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Sind wir wirklich so von gestern?

Publiziert am 22.10.2013 von Balz Halter, Inhaber und Verwaltungsratspräsident Halter AG
Vernetztes Haus

Meinung Die technologischen Möglichkeiten heutzutage sind enorm. Zu was Halbleiter, Internet, Cloud-Computing oder Materialtechnologie fähig sind, erleben wir aber vor allem in anderen Industrien. Die Bauindustrie muss sich vom Mief der Ewiggestrigen befreien, alte Zöpfe abschneiden, die Chancen unserer Zeit nutzen und mit Innovation und Pioniergeist die Jungen wieder für unser Metier begeistern.

Können Sie sich erinnern – an Ihren ersten PC, das erste Natel oder den ersten Besuch im Internet? Klar, liegt ja auch kaum 20 Jahre zurück. Die Entwicklung ist atemberaubend. Nicht so in unserer Industrie. Seit Einführung der Elektrifizierung und der Zentralheizung haben sich unsere Häuser nicht mehr wirklich weiterentwickelt. Und das seit 100 Jahren!

Für die Baubranche gilt: «Innovation ja, aber nur wenn sie sich schon mindestens 10 Jahre bewährt hat.» Und: «Normieren geht über Studieren». In Sachen Energie-Effizienz ist uns drum auch nach vielen Jahren intensiven Nachdenkens nicht viel mehr eingefallen, als zu isolieren und nochmals zu isolieren.

Das ist schade. Denn es gibt gerade in unserem Land enormes Innovationspotential an den Hochschulen und in den KMU. Es gibt vielversprechende Lösungen und Technologien, die nicht nur wirkungsvoll, sondern auch bezahlbar sind: Innovationen, die die heimische Industrie revolutionieren und sogar zum Exportschlager werden könnten. Einige Beispiele dafür sind das LowEx-, respektive 2SOL-Konzept von ETH-Professor Leibundgut mit Hybrid-Kollektor, Tiefen-Wärmesonden und Turbo-Wärmepumpen oder der von ETH-Professor Hovestadt mitentwickelte Digitalstrom, der als Netzwerkinfrastruktur neue Applikationen und Services für Energie-Effizienz aber auch Komfort, Sicherheit und technik-unterstütztes Wohnen im Alter ermöglicht.

Wenn wir wieder mehr Spass an unseren Häusern haben und die Energiestrategie 2050 nur einigermassen ernsthaft vorantreiben wollen, dann müssen wir den innovationshemmenden Dschungel an Normen, Gesetzen, Verordnungen und Labels schleunigst lichten. Wir sollten das Geld nicht in Subventionen – schon gar nicht von veralteten Konzepten – stecken, sondern in die Entwicklung innovativer Technologien und Geschäftsmodelle. Wir müssen die mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer auf allen Stufen wieder ernsthaft lehren und die Ausbildung von selbstdenkenden, kreativen und unternehmerischen Technikern und Ingenieuren fördern.

Balz Halter

Balz Halter

Balz Halter ist Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Halter AG, einer Unternehmens-Gruppe der Bau- und Immobilienindustrie. Der Ingenieur ETH, Jurist und Mitbegründer des newtechClub beziehungsweise Building Technology Park in Schlieren engagiert sich seit Jahren in innovativen Konzepten, Technologien und Unternehmen in der Gebäudetechnik. Balz Halter ist 52 und Vater von drei jungen Erwachsenen.

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Kommentare

  • Markus Weber sagte:
    31.10.2013 11:53
    tolles Statement, sehe ich genau so. An der Swissbau Focus werden wir neue Wege aufzeigen, wie das Future Buildung in Zukunft geplant bzw. konfiguriert wird. Und dies nach dem Vorbild der (Auto)Industrie, durch einen integralen Ansatz und eine Vernetzung der Wertschöpfungskette. Gerne würde ich mit Ihnen über diesen neuen Ansatz diskutieren. Herzliche Grüsse
  • Severin Lenel sagte:
    14.11.2013 08:51
    Ich gebe Ihnen ja recht, dass die Baubranche nicht zu den "early adoptern" von neuen Technologien geht - zum Glück, weil viele vermeintliche Innovationen in die Sackgasse führten (denken wir nur an Asbest). Aber zu behaupten, dass nachhaltige Häuser von technischen Innovationen abhängen, ist Quatsch. Wenn man die Umweltwirkung über den ganzen Lebenszyklus eines LowEx Gebäudes mit einem Minergie-P Gebäude vergleicht, dann ergeben sich keine signifikante Unterschiede. Nachhaltige Häuser kann man zwar mit komplizierter Technologie bauen, aber einfacher kommt man mit intelligenten, integralen Konzepten (ja, unter anderem auch dämmen) zum Ziel. Der Innovationsstau findet viel weniger in der Bauwirtschaft als in den Köpfen der Planenden statt.