Blog

Geothermie - Beitrag der Erdwärme zur Schweizer Energiewende

Publiziert am 25.01.2014 von Redaktion Swissbau
Geothermie, Beitrag der Erdwärme zur Schweizer Energiewende
Eventreport - Geothermie - Beitrag der Erdwärme zur Schweizer Energiewende, 25. Januar 2014, 14.00-15.30 Uhr, Messe Basel

Bild: v.l.n.r. Peter Meier, CEO Geo-Energie Suisse; Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer Geothermie Unterhaching GmbH und Co KG; Patrick Künzle, Moderation; Michael Sonderegger, Projektleiter Sankt Galler Stadtwerke; Urs Steiner, Geschäftsleiter EBL

Wie ist der Stand der Geothermie-Projekte in der Schweiz? Und wie verhält es sich mit der Akzeptanz der Bevölkerung nach den Erdbeben in Basel und St. Gallen? Diese Fragen wurden am Fachanlass zum Thema Erdwärme behandelt. Zudem zeigte der Blick ins bayrische Unterhaching, dass Geothermieprojekte sehr wohl von Erfolg gekrönt sein können.

Michael Sonderegger, Projektleiter der St. Galler Stadtwerke, erläuterte den Stand des St. Galler Geothermieprojekts, während Peter Meier, CEO Geo-Energie Suisse AG, diverse Geothermieprojekte seiner Firma vorstellte. Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer Geothermie Unterhaching, sprach seinen Schweizer Kollegen Mut zu und zeigte, dass Geothermiekraftwerke erfolgreich sein können. In die anschliessende Podiumsdiskussion flossen auch die Erfahrungen aus dem gescheiterten Basler Vorhaben ein. 

80'000 Terrawattstunden beträgt das technische Potenzial der tiefengeometrischen Stromproduktion in der Schweiz, das Ziel des Bundesrats liegt bei 4.4 Terrawattstunden. Mit diesen Zahlen umriss Peter Meier, CEO Geo-Energie Suisse AG, das grosse Potenzial der Schweizer Geothermie. Das Unternehmen plant Projekte in Avenches (VD), in Haute-Sorne (JU), in Pfaffnau / Triengen (LU) und in Etzwilen (TG). Die geologischen Voraussetzungen und die seismischen Risiken wurden in den vier Standorten geprüft und als geeignet befunden. Nach den Ereignissen in St. Gallen und Basel habe man das Konzept überprüft. Die Planung verläuft nach dem Motto «minimales Erschütterungsrisiko, maximale Energiegewinnung». In der Folge ging Meier auf das Projekt in Haute-Sorne (JU) ein. Ein Dossier zur Umweltverträglichkeitsprüfung ist eingereicht, Begleitgruppen wurden gebildet und das Baugesuch wurde eingereicht. Noch 2014 soll das Baugesuch durch die Behörden geprüft werden, erste Bohrungen sind für 2016 geplant. Der Kraftwerksausbau soll 2020 erfolgen. 

Michael Sonderegger, Projektleiter bei den St. Galler Stadtwerken, sprach über den Stand «seines» Geothermieprojekts. Das Projekt, das zum Ausbau des Fernwärmenetzes beitragen soll, war anfänglich gut vorangekommen. Doch nach einer ersten Bohrung von März bis Juli 2013 fand infolge eines Druckanstiegs im Bohrloch mit einem Wasser-Gas-Austritt ein Erdbeben der Stärke 3.5 statt, das für viel Aufsehen sorgte. Sonderegger versicherte jedoch, dass die Bevölkerung nach wie vor hinter dem Projekt steht. Anders als in Basel seien keine nennenswerten Schäden entstanden. Zurzeit läuft die Analyse der Tiefbohrung St. Gallen «GT-1», in welcher unter anderem die Produktivität der erschlossenen Wasser- und Gasvorkommen untersucht wird. «Die Resultate werden voraussichtlich im Februar 2014 kommuniziert», sagte Sonderegger. Und die nächsten Schritte? Mögliche Betriebskonzepte für die Wasser- und Gasnutzung und ein untertägiges Erschliessungskonzept sollen erarbeitet werden. Geplant ist zudem die Detailprüfung der Wirtschaftlichkeit. Die Ergebnisse dieser Schritte sollen Mitte 2014 vorliegen.

Im bayrischen Unterhaching ist ein Geothermie-Projekt wesentlich weiter fortgeschritten als in der Schweiz. Das Geothermie-Kombikraftwerk produziert seit 2007 Fernwärme für mittlerweile 5’700 Haushalte. Anfangs waren 2'000 Haushalte ans Fernwärmenetz angeschlossen. Und Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer Geothermie Unterhaching GmbH & Co KG, hat noch mehr vor. Künftig sollen 9’000 Haushalte mit Fernwärme versorgt werden. Bereits seit April 2013 ist ein regionaler Verbund mit dem benachbarten Geothermie-Heizwerk Laufzorn in Kraft. Sowieso nimmt die Region rund um München eine Vorreiterrolle ein. Künftig soll die Erdwärme auch auf Stadtgebiet genutzt werden. Geisinger ist überzeugt von der Geothermie: «Diese ist grundlastfähig, regelbar, CO2-frei und nahezu unbegrenzt verfügbar.»

Für das St. Galler Projekt war Unterhaching stets ein Vorbild. «Wir haben von Anfang an offen und ehrlich kommuniziert und die Bevölkerung eingebunden», sagte Michael Sonderegger. Auch Bohrplatzführungen trugen zur Akzeptanz des Vorhabens bei. Urs Steiner, Geschäftsleiter EBL (Genossenschaft Elektra Baselland), dessen Unternehmen auch an den Projekten der Geo-Energie Suisse AG beteiligt ist, sprach über seine Erfahrungen mit dem Basler Projekt. «Wir haben damals nicht optimal kommuniziert, waren überrascht von den Ereignissen.» Zudem sei man nach dem Beben plötzlich sehr allein gewesen, obwohl vorher viel Unterstützung vorhanden war. In Basel, so vermutete er, werde wohl kein Geothermie-Projekt mehr realisiert werden können. Generell aber zeigte sich Steiner davon überzeugt, dass die Geothermie bei der Umsetzung der Energiewende eine wichtige Rolle spielen wird.

Weiteres Bildmaterial zur Veranstaltung «Geothermie - Beitrag der Erdwärme zur Schweizer Energiewende» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Peter Meier,
CEO Geo-Energie Suisse
Urs Steiner, Geschäftsleiter
Genossenschaft Elektra Baselland EBL
Michael Sonderegger,
Projektleiter Sankt Galler Stadtwerke
Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer
Geothermie Unterhaching GmbH & Co KG


Präsentationen der Veranstaltung «Geothermie - Beitrag der Erdwärme zur Schweizer Energiewende»

Präsentation von Michael Sonderegger, Projektleiter Sankt Galler Stadtwerke


Präsentation von Peter Meier, CEO Geo-Energie Suisse


Präsentation von Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer Geothermie Unterhaching GmbH & CO KG


Veranstalter

Geo Energie Suisse        Logo ebl


Impressum

Text: Christian Bärtschi, Bärtschi-Texte
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG


Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

Der Swissbau Blog ist eine dialogorientierte Online-Plattform für aktuelle Beiträge zur Bauwirtschaft in der Schweiz. Neben zahlreichen Beiträgen aus dem Themenspektrum des Swissbau Focus liefert er regelmässig interessante News und Hintergründe zur Baubranche bzw. zur Swissbau selbst. Informationen zur Autorenschaft finden sich im Impressum. Bitte beachten Sie zudem die Blog Policy.

Veröffentlicht unter: