorf, Partner und Mitglied der Geschäftsleitung von Wüest & Partner, benötigen die Einwohner der Agglomeration über die Punkte seiner Vorredner hinaus auch Wohnqualität, Aussichtsqualität und Nähe zum Arbeitsplatz. 

Der einzige anwesende Architekt Bob Gysin sieht Qualität auch in der architektonischen Umsetzung. Die gebaute Umgebung muss anspruchsvoll und spannend sein, man braucht nicht mehr, sondern besseren Wohnraum. Hans Rupli, Zentralpräsident Holzbau Schweiz, versteht das Augenmerk auf die Architektur, denn das Gebäude muss letztendlich dem Menschen dienen. Damit Verdichtung längerfristig funktionieren kann, müssen flexible Strukturen geschaffen werden, die Umnutzungen ermöglichen und sich neunen Bedürfnissen, zum Beispiel älter werdender Bewohner, anpassen können.

Die Anwesenden sind alle einig, dass angesichts des seit dem zweiten Weltkrieg stets wachsenden Wohnraum-Bedarfs bei beschränktem Platzangebot verdichtet werden muss. Ansatzpunkte dazu sind freilich vielfältig. Die «Kirchturmvorstellung von Stadt» gehört abgeschafft, Agglomerationen müssen als Teil der Stadt begriffen werden und die alte Kernstadt als eines von vielen Quartieren. Der Landflucht aus als unattraktiv betrachteten Kernstädten gehören Massnahmen entgegengesetzt. Denn durch Zersiedelung kommt es zu erhöhtem Verkehrsaufkommen in der Stadt, was sie noch unattraktiver macht. Orientierung bieten können die extrem gefragten mittelalterlichen Stadtzentren. Gut zugänglicher grüner Freiraum, Sicherheit, Sauberkeit und die Vermeidung von Verkehrslärm sind anzustreben, damit bedürfnisgerechtes Wohnen in der Dichte die Bevölkerung anspricht.

Weiteres Bildmaterial zur Swissbau Focus Arena «Verdichtung – lebenswert und rentabel?» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Hans-Peter Wessels,
Regierungsrat Kanton Basel-Stadt
Philipp Müller, Nationalrat,
Präsident FDP
Hans-Georg Bächtold, Geschäftsführer
Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein SIA
Benedikt Loderer,
Stadtwanderer

Sendung in voller Länge


Swissbau Nachgefragt 

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Benedikt Loderer, Stadtwanderer
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Philipp Müller, Nationalrat, Präsident FDP

Veranstalter

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Impressum

Text: Nina Egger, Tec21
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG


Redaktion Swissbau

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