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Welche Chancen liegen in Energy-Communities?

Publiziert am 10.12.2013 von Arno Schlüter, Gründer und Partner Keoto AG
Tidy Street

Meinung Seit Jahren wird heiss diskutiert: Können die politisch gesetzten Ziele zur Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Emissionen durch «grüne Technologien» oder durch Änderung unseres Verhaltens erreicht werden? Es ist klar, dass es beides braucht, um die Energiewende zu vollziehen. 

Bestehende Technologien ermöglichen es heute, unsere Gebäude effizient und emissionsfrei zu betreiben. Wie wir Veränderungen in unserem Verhalten hin zu einer nachhaltigen Nutzung von Energie erreichen können, bleibt hingegen eine grosse Herausforderung. Versuche haben gezeigt, dass die wesentlichen Hürden darin liegen, ein Bewusstsein zu schaffen, für den Wandel zu motivieren und dann die veränderten Gewohnheiten auch beizubehalten. 

Heute ist ein gesellschaftlicher Trend erkennbar, welcher als Reaktion auf die Verunsicherung, die weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrisen und die zunehmende Globalisierung hervorgerufen wurde. Er lässt sich mit «weniger, lokaler und miteinander» umschreiben.

Beispiele hierfür sind «urban farming», das Bewirtschaften von Anbauflächen in der Stadt und die «shareconomy», die das Teilen anstelle dem Besitzen postuliert.

Beiden gemein ist der identifikationsstiftende und gemeinschaftliche Aspekt. Dieser liesse sich auch für die nachhaltige Nutzung, Erzeugung und Bewirtschaftung von Energie einsetzen: in Form von «Energy-Communities». Eine solche Gemeinschaft kann lokal, zum Beispiel unter Nachbarn, aber auch virtuell, über soziale Medien entstehen. Dies ist entweder in einer geordneten Struktur, wie zum Beispiel einer Genossenschaft, oder als loser Verbund möglich. Eine Energy-Community bringt Menschen zusammen, die sich gemeinsam um «ihre» Energie kümmern.

Der Feldversuch in Brighton hat gezeigt, dass bereits der gegenseitige Austausch über den eigenen Energieverbrauch Energieeinsparungen von 15% bewirken kann. Durch soziale Medien können entfernt voneinander lebende Menschen verbunden und virtuelle Energy-Communities gebildet werden. Die Facebook App «Social Electricity» beispielsweise ermöglicht es, den eigenen Stromverbrauch zu verstehen, mitzuteilen und mit dem der eigenen Freunde oder der Nachbarschaft zu vergleichen. Nahezu zwei Drittel der befragten Nutzer gaben an, dass die App dazu beigetragen hat, ihren Stromverbrauch zu senken und ihn um bis zu 10% weiter senken wird. Interessant sind Energy-Communities aber auch für die gemeinsame Erzeugung von Energie mittels Erdsondenfeldern, Photovoltaik- oder Solaranlagen. Diese können dadurch grösser dimensioniert und damit effizienter und kostengünstiger werden. 

Was für den Einzelnen manchmal schwierig ist, kann in der Gemeinschaft leichter fallen. Mit Energy-Comunities kann ein bewusster und nachhaltiger Umgang mit Energie, geprägt durch das gemeinsame Ernten, Nutzen und Bewirtschaften erreicht werden.

Bildlegende: Visualisierung des Energieverbrauches der Tide Street, Brighton, Foto: The Argus 

Arno Schlüter

Arno Schlüter

Arno Schlüter ist Assistenzprofessor für Architektur und Nachhaltige Gebäudetechnologien am Institut für Technologie in der Architektur, ETH Zürich. In seiner Forschung konzentriert er sich auf die Entwicklung neuer Methoden für die Integration zukunftsweisender Technologien in Architektur und Städtebau. Als Gründer und Partner des ETH-Spinoffs Keoto AG setzt er seit 2009 innovative Ansätze auch in realen Strategie-, Planungs- und Bauprojekten um.

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