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Offizielle Eröffnung: Ersatzneubau – Gibt es Alternativen?

Publiziert am 21.01.2014 von Redaktion Swissbau
Eröffnung
Eventreport Offizielle Eröffnung: Ersatzneubau – Gibt es Alternativen?, 21. Januar 2014, 10.00-12.15 Uhr, Messe Basel

Bild: René Kamm, CEO MCH Group AG

Die Swissbau 2014 ist mit deutlichen Voten zur nationalen Energie- und Raumplanungspolitik gestartet. Die Eröffnungsveranstaltung bot damit einen ersten Vorgeschmack auf das, was die Besucher an der grössten Baufachmesse der Schweiz erwartet. In den nächsten vier Tagen präsentieren sich über tausend Aussteller und es finden viele für die Baubranche wichtige Diskussionen statt.

Ab heute ist Basel wieder die Baustadt der Schweiz: Die nationale und internationale Bauszene trifft sich diese Woche zur Leistungsschau am Rheinknie. Dass sich die Branche nicht einfach selbst feiert, sondern Mittel und Wege für die nachhaltige Entwicklung der Schweiz sucht, hat die Eröffnungsveranstaltung deutlich gemacht. Kontroversen Diskussionsstoff zum Auftakt bildeten die Energiewende und die Siedlungsverdichtung. Heimlicher Star der Swissbau 2014 ist aber der Neubau der Stararchitekten Herzog & de Meuron.

René Kamm, CEO Messe Schweiz Group AG, lobte den Umbau an der Eröffnungsveranstaltung: «Die Termine wurden auf den Tag genau eingehalten und das Budget um keinen Rappen überschritten. Wir haben es hier mit einem Paradebeispiel für die Qualität des einheimischen Bauens zu tun.» Dass es weitere gelungene Ersatzneubau-Objekte braucht, hat Nationalrat Hans Killer, Präsident von bauenschweiz, in seiner Rede verdeutlicht: «Der Ersatzneubau liefert einen wichtigen Beitrag für die Reduktion des Energieverbrauchs im Gebäudebereich». Er begrüsste die Swissbaubesucher im Namen des traditionellen Messegastgebers. Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger bekräftigte in seiner Grussbotschaft aus Bern, «wie wichtig die Bauwirtschaft für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 ist».

Auf partnerschaftliche Zusammenarbeit hofft insbesondere Walter Steinmann, Direktor Bundesamt für Energie BFE. In seinem Inputreferat zeigte er die vielen Möglichkeiten auf, wie der Gebäudebereich energieeffizienter und klimafreundlicher weiterzuentwickeln ist. Joëlle Zimmerli, Inhaberin Büro Zimraum Raum + Gesellschaft, forderte derweil, dass die nachhaltige Siedlungsentwicklung nur mit Ersatzneubau und innerer Verdichtung möglich sei.

Die beiden Inputs regten offensichtlich an: In der von Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber geleiteten Podiumsdiskussion wurde kontrovers über Verdichtung und Ersatzneubau diskutiert. Hans-Peter Domanig, CEO Priora Group AG und Vorstand bauenschweiz, erkennt darin einen zweifachen Gewinn: «Für die Branche selbst sind die Rentabilitätsaussichten attraktiv, weil bestehendes Bauvolumen erweitert wird.» Raumplanerisch erwünscht sei zudem, dass Wohnen und Arbeiten in den Siedlungszentren näher zueinander gebracht werde. Auch Thomas Kessler, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt, hofft auf die «Stadt der kurzen Wege». «Doch wir haben lange geschlafen: Bei der Zentrumsverdichtung besitzen wir, im Vergleich zum Ausland, viel Nachholbedarf.» Dennoch säumen Hürden den Weg: Daniel Lehmann, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbandes SBV, will insbesondere die Bauvorschriften bei Kantonen und Gemeinden zahlenmässig reduzieren. Hans Aregger, Inhaber Aregger AG Bauunternehmung, stört sich ebenso daran, dass Anwohner sehr häufig gegen Veränderungen im Gebäudebestand opponieren.

Jean-Daniel Gross, Leiter Denkmalpflege Stadt Bern, hält diesen Vorwürfen die Qualität der inneren Verdichtung entgegen: «Gerade die Bevölkerung stellt legitime Ansprüche, welche städtebaulichen Veränderungen akzeptabel sind.» Daniel Büchel, Vizedirektor Bundesamt für Energie BFE, bezweifelt seinerseits, dass die Regelungsdichte ein Hindernis sei. «Es braucht eher klarere Vorschriften, um die Verdichtung voranzubringen. Und Stefan Cadosch, Präsident Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein SIA, plädiert dafür, Ersatzneubauten nicht nur ökonomisch und ökologisch sondern auch gesellschaftlich zu beurteilen: «Gebäude zerstören kann eine Lösung sein, aber es braucht mehr Verstand!» Peter Schmid, Präsident Allgemeine Baugenossenschaft Züric ABZ, möchte daher den sozialen Auswirkungen von Verdichtungsvorhaben stärkere Beachtung schenken. «Ersatzneubau muss auch zahlbaren Wohnraum ermöglichen.» Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit lauten für Martin Neff, Chefökonom Raiffeisen Schweiz, die zentralen Aspekte auf dem jetzigen Wohnungsmarkt, «aber ob der Ersatzneubau den ausgetrockneten Markt beleben kann, wage ich zu bezweifeln.»

Eine abschliessende Antwort, wie der Ersatzneubau gegen Zersiedlung und steigenden Energiekonsum wirken kann, blieb die Podiumsdiskussion schuldig. Dass der Dichtestress dringend zu überwinden sei, konnte jedoch Alec von Graffenried, Leiter Immobilienentwicklung Mittelland und Vorstand Green Building Schweiz, zum Abschluss der Eröffnung bestätigen. Kulturlandverlust und die steigende Verkehrsbelastung seien Hinweise genug, dass bisher einiges schief gelaufen sei. «Wir sollten uns nun Gedanken über die Energiewende und auch über eine Raumplanungswende machen», so von Graffenrieds Fazit an die Adresse der Besucher im Swissbau Focus sowie der Zuschauer im zugeschalteten Livestream.

Weiteres Bildmaterial zur Offiziellen Eröffnung «Ersatzneubau – Gibt es Alternativen?» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Ruedi Lustenberger,
Nationalratspräsident, Präsident VSSM
Walter Steinmann, Direktor
Bundesamt für Energie BFE
Joëlle Zimmerli, Inhaberin
Büro Zimraum Raum + Gesellschaft
Hans Killer, Nationalrat,
Präsident bauenschweiz

Sendung in voller Länge


Swissbau Nachgefragt

headphone Joëlle Zimmerli, Inhaberin Büro Zimraum Raum + Gesellschaft headphone Hans Killer, Nationalrat, Präsident bauenschweiz

Präsentationen der Veranstaltung
«Offizielle Eröffnung»

Eröffnung Präsentation

Begrüssung duch René Kamm, CEO MCH Group


Eröffnung Präsentation

Begrüssung durch Nationalrat Hans Killer, Präsident bauenschweiz


Präsentation von Walter Steinmann, Direktor Bundesamt für Energie BFE


Eröffnung Präsentation

Präsentation von Joëlle Zimmerli, Inhaberin Büro Zimraum Raum + Gesellschaft


Eröffnung Präsentation

Präsentation von Nationalrat Alec von Graffenried, Leiter Immobilienentwicklung Mittelland


Veranstalter

bauenschweiz   Logo_Swissbau


Impressum

Text: Paul Knüsel, Faktor Journalisten 
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG

Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

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