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Qualitätsvolle Verdichtung fängt beim Lebensstil an und damit beim Grundriss

Publiziert am 24.09.2013 von Thomas Kessler, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung BS
Dialogweg 6

Meinung In Basel und anderen Städten wird inzwischen jede zweite Wohnung von einer einzigen Person bewohnt. Immer mehr Personen wollen dieselbe Wohnung, die vor zwanzig Jahren für zwei oder drei Personen reichte, alleine bewohnen und können sich dies auch finanziell leisten. Aber macht dieser Wohlstand glücklich? 

Wenn immer weniger Personen einen Haushalt bewohnen, braucht es folglich immer mehr einzelne Wohnungen, um den Bedarf zu decken. Der Wohnungsmarkt kommt unter Druck, die Landschaft wird – aufgrund bestimmter Wohnpräferenzen (Beitrag vom 12. Februar 2013) – weiter zugebaut. Da dieses Modell an seine ökonomischen, ökologischen und sozialen Grenzen kommt, wird der steigende Wohnflächenverbrauch pro Kopf in der Schweiz ein immer wichtigeres Thema.

Sicher, Privatsphäre ist ein hohes Gut und für den modernen Menschen unverzichtbar. Doch während wir uns heute elektronisch immer stärker vernetzen, scheinen wir uns physisch-räumlich abschotten zu wollen.

Wenn Privatraum und der Raum für gemeinschaftliches Leben dagegen neu und klug verhandelt werden, können unsere Wohnbedürfnisse deutlich nachhaltiger und ressourcenschonender befriedigt werden. Vor allem aber können wir durch gemeinschaftliche Wohnformen deutlich an Lebensqualität gewinnen.

Neue Grundrisse sind ein Schlüssel dazu. In Clusterwohnungen zum Beispiel werden kleinere, private Wohnungs-Satelliten an grössere Gemeinschaftsflächen gekoppelt. Der Vorteil: Dadurch, dass Küchen und Wohnzimmer nicht für jede Privateinheit einzeln voll ausgeformt werden müssen, brauchen wir weniger Platz. In der Folge können Gemeinschaftsküchen und gemeinsame Wohnzimmer aber auch grosszügig gestaltet werden. Davon profitieren alle, die im Cluster wohnen. Der Rückzug ins Private ist trotzdem immer möglich. Ein eigenes Bad ist selbstverständlich und platzsparende Kochnischen stehen bereit, wenn die Stimmung einmal nicht nach Gemeinschaft ist.

Weitere moderne Wohnformen lassen sich bestens auf herkömmlichen Grundrissen realisieren, solange die Zimmer qualitativ in etwa gleichwertig sind. Die Rede ist vom bewährten Wohnmodell Wohngemeinschaft. Wohngemeinschaften können aber auch neu gedacht werden: Immobilien Basel-Stadt wird bei der Arealentwicklung Volta Ost diesen Weg gehen und spezielle Grundrisse für Gross-Wohngemeinschaften entwickeln. Acht Personen können so in einer Zehnzimmer-Wohnung wohnen, und auf grosszügige Gemeinschaftsräume zurückgreifen. Trotzdem kommen sie auf einen unterdurchschnittlichen Wohnflächenverbrauch pro Kopf.

Eines wird deutlich: Die für eine nachhaltige Entwicklung notwendige Verdichtung ist auch eine Frage des Lebensstils. Wenn wir gegenüber einem neuen Lebensstil offen sind, kann dies für uns unerwarteten Zuwachs an Lebensqualität durch Gemeinschaft bedeuten. Clusterwohnungen und Gross-Wohngemeinschaften sind dabei schon heute umsetzbare architektonische Hüllen für Lebensstile, die in Zukunft wichtiger und nachgefragter werden.

Bildquelle: 
Cluster- / Satellitenwohnungen, Dialogweg 6, 8050 Zürich, Hunziker Areal

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Architektur: DUPLEX Architekten

Thomas Kessler

Thomas Kessler

Thomas Kessler war bis 1987 Agronom, Unternehmer und Berater in Entwicklung, Landwirtschaft und der Drogenforschung. Von 1987 bis 1991 amtete er als Kantonsrat im Kanton Zürich in der Justizverwaltungskommission. Von 1991 bis 1998 war er Drogendelegierter des Kanton Basel-Stadt und Leiter der Präventionsstelle im Justizdepartement. Von 1998 bis 2009 war Thomas Kessler als Delegierter für Migrations- und Integrationsfragen und als Leiter der Integrations- und Antidiskriminierungsstelle im Polizei- und Militärdepartement tätig. Seit 2009 ist er Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung im Präsidialdepartement und Mitglied der Eidgenössischen Kommissionen Drogenfragen und Kinder- und Jugendfragen.

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