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Der Energiewende fehlen Planer - noch?

Publiziert am 26.11.2013 von Magnus Willers, Mitinhaber Jobst Willers Engineering AG
Gebäudetechnikplaner

Meinung Experten sind sich einig: Ein Drittel des gesamten Energieverbrauches, der heute durch Gebäude verursacht wird, könnte durch moderne Gebäudetechnik eingespart werden. Völlig unklar ist heute allerdings, wer diese Senkung planen soll. Der Fachkräftemangel an Gebäudetechnikplanern und Ingenieuren ist derart hoch, dass dies heute ausserhalb des Möglichen erscheint. Wer setzt dieses Ziel um?

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist aus zwei Gründen prekär: Erstens sind erfahrene Berufsleute der Babyboomer-Generation mit Jahrgang 1945 bis 1960 verdientermassen auf dem Weg in den dritten Lebensabschnitt und zweitens ist die Arbeitsbelastung für jeden Einzelnen durch den Fachkräftemangel immens. Die hohe Belastung ohne Aussicht auf Besserung wirkt sich negativ auf die Zufriedenheit aus.

Weiterbildungen, Teilzeitarbeit oder Auszeiten - Angebote, die eine moderne Branche ihrenMitarbeitenden bieten will - sind kaum möglich. Die Folge: Es wird nach Alternativen in anderen Branchen Ausschau gehalten.

Auf der anderen Seite stimmt es mich auch zuversichtlich, wenn ich einen Blick auf die nachkommende Generation werfe. Ich habe den Eindruck,  dass der Anbietermarkt im Bildungswesen immer besser funktioniert. Jugendliche orientieren sich stärker als auch schon an den verfügbaren Angeboten. Der Wettbewerb funktioniert – und das ist gut so. Wir müssen uns als «Branche» nun richtig präsentieren um den Nachwuchs direkt anzusprechen. Diese Chance wird von vielen Verbänden seit einigen Jahren konsequent und erfolgreich wahrgenommen und genutzt. Ein Beispiel liefert die suissetec-Plattform www.toplehrstellen.ch und «Wir die Gebäudetechniker». Mit dem Slogan «Unsere Lernenden rocken – damit auch Du bald rockst», verleiht die suissetec dem Gebäudetechniker ein neues Image und begleitet diese Kampagne zielgruppengerecht unter anderem mit Auftritten auf dem Jugendsender joiz.tv und einer Facebook-Plattform.

Wir, die Gebäudetechniker

Ausbildung ist ein Markt, dessen Nachfrage wir kreiert haben. Nun müssen wir auch die Ausbildungsplätze bereitstellen, damit in einigen Jahren Planer und Ingenieure das Steuer zugunsten der Energiewende herumreissen. Erste Erfolge stellen sich bereits ein: Zu unserer grossen Freude haben wir auf eine Lehrstelle als Lüftungsplanerin für den Sommer 2014 in Zürich 25 Bewerbungen erhalten. 

Magnus Willers

Magnus Willers

Magnus Willers, M.A. HSG, ist Mitinhaber der Jobst Willers Engineering AG, einem Ingenieurunternehmen für Energie und Automation in Rheinfelden, Bern und Zürich. Er engagiert sich nebenamtlich als Geschäftsstelle der Konferenz der Gebäudetechnik-Verbände (KGTV) und setzt sich für zusätzliche Ausbildungsangebote für Planer und Ingenieure der Gebäudetechnik ein.

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Kommentare

  • Grossen Jürg sagte:
    27.11.2013 07:49
    Sehr gut auf den Punkt gebracht! Wir Planer haben es in der Hand, uns nun bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 aktiv zu positionieren und unsere Schlüsselrolle beim Thema Energieeffizienz wahrzunehmen. Die gemeinsame Sprache der "Konferenz der Gebäudetechnik-Verbände" stimmt mich sehr zuversichtlich.
    Ich danke allen Beteiligten und Engagierten ganz herzlich!
  • Dipl. Masch. Ing. ETH Amadeus Thiemann sagte:
    29.11.2013 20:02
    ich widerspreche allen Aussagen des artikels - ausser dass er von dieser Firma ist, das stimmt bestimmt. Nullenergiehäuser zu bauen und bestehende Gebäude auf einen Bruchteil des Energieverbrauchs runterzuhauen ist keine Frage der Haustechnikplanung, denn simple Standardlösungen stehen für 90% der Fälle bereit, die kaum Planung bedürfen. Ausserdem könnten die Planungsabläufe - wenn sie bezahlt würden auch automatisiert werden. Es werden heute noch pdf's ausgedruckt, verschickt und dann abgezeichnet. Architeken, Bauherren, Politiker, Desinteresse, Fehlinformationen, Vorurteile, Profitinteressen der Unternehmer (vor allem oben) sowie der Reformstau in der politischen Arbeit gegen falsche Anreize halten die Energiewende auf.
    Ein Fachkräftemangel herrscht bei Financial Analysts durchaus nicht, weil die 4x mehr verdienen als Haustechnikplaner. Ich sehe keine Tendenz von jungen Leuten sich nach Interesse, sondern nach dem Mark aubilden zu lassen. Und das bedeutet: Banking und Law.
  • Roger Neukom sagte:
    09.12.2013 23:16
    Ich schliesse mich den Worten von Jürg Grossen an. Wir Planer haben es in der Hand! Seit ich 1997 mit meiner einmann Firma (Ingenieurbüro) begonnen habe bilden wir Lehrlinge als Gebäudetechnikplaner in drei verschiedenen Berufen aus. Wenn nächsten Sommer wiederum drei Lehrlinge abschliessen haben wir genau 20 Lehrlinge ausgebildet. Nur so konnten wir ein nachhaltiges Wachstum fördern, können unsere Kunden optimal beraten und sind heute über 25 Mitarbeitende. Ausbildungsplätze schaffen sollte heute für jedes Unternehmen ein zentrales Thema/Anliegen sein. Nur so können wir die grossen Herausforderungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte bewältigen. Der Lohn ist wichtig und ein guter Lohn gehört heute zu einem attraktiven Beruf für die jungen Berufsleute. Und da muss sich die Gebäudetechnik-Branche aber gar nicht verstecken! Wir müssen uns ja nicht gleich mit den Banken vergleichen (n.b. da herrschen auch andere zeiten seit 2009) aber mit anderen Berufen in den Bau- und Baunebenbranchen können wir durchaus sehr gut mithalten bzw. sind eher vorne anzutreffen. Ich würde jederzeit wieder in die Gebäudetechnik-Branche einsteigen und kann dass auch jedem jungen Menschen in der Berufswahl empfehlen wenn er sich für die Technik begeistern kann. Definitiv ein Beruf mit Zukunft und für unsere nachhaltige Zukunft!!