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Future Forum: Future Architects

Publiziert am 22.01.2014 von Redaktion Swissbau
Future Forum
Eventreport Future Forum, 22. Januar 2014, 10.00-11.30 Uhr, Messe Basel

Bild: v.l.nr. Sacha Menz, Vorsteher Institut für Technologie und Architektur ETH Zuerich; Vittorio Magnago Lampugnani, Professor für Geschichte des Städtebaus ETH Zürich; Winy Maas, Architekt, Partner MVRDV; Paul Knill, Präsident Bund Schweizer Architekten BSA

Im Future Forum wurde in diesem Jahr die Frage diskutiert: «Wie sieht das zukünftige Berufsbild der Architekturschaffenden aus?» oder – anders formuliert – «Who is the future architect?». Für die im Umbruch befindliche Berufsdefinition der Architekten und Architektinnen müssen neue Vorgaben geschaffen werden. Das Future Forum zeigt die Positionen dreier Akteure zwischen lokalem Wirkungsraum und globaler Vernetzung.

Als Diskussionsteilnehmer standen auf dem Podium Vittorio Magnago Lampugnani, Architekt und Professor für Geschichte des Städtebaus ETH, Winy Maas, Architekt und Professor für Städteplanung der TU Delft/NE und derzeitiger ETH-Gastprofessor Entwurf und Paul Knill, Architekt im Appenzell und Präsident des Bundes Schweizer Architekten BSA; er sprang kurzfristig für den aus privaten Gründen abwesenden Andrea Deplazes ein.

Durch die Diskussion führte Sacha Menz als Moderator, Professor für Architektur und Bauprozess an der ETH Zürich. Er lud nach einer kurzen Eröffnung die drei Diskutanden zu einer Erläuterung ihrer Sichtweise auf das Berufsbild Architektur ein.

Vittorio Magnago Lampugnani eröffnete das Themenfeld mit einem kurzen Rückbezug auf eine historische Perspektive, um dann auf eine zukünftige zu fokussieren. Er stellte hier drei «Kronzeugen» architektonischer Geschichte – Vitruv, Lombardo und Fontana – als durch Haltung und Berufspraxis beispielgebend für die Positionen des Architekten als Generalisten, Spezialisten oder Dienstleister und Treuhänder der Bauherrschaft vor und markierte die intellektuelle Bildung als Bedingung des Architekturschaffens. Abschliessend kam Lampugnani zu der Frage, wie Architekten und Architektinnen heute funktionieren sollten. Er stellte die Mutmassung an, dass heute – mit der Vervielfältigung der Berufsaufgaben – Architekturschaffende alle benannten Positionen ausfüllen sollten, vor allem aber eines bräuchten: eine im Entwurf einzigartige Kompetenz.

Den Ausführungen Lampugnanis folgte der Auftritt von Winy Maas. Maas beschrieb das Berufsbild der Architekten und Architektinnen auf sehr vielfältige Weise und machte dies an seinem persönlichen Profil fest. Einleitend warf er die Fragen «What can I be?» und «What do I have to be?» auf und beantwortete diese mit einer reichbebilderten Powerpoint-Präsentation, mit der er den Zuhörerenden vorführte, was Architektinnen und Architekten sein sollten. Dabei kam er von berufspraktischen Kompetenzen (the builder, drawer, designer) über soziale (the listener, social worker, therapist, communicator) bis hin zu organisatorischen Kompetenzen auf eine Vielzahl von Aufgaben, die nicht nur zu er-füllen, sondern auch – so macht es Maas anhand seiner Ausführungen deutlich – qua Berufsprofil umfänglich aus-zufüllen sind.

Paul Knill knüpfte hier an mit einer Darstellung des Berufsbildes Architektur im BSA-Leitbild und stellte die Frage, ob Generalisten tatsächlich gleichzeitig Spezialisten sein können. Er beschrieb seine Auffassung des Architekturschaffens als Gestaltung des Raumes und nahm auf Lampugnani mit der Vorstellung der historischen Vorbilder als Beispiele für eine Expertenschaft, die beides vereint, Bezug. Maas' Bild des globalen Architekten kontrastierte er mit seiner eigenen Position als im lokalen Rahmen wirkender Architekt.

In der folgenden Podiumsdiskussion wurden Fragen verhandelt, die darauf zielten, das Handwerk in der Berufspraxis zu verorten und insbesondere die Vielfalt als Möglichkeit und Problematik zu verhandeln im Sinne eines «everything goes!?». Weitere Diskussionspunkte waren die Frage nach dem Berufsethos von Architekturschaffenden und der aktuellen Bedeutung von Intellektualität im architektonischen Berufsfeld.

Zusammenfassend lässt sich folgendes Bild als Antwort auf die diskussionsleitende Frage nach dem Architekturschaffen der Zukunft zeichnen: Architekten und Architektinnen mit ihren diversen Ausbildungshintergründen sollen intellektuell gebildet und damit fähig sein, sich «professionell mit der eigenen Zeit» in Beziehung zu setzen; sie sollen bauliche Werte auf der Grundlage ihres Wissens- und Wirkungsraumes erkennen und erhalten. Sie sollen Generalisten und Spezialisten, ebenso wie Handwerker sein, die – sei es mit Software oder Baumaterial – mit ihrer Materie umgehen und sich den Anforderungen des sich wandelnden Architekturbetriebes stellen können.

Weiteres Bildmaterial zur Veranstaltung «Future Forum: Future Architects» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Winy Maas, Architekt,
Partner MVRDV
Sacha Menz, Architekt, Vorsteher Institut für Technologie in Architektur ETH Zürich
Vittorio Magnago Lampugnani, Professor für Geschichte des Städtebaus ETH Zürich

Sendung in voller Länge

Swissbau Nachgefragt

headphone
Vittorio Magnago Lampugnani, Professor für Geschichte des Städtebaus ETH Zürich

Veranstalter

Bund Schweizer Architekten   Logo_Swissbau  


Impressum

Text: Melanie Grütter, Faktor Journalisten 
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG


Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

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