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Architektur auf dem Weg zum Plusenergiehaus

Publiziert am 17.12.2013 von Guido Honegger, Mitglied der Geschäftsleitung Vera Gloor AG
Fassadengestaltung

Meinung Die Gebäudehülle gewann in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung. Sie hat vielfältige und zum Teil widersprüchliche Aufgaben zu erfüllen: Denken wir nur an Wetter- und Wärmeschutz, Tageslicht und Corporate Identity. 

Ein guter Wärmeschutz im Sommer und im Winter ist für eine hohe Behaglichkeit entscheidend. Die zunehmenden Anforderungen an diese Behaglichkeit führten zur Aufteilung der Wand in mehrere Schichten. Grundsätzlich besteht eine Aussenwand heute aus einer tragenden, einer dämmenden und  einer schützenden Schicht. Für letztere steht eine Unzahl von Materialien und Produkten zur Verfügung, unter anderem auch Metall und Glas.

Grosszügige Verglasungen liegen im Trend. Es besteht der Wunsch, die Aussicht, die Natur oder die städtische Umgebung in den Raum hinein zu holen und damit innen und aussen womöglich rahmenlos verschmelzen zu lassen. Dabei geht gerne vergessen, dass grosse Verglasungen aus Gründen der Energieeffizienz nicht in alle Himmelsrichtungen sinnvoll sind.

Zusehends erhalten die klassischen Fassadenmaterialien Konkurrenz von Kollektoren und Photovoltaik, da die Dachfläche für deren Anwendung – vor allem bei mehrstöckigen Gebäuden – begrenzt ist.

Warum soll eine Fassade neben Wetter- und Wärmeschutz nicht auch noch Energie gewinnen, wenn sie dies wirtschaftlich tun kann? Denn Materialien und Bauteile, die mehrere Funktionen erfüllen, sind ökologisch und helfen zudem Baukosten sparen. 

Vertikal angeordnete Kollektoren bringen zwar einen geringeren durchschnittlichen Jahresertrag, kompensieren dies jedoch durch bessere Erträge bei tiefstehender Wintersonne. Somit kann eine Fassade bei richtiger Orientierung zu 100% der Energiegewinnung dienen. Dies gelingt einerseits durch grosszügige Verglasungen der Wohnräume auf die passive Art, andererseits durch aktive Solarnutzung der restlichen Fassade. 

Während diese Massnahmen im Normalfall «nice to have» sind, sind diese für das Plusenergiehaus unabdingbare Voraussetzung. Ziel ist, bei möglichst geringem Energieverlust und Eigenbedarf ein Maximum an Energieüberschuss zu produzieren, der dann ins Netz eingespeist werden kann. Die zur Anwendung gelangenden Materialien sind neben Silizium wiederum Metall und Glas. 

Man mag einwenden, dass dies zu einer eintönigen, phantasielosen Architektur führe. Zahlreiche Beispiele beweisen jedoch, dass durch gute Integration und Verbindung mit anderen Materialien eine sehr lebendige Fassadengestaltung resultieren kann. Die neuen, farbigen, transluzenten, auf die Verglasung applizierbaren Photovoltaik-Grätzelzellen werden zudem die Möglichkeiten der Fassadengestaltung beträchtlich erweitern. 

Was heute noch mit Skepsis betrachtet wird – nämlich das sich selbst mit Energie versorgende Haus – wird in 10 bis 20 Jahren eine Selbstverständlichkeit sein und damit ein neues Zeitalter der Architektur einläuten.

Guido Honegger

Guido Honegger

Guido Honegger ist dipl. Architekt ETH/SIA und Mitglied der Geschäftsleitung des Architekturbüros Vera Gloor AG in Zürich. Des Weiteren ist Guido Honegger Dozent für Architektur und Energieeffizientes Bauen am Forum Energie Zürich (FEZ). Das FEZ ist das Kompetenzzentrum für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Energienutzung im Bau- und Siedlungsbereich.

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