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Smart Density – dichter und schlanker bauen mit Holz

Publiziert am 24.01.2014 von Redaktion Swissbau
Smart Density – dichter und schlanker bauen mit Holz
Eventreport - Smart Density – dichter und schlanker bauen mit Holz, 24. Januar 2014, 11.15-12.45 Uhr Messe Basel

Bild: Peter Schürch, Leiter Studiengang Nachhaltiges Bauen Berner Fachhochschule 

Wer hat Angst vor der Siedlungsverdichtung? Am Themenanlass des Bundesamts für Umwelt (BAFU) wurden die sozialen und baulichen Anforderungen an die Siedlungsentwicklung angesprochen. Ein Forschungsprojekt hat dazu ergeben: Die Holzbauweise kann zum Sympathieträger für eine stärkere Ausnützung von inneren Reserveflächen und Baulücken werden. 

Architekten und Sozialforscher an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur haben erforscht, wie der Dichtestress in vielen Gemeinden gemindert werden kann. Im Rahmen des Aktionsplans Holz wurden Strategien und Konzepte für eine verträgliche innere Verdichtung entworfen. Die Resultate zeigen nun, dass der Holzbau selbst ein geeignetes Instrument dafür wäre. Die Akzeptanz in der Bevölkerung und der Eigentümerschaft ist aber auch durch partizipative Planungsprozesse zu erhöhen. 

Die Nutzung von Schweizer Holz ist ein dreifacher Gewinn: «Wir pflegen damit den heimischen Wald, schaffen Mehrwert für die Umwelt und erhöhen mit jedem zusätzlichen Holzbau die Siedlungsqualität», ist Rolf Manser, Abteilungschef Wald Bundesamt für Umwelt (BAFU), überzeugt. Insofern könne der aktuelle Verdichtungstrend eine willkommene Brücke zwischen dem modernen Holzbau und der Siedlungsentwicklung schlagen. 

Dass der Baustoff Holz von einer starken Anerkennung in der Bevölkerung profitieren kann, glaubt Peter Schwehr, Leiter Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP) Hochschule Luzern – Technik & Architektur. Im Rahmen des Forschungsprojekts «Smart Density: schlanker und dichter bauen mit Holz» hat er die emotionalen Aspekte von Verdichtungsprozessen untersucht. Sein Fazit: «Die bestehenden Siedlungen lassen sich nur dichter bauen, wenn die Ängste der betroffenen Anwohner und der viel zitierte Dichtestress abgebaut werden können.»

Forschungskollegin Ulrike Sturm, Leiterin Fokus «Living Context» im Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP) an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur hat dazu Fallstudien durchgeführt: «In neun Gemeinden haben wir mögliche Strategien für den Verdichtungsbedarf entworfen.» Zwei Hauptergebnisse weist das Forschungsprojekt nun vor: Zum einen gilt es zwingend die identitätsstiftenden Merkmale im Bestand zu wahren. «Zum anderen besitzt der Baustoff Holz eine erstaunliche Akzeptanz in der Anwohnerschaft, wenn es Ergänzungsbauten im Quartier zu beurteilen gilt», hat Sturm erkannt. Die detaillierten Erkenntnisse sind in der Publikation «Lignatec: Smart Density; erneuern und verdichten mit Holz» zusammengefasst.

Aus seiner praktischen Erfahrung konnte Peter Schürch, Architekt SIA und Leiter des Studiengangs «Nachhaltiges Bauen» an der Berner Fachhochschule in Burgdorf, ähnlich positives berichten. Er hat mehrere Wohnhäuser in Holzbauweise auf städtischen Restflächen realisiert. «Dies löste jeweils ein gutes Echo aus.» Darüber hinaus setze er den CO2-neutralen Baustoff gerne ein, weil sich damit höchste ökologische Ansprüche ohne architektonische Kompromisse umsetzen lassen. «Holz ist für das nachhaltige Bauen auch darum ideal, weil so die Baukultur und die ästhetische Siedlungsqualität gestärkt werden kann.» Genau gleich sah dies Hans Rupli, Zentralpräsident Holzbau Schweiz, in der abschliessenden Podiumsdiskussion: «In der Klima- und Raumplanungspolitik stellen sich wichtige Zukunftsfragen. Mit dem Holzbau besitzen wir ein kombiniertes Lösungsinstrument, das wir vermehrt nutzen sollten.»

Der Holzbau geniesst bei Architekten und in der Bevölkerung einen guten Ruf. Zudem profitiert die Branche von einem hohen technologischen Niveau. Viele realisierte Beispiele zeugen auch in Städten davon, dass Holz nicht nur ein ökologischer sondern auch ein moderner Baustoff ist. Im Forschungsprojekt der Hochschule Luzern wurde aufgezeigt, dass auch die Verdichtung als spezifische Bauaufgabe ein gutes Anwendungsfeld für den einheimischen Rohstoff sein kann. Doch einen kleinen Wermutstropfen gibt es auch: Die Wertschöpfungskette vom Wald bis zum Gebäude ist noch nicht lückenlos; die Branche hat sich daher weiter anzustrengen, um das Werkstoffpotenzial im Baubereich besser auszuschöpfen.

Weiteres Bildmaterial zur Veranstaltung «Smart Density – dichter und schlanker bauen mit Holz» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.

Videointerviews

Ulrike Sturm, Leiterin Fokus Living Context
CCTP Hochschule Luzern - T&A
Peter Schwehr, Leiter CCTP
Hochschule Luzern - T&A
Rolf Manser,
Abteilungschef BAFU
Peter Schürch, Leiter Studiengang
Nachhaltiges Bauen Berner Fachhochschule


Präsentation der Veranstaltung «Smart Density – dichter und schlanker bauen mit Holz»

Smart Density – dichter und schlanker bauen mit Holz

Präsentation von Peter Schwehr und Ulrike Sturm, Hochschule Luzern - Technik & Architektrur


Präsentation von Peter Schürch, Berner Fachhochschule in Burgdorf


Veranstalter

BAFU


Impressum

Text: Paul Knüsel, Faktor Journalisten
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG


Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

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