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Bauen im Bestand - Schlüssel zur Energiewende

Publiziert am 22.01.2014 von Redaktion Swissbau
Bauen im Bestand - Schluessel zur Energiewende
Eventreport - Bauen im Bestand - Schlüssel zur Energiewende, 22. Januar 2014, 12.00-13.30 Uhr, Messe Basel

Bild: v.l.n.r. Maik Brünig, Ernst Schweizer AG; Philipp Hostettler, Sensible Architektur; Barbara Wehle, BFH AHB; PD. Dr. Dieter Schnell, BFH AHB; Prof. Dipl. Ing. Andreas Müller, BFH AHB

Das Verständnis für die vorhandene Bausubstanz ist ein elementarer Baustein zur Realisierung der Energiewende. Denn das Potenzial an Energieeinsparungen bei bestehenden Gebäuden ist hoch. In Kombination mit neuester Entwicklung führt es zur Steigerung der Energieeffizienz bei gleichzeitigem Erhalt des historischen Bauwertes – und zum Schlüssel der Energiewende.

Die Realisierung der Energiewende beinhaltet einen verantwortungsvollen Umgang mit vorhandener Bausubstanz bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Energieeffizienz. Die Wahl der Sanierungsmassnahmen orientiert sich an der umfassenden Analyse des Ist-Zustandes des Gebäudes. Nicht selten ist dabei detektivisches Gespür gefragt.

Die Umsetzung der Energiestrategie 2050 erfordert die Sanierung von bestehenden Gebäuden. Denn 80 Prozent des Gebäudebestandes in der Schweiz sind älter als 20 Jahre. Bei einer momentanen Quote von 0,9 Prozent im Bereich der energetischen Sanierungen besteht erhebliches Potenzial. Ein Mehrwert der Bausubstanz ist lediglich über verantwortungsvollen Umgang und gezielte energetische Massnahmen zu erreichen.

Die Grundlage für eine effektive energetische Sanierung liege in der umfassenden Analyse des Ist-Zustandes, versicherte Prof. Dipl. Ing. Andreas Müller, Berner Fachhochschule – Architektur, Holz und Bau sowie Leiter der Veranstaltung. Effektivität muss nicht zwingend mit hohen Kosten verbunden sein. Darauf verwies Müller: «Wo kann ich mit wenig Mitteln viel erreichen? Wo ist der grösste Handlungsbedarf?» 

Widersacher historischer Gebäude 

Treibhausgas und Landfrass sind die Widersacher historischer Gebäude. Diese gilt es mit Innovation und Kompromissbereitschaft (Treibhausgas) sowie mit Qualität (Landfrass) zu bekämpfen, forderte PD Dr. Dieter Schnell, Berner Fachhochschule – Architektur, Holz und Bau. «Welches Mass an Verdichtung im städtischen Kontext ist sinnvoll?» fragte Schnell und nannte das Lorraine-Quartier in Bern als vorbildliches Beispiel sinnvollen Verdichtens. Diese Umsetzung sei das Ergebnis einer respektvollen Ergänzung historischer Gebäude durch neue Bausubstanz. Gleichzeitig verwies Schnell auf das Positionspapier des Schweizer Heimatbundes «Verdichten braucht Qualität».

Philipp Hostettler, Architekt, Sensible Architektur, hat sein Kerngeschäft in der Altbausanierung respektive dem Umbau von bestehender Bausubstanz vor allem aus der Zeit zwischen 1870 und 1920. Hostettler begegnet dem gebauten Raum mit Respekt, um diesen behutsam den Bedürfnissen der Bewohnerschaft anzugleichen und gab einen tiefen Einblick in die praktische Anwendung von Zellulosefaserdämmstoffen. Dabei verriet er: «Das Identifizieren von Kaltluftströmen in der Gebäudehülle verlangt zum Teil detektivisches Gespür und dabei sind wir als Planer gefragt.»

Austausch vermeiden 

Barbara Wehle, Berner Fachhochschule – Architektur, Holz und Bau, stellte energetische Sanierungsmassnahmen historisch wertvoller Fenster vor. Weil diese häufig keine Dichtung besitzen, ist eine nachträgliche Anbringung sinnvoll. Mittels Isolierverglasung – im speziellen Fall auch Aufdopplung - lassen sich sowohl Einfachgläser als auch Kastenfenster sanieren. Bei einem unsanierten Einfachfenster mit Uw = 4,5 W/m2K lässt sich mit einer Isolierverglasung ein Wert von Uw = 1,9 W/m2K erzielen. Barbara Wehle: «Ein Erhalt der historischen Fenster ist anzustreben. Ein schlichter Austausch führt zu einem Verlust des historischen Charmes.» Maik Brünig von der Ernst Schweizer AG stellte abschliessend anhand des Beispiels einer Mehrfamilienhaus-Sanierung die solare Warmwasser-Vorwärmung als finanziell attraktive Sanierungsmassnahme vor. 

Die Veranstaltung «Bauen im Bestand» berichtete über neueste Entwicklungen anhand aufschlussreicher Praxisbeispiele. Es wurde deutlich, dass energetische Sanierung nicht zwingend mit hohen Kosten verbunden ist. Die Referenten sensibilisierten für den bewussten Umgang mit bestehender Bausubstanz und gezielten Sanierungsmassnahmen. Denn die Steigerung der Energieeffizienz ist abhängig vom Wissen über moderne Konzepte und Techniken sowie einem umfassenden Verständnis für Altbauten. In dieser Kombination - das verdeutlichten die Referenten – befindet sich der Schlüssel zur Energiewende.

Weiteres Bildmaterial zum Themenanlass «Bauen im Bestand - Schlüssel zur Energiewende» steht in der bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Präsentationen der Veranstaltung «Bauen im Bestand - Schlüssel zur Energiewende»

Präsentation von Prof. Dipl. Ing. Andreas Müller


Präsentation von PD Dr. Dieter Schnell


Präsentation von Barbara Wehle


Präsentation von Maik Brünig


Präsentation von Philipp Hostettler


Präsentation Bauen im Bestand


Veranstalter

Berner Fachhochschule


Impressum

Text: Morris Breunig, Faktor Journalisten 
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG


Redaktion Swissbau

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