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Die Gebäudehülle der Zukunft

Publiziert am 10.09.2013 von Beat Kämpfen, Geschäftsleiter des Architekturbüros kämpfen für architektur ag in Zürich
Kürbergstrasse Zürich

Meinung Die Fassade dient der Repräsentation und dem künstlerischen Ausdruck. Mit ihr manifestieren sich Bauherr und Architekt. Die Oberfläche eines Gebäudes könnte aber viel mehr leisten. 

In den letzten vierzig Jahren wurde die Wärmedämmung um den Faktor zehn verbessert, das Dogma des kompakten Volumens hat Einzug gehalten und die Einfachverglasung ist einer Dreifachverglasung gewichen. Die entscheidende Bedeutung der Gebäudehülle für Raumklima und Behaglichkeit wurde erkannt, die bisherigen Strategien sind jedoch passiver Natur. Die technischen Veränderungen der Fassade werden gestalterisch vertuscht, die Fassade wird immer noch als etwas Konstantes und Unveränderbares entworfen und gebaut. So haben nur schon sich verändernde, unbehandelte Holzschalungen Akzeptanzprobleme. Die Oberfläche eines Gebäudes hat aber ein weit grösseres Potenzial. Bäume nutzen die riesige Oberfläche ihres Blattwerks um Licht in chemische Energie umzuwandeln und ihr weitverzweigtes Wurzelwerk um Wasser dem Erdreich zu entziehen.

Die Gebäudehülle der Zukunft schützt nicht nur vor Kälte, Hitze und Regen, sie nützt die klimatischen Bedingungen umfassend, um die notwendige Energie zu erzeugen und passt sich den Rhythmen von Tag und Nacht, Sommer und Winter an. 

Je nach Standort, Orientierung und Bedarf wird die Gebäudeoberfläche der Zukunft Licht, Sonne, Wind und Temperaturunterschiede nutzen, um Energie zu erzeugen. Eine grosse Oberfläche wird wieder vorteilhaft sein. Das darunterliegende Erdreich dient der Pufferung. Dank präzisen Kurzfrist-Wetterprognosen werden die Fassaden sich vorausschauend anpassen, öffnen oder verschliessen können. So wie die Bäume im Herbst ihr Laub verlieren, werden die Häuser sich im Verlauf des Jahres verändern. Unter der Voraussetzung, dass die Regeln des energieeffizienten Bauens beachtet werden und somit der Energiebedarf des Gebäudes minimiert ist, wird die eigene Oberfläche genügen, um es mit Energie zu versorgen und allen Komfort zu bieten. 

Beat Kämpfen

Beat Kämpfen

Beat Kämpfen, M. A. UC Berkeley, dipl. Arch. ETH/SIA, ist Geschäftsleiter der kämpfen für architektur ag in Zürich. Er ist Präsident der Kommission für das SIA-Merkblatt 2047 „Energetische Gebäudeerneuerung“.

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