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Swissbau Focus Arena: Immobilien im Lebenszyklus – gut geplant, falsch genutzt?

Publiziert am 22.01.2014 von Redaktion Swissbau
Swissbau Focus Arena - Immobilien im Lebenszyklus gut geplant falsch genutzt
Eventreport Swissbau Focus Arena: Immobilien im Lebenszyklus – gut geplant, falsch genutzt?, 22. Januar 2014, 16.00-17.00 Uhr, Messe Basel

Bild: Urs Rieder Leiter Abteilung Gebäudetechnik Hochschule Luzern, Technik und Architektur, Vorstand SIA



«Immobilien im Lebenszyklus – gut geplant, falsch genutzt?» war das Thema der Arena im Swissbau Focus am Mittwoch, 22. Januar 2014. Der Titel lässt vermuten, die Nutzer würden der Planung hinterherhinken. Doch die Diskussion mündete in die Erkenntnis, dass Planung und Nutzung eines Gebäudes zu Unrecht als zwei getrennte Phasen verstanden werden – mit unguten Folgen für einen ökologischen Betrieb.

Die Hälfte der Energie braucht es für den Bau und den Betrieb unserer Gebäude. Entsprechend wichtig ist eine Betrachtung über den ganzen Lebenszyklus. Erst diese Sicht ermöglicht Gebäude, die auch in der Nutzung energieeffizient sind.

Die Lebenszyklen eines Gebäudes als zwei mehr oder weniger separate Abschnitte zu verstehen, ist nach Einschätzung von Urs Rieder, Professor an der Hochschule Luzern, «grundfalsch». «Es braucht eine Vernetzung dieser Abschnitte.» Erst dann könnte sichergestellt werden, dass das Knowhow aus der Planung den Nutzern und dem Hauswart zu Verfügung stehen. Dadurch wird das gesamtheitliche Denken und Handeln gefördert, was bedeutet, dass die Lebenszykluskosten für Bauentscheide ausschlaggebend sind, meint Rieder. Für Marianne Zünd vom Bundesamt für Energie ist diese Durchlässigkeit zwischen Planung und Nutzung sehr wichtig. Denn aufgrund von demografischen Veränderungen müssen Umnutzungen respektive Anpassungen an der Bausubstanz möglich sein. Dazu braucht es Bauten mit einer hohen Flexibilität. Diesen Standpunkt bestätigt der Präsident von SVIT beider Basel, Michel Molinari. Für ihn gehört diese bauliche Flexibilität, mit der kompakten Bauweise und dem Fokus auf die Lebenszykluskosten, zu den wichtigsten Punkten.

Doch ein Minergie-P-Haus allein genügt noch nicht, «wir müssen die Mobilität in die Betrachtung einbeziehen», betont Regula Rytz, Nationalrätin aus dem Kanton Bern. Diese Anmerkung entspricht auch der Statistik. Denn laut Marianne Zünd entfallen etwa 30 Prozent des Energieverbrauches auf die Mobilität, die Hälfte auf die Gebäude und etwa ein Fünftel auf andere Verbraucher wie industrielle Prozesse.

Doch Mobilität hat viel mit Suffizienz zu tun, also mit dem freiwilligen Verzicht auf energierelevante Leistungen, wie der Gebrauch des Autos oder das Verreisen mit dem Flugzeug. Silvan Bohnet von Implenia weist auf die Schwierigkeiten hin, für Nutzer diesbezüglich Regeln aufzustellen. Offenkundig lassen sich Mieter nur ungern dreinreden. Doch es gibt Ausnahmen, wie Marianne Dutli Derron von den Wohnbaugenossenschaften Schweiz erinnert. In der Genossenschaft Kalkbreite in Zürich gelten Vermietungsvorschriften, die auf einer Wohnfläche von 35 Quadratmetern pro Person basieren. In anderen Siedlungen würden statt Parkplätze den Mieterinnen und Mieter Mobility-Fahrzeuge vor dem Haus angeboten. Dieser Ansatz freut Urs Rieder. Denn der Professor glaubt nicht an einen freiwilligen Verzicht: «Es braucht Anreize, Mobility ist dafür ein gutes Beispiel.»

«Die Bauherrschaft ist ausschlaggebend», warnt David Leuthold von Pool Architekten. Leuthold hat Erfahrung mit der Siedlung an der Badenerstrasse 380 in Zürich, die auf 2000 Watt getrimmt ist. Ohne den Support des Bauherrn sind derartige Projekte nicht möglich. Dies sollte noch verstärkt für Altbauten gelten, findet Rieder. «Wir haben in der Schweiz 1,4 Mio. Gebäude mit Baujahr vor 1980.» Diese Gebäude könnten im Betrieb optimiert werden ‒ ohne Investitionen. Es genügt, den Verbrauch zu dokumentieren und Steuerungen einzustellen. Gemäss René Tschanz von der Immobilien-Bewirtschaftung der Stadt Zürich «lassen sich damit 15 Prozent Wärme einsparen.»

Weiteres Bildmaterial zur Swissbau Focus Arena «Immobilien im Lebenszyklus – gut geplant, falsch genutzt?» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Marianne Zünd, Leiterin
Kommunikation Bundesamt für Energie BFE
Urs Rieder, Leiter Abteilung Gebäudetechnik Hochschule Luzern - T&A
Regula Rytz, Nationalrätin, Co-Präsidentin GPS

Sendung in voller Länge


Veranstalter

Logo_Swissbau


Impressum

Text: Othmar Humm, Faktor Journalisten 
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG


Redaktion Swissbau

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