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Konvergenz der Energienetze im Grossen und im Kleinen – Basis für eine erfolgreiche Energiewende

Publiziert am 24.01.2014 von Redaktion Swissbau
Konvergenz der Energienetze im Grossen und im Kleinen – Basis für eine erfolgreiche Energiewende
Eventreport -  Konvergenz der Energienetze im Grossen und im Kleinen – Basis für eine erfolgreiche Energiewende, 24. Januar 2014, 13.30-15.00 Uhr, Messe Basel

Bild: v.l.n.r. Daniela Decurtins, Verband der Schweizerischen Gasindustrie; Marcel Rindlisbacher, Regio Energie Solothurn; Markus Portmann, e4plus; Thomas Jäggi, EES

Der Ausbau der erneuerbaren und dezentralen Energieproduktion wird vermehrt temporäre Stromüberschüsse verursachen. Das Speichern und Umwandeln der Energieflüsse wird daher zu einer unverzichtbaren Aufgabe für die Energiewende. Am Themenanlass von aee suisse wurde aufgezeigt, wie weit die Konvergenz der verschiedenen Versorgungssysteme bereits gediehen ist.

Die Energienetze stehen vor einem grossen Wandel; vor allem Speicherkapazitäten sind gesucht. Eine bereits erprobte Variante ist «power-to-gas»: Strom wird dank Elektrolyse zu Gas und kann so im weit reichenden Erdgasnetz zwischengelagert werden. Die dezentralen Energieproduzenten können dagegen ihre Eigenversorgungsquote, mithilfe intelligenter Haustechniksysteme, erhöhen und dadurch die Stromnetze entlasten. Energieversorger und Bauherren in der Schweiz bringen die Umsetzung mit Pilotprojekten an.

Die Schweiz ist keine Energieinsel. «Beispielhaft dafür ist der europäische Gasverbund», erklärt Daniela Decurtins, Direktorin im Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG). Trotzdem hebt sich das inländische Netz von den Nachbarn ab; zumindest was den Inhalt betrifft. «Bei der Einspeisung von Biogas sind wir international führend», so Decurtins. Und auch bei der Energiespeicherung ist die Branche innovativ unterwegs. Mit einer 20%-Beteiligung aus der Schweiz wurde in Norddeutschland eine «power-to-gas»-Versuchsanlage realisiert. «In Falkenhagen wird mithilfe der Elektrolyse überschüssiger Windstrom in Wasserstoff und danach in Erdgas umgewandelt», erklärte die VSG-Direktorin am Themenanlass von aee suisse über die machbare Konvergenz der Energiesysteme. 

Die Speicherkapazität des Gasnetzes auf die Probe stellen, will auch die Region Solothurn. Auf dem Areal «Aarmatt» wird ein neuartiges Hybridwerk erstellt, das den erstmaligen Zusammenschluss unterschiedlicher Energienetze beabsichtigt. «Wir profitieren davon, dass die Leitungen für Strom, Erdgas und Fernwärme direkte Nachbarn sind», erklärt Marcel Rindlisbacher, Leiter Netze Regio Energie Solothurn. Als Verbindungsstücke realisiert werden nun eine WKK-Anlage mit Wärmespeicher, ein Elektrolyseur für die Umwandlung von überschüssigem Solarstrom sowie eine Methanisierungsanlage zur Produktion von synthetischem Gas. «Der Wirkungsgrad der Energieumwandlung ist sicher begrenzt», gibt Rindlisbacher an. Doch diese Technologie im Infrastrukturprojekt zu erproben, sei sicher sinnvoller als allfällige Stromüberschüsse überhaupt nicht zu nutzen. «Ab 2016 wird die Anlage ihren kompletten Betrieb aufnehmen», so Rindlisbacher.

Bereits einen Beweis erbringen, dass die Konvergenz der Systeme in einem Einzelhaus funktioniert, kann dagegen Markus Portmann, e4plus AG. Das Plusenergiehaus in Kriens, das Portmann selbst mitentwickelt und erstellt hat, ist technisch dafür gerüstet, möglichst viel der eigenen Solarstromproduktion unmittelbar vor Ort zu nutzen. Ein individuelles Steuerungskonzept stellt dies im Mehrfamilienhaus sicher. «Die Elektrogeräte in Küche und Waschkeller können wahlweise dann eingeschaltet werden, wenn die Solaranlage auf dem Dach die Energie dazu liefert», so Portmann. Die übrigen Überschüsse werden via Wärmepumpe zudem in einen internen Wärmespeicher eingelagert. 

Eine weitere Speicher- und Vollversorgungsvariante für Gebäudebesitzer präsentierte Thomas Jäggi, Geschäftsführer EES Jäggi-Bigler AG. «Wenn Wärmepumpe und die thermische Solaranlage intelligent miteinander kommunizieren, kann die Eigenversorgungsquote auf über 60 Prozent erhöht werden.»

Die Konvergenz der Energiesysteme ist auf Speichertechnologien angewiesen und funktioniert im Grossen wie im Kleinen. Mit «power-to-gas» könnte das Erdgasnetz einen grossen Teil des überschüssigen Solar- oder Windstroms aufnehmen und zwischenlagern. Derweil helfen Wärmespeicher, die Eigenversorgungsquote in Plusenergiehäusern wesentlich zu erhöhen. Von den Referenten am Themenanlass von aee suisse wurde betont, dass die technischen Voraussetzungen dafür zwar gegeben sind. Aber zum einen fehle es noch an erfolgsversprechenden Geschäftsmodellen und zum anderen brauche es zwingend bessere politische Rahmenbedingungen.

Weiteres Bildmaterial zur Veranstaltung «Konvergenz der Energienetze im Grossen und im Kleinen – Basis für eine erfolgreiche Energiewende» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Daniela Decurtins, Direktorin Verband
der Schweizerischen Gasindustrie VSG
Marcel Rindlisbacher, Mitglied der Geschäftsleitung Regio Energie Solothurn
Thomas Jäggi,
Geschäftsführer EES Jäggi-Bigler AG
Markus Portmann,
Inhaber und Geschäftsführer e4plus


Präsentation der Veranstaltung «Konvergenz der Energienetze im Grossen und im Kleinen – Basis für eine erfolgreiche Energiewende»

Präsentation von Daniela Decurtins, Direktorin Verband der Schweizerischen Gasindustrie VSG


Präsentation von Marcel Rindlisbacher, Mitglied der Geschäftsleitung Regio Energie Solothurn


Präsentation von Markus Portmann, Inhaber und Geschäftsführer e4plus


Präsentation von Thomas Jäggi, Geschäftsführer EES Jäggi-Bigler AG


Veranstalter

A EE


Impressum

Text: Paul Knüsel, Faktor Journalisten
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG


Redaktion Swissbau

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