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Internationale Ingenieurskunst im Metallbau

Publiziert am 24.01.2014 von Redaktion Swissbau
Internationale Ingenieurskunst im Metallbau
Eventreport - Internationale Ingenieurskunst im Metallbau, 24. Januar 2014, 11.45-13.15 Uhr, Messe Basel

Bild: v.l.n.r. Burkhard Miehe, Leiter der Tragwerksplanung Deutschland; Artho Marquart, Moderation, Präsident Fachverband Metallbau der SMU; Umberto Colicchio, Leiter Metallbau und Mitglied der Geschäftsleitung, Schweizerische Metall Union SMU; Corsin Roffler, Inhaber Roffler Ingenieure GmbH

An der Veranstaltung «Internationale Ingenieurskunst im Metallbau» zeigten Referenten spektakuläre Bauprojekte aus der ganzen Welt. Das als «Vogelnest» benannte Nationalstadion von Herzog & De Meuron in Peking und das Paul Klee Zentrum in Bern sind zwei Beispiele des zeitgenössischen Ingenieurstahlbaus.

Beim Ingenieurbau ist sehr oft Stahl die erste Wahl, weil für hohe statische Lasten nur ein geringer Materialeinsatz notwendig ist. Also viel Gewicht, aber schlanke Stützen und Träger. Das hat Vorteile, in der grauen Energie, in der Ressourcenschonung und in der Kostenbilanz.

Dass Stahl als Baumaterial rund um den Erdball eine steigende Bedeutung erfährt, visualisierte Burkhard Miehe von Arup Deutschland. Seine Fotos von Bauten im XXL-Format zeigen, dass der Metallbau aufgrund des guten Kosten-Nutzen-Verhältnisses auch für Grossbauten wichtig ist. Das international tätige Ingenieurbüro Arup mit 11‘000 Mitarbeitern in 40 Ländern realisierte in China den 600 Meter hohen Canton Tower. Als statische Elemente dienen Stahlrohre mit Durchmessern bis zu zwei Metern. Einige Konstruktionen prüften die Ingenieure auf dem «Shake Table» sozusagen ein Wackeltest.

Im saudiarabischen Jeddah verbauten die Ingenieure von Arup 31‘000 Tonnen Stahl im «King Abdulaziz Airport», einer der grössten Flughäfen der Welt. Um die riesigen Abfertigungshallen zu überdachen, konstruierte Arup dreidimensionale Tragewerke mit Fachwerkträgern der Firma Mero in Würzburg. Ausdrücklich lobte Burkhard Miehe bei der Präsentation des Paul Klee Zentrums das «konsequente Qualitätsverständnis» der Schweizer Metallbaufirmen. Jedes Detail musste nach den Vorstellungen des prominenten Architekten Reno Piano gestaltet und realisiert werden. «Für den Tragwerksplaner entstehen daraus interessante Aufgaben», meinte Miehe.

Ein kleineres Objekt, wegen seiner Raffinesse aber sehr beachtenswertes Objekt stellte Corsin Roffler von Roffler Ingenieure in Malans vor. Die Hotelvorfahrt zum «The Chedi» in Andermatt bot für Ingenieure und Metallbauer eine echte Herausforderung, meinte Roffler. Die zehn Meter breite und 13 Meter lange Stahl-Glas-Konstruktion ist aus 5-fach-VSG gefertigt, also einem Verbundsicherheitsglas mit fünf Scheiben und einliegenden Kunststofffolien. «Die Dimensionierung basiert auf einer Schneelast mit 2,5 Meter Nassschnee», rechnete Roffler vor, was über die ganze Fläche eine Last von 130 Tonnen ergibt. Roffler wollte auf Nummer sicher gehen und testete die Stützen der Vorfahrt an der Hochschule Luzern. Die Bemessungslast von 12 Tonnen pro Säule während fünf Minuten ergab keinerlei Veränderungen. Erst bei 50 Tonnen erfolgte ein Bruch. «Das beruhigte uns sehr», meinte Roffler. 

An der vom Präsidenten der Schweizerischen Metall-Union, Arno Marquart, geleiteten Panel wies Burkhard Miehe auf die erheblichen Unterschiede in der Baukultur der verschiedenen Länder hin. «Doch die Physik und die Mechanik ist überall dieselbe», meinte der Tragwerksplaner. Ob der Ingenieur auch in der Gestaltung mitwirkt, fragte Marquart. Nicht direkt meinten sowohl Miehe als auch Corsin Roffler, aber «der Ingenieur setzt schon Grenzen». Und diese Limiten könnten durchaus im Design ihren Niederschlag finden.

«Auch der Metallbau sucht qualifizierte Fachkräfte», betonte Umberto Colicchio von der Schweizerischen Metall-Union. Der Verband unternimmt aber enorme Anstrengungen, um diesem Trend entgegen zu steuern. Unter anderem mit einem Aus- und Weiterbildungszentrum in Aarburg. Dabei denkt Colicchio auch an Aufträge aus dem Ausland. Wegen des guten Bildungslevels auf allen Stufen könnten Schweizer Metallbauer auf der ganzen Welt aktiv werden.

Weiteres Bildmaterial zur Veranstaltung «Internationale Ingenieurskunst im Metallbau» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Corsin Roffler,
Inhaber Roffler Ingenieure GmbH
Umberto Colicchio, Mitglied der
Geschäftsleitung SMU
Burkhard Miehe,
Leiter Tragwerksplanung Deutschland

Veranstalter

SMU


Impressum

Text: Othmar Humm, Faktor Journalisten
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG


Redaktion Swissbau

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