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Zielkonflikt oder Zivilcourage? Die Komplexität nachhaltiger Immobilien

Publiziert am 18.06.2013 von Claudio Rudolf, Managing Director im Real Estate Asset Management der Credit Suisse AG
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Meinung «Real Estate is space and money over time» haben wir von Stephen Pyhrr, einem der viel beachteten Akademiker der US-Immobilienwirtschaft, gelernt. Die Nachhaltigkeitsrelevanz aus immobilienökonomischer Perspektive ergibt sich also bereits aus dem Zeitbezug und der langen Lebensdauer von Immobilien sowie natürlich durch ihre bedeutenden Ressourcenverbräuche und Umwelteinflüsse bei der Erstellung und Nutzung. 

Damit wird deutlich, dass es sich in der Nachhaltigkeitsdebatte unserer Branche um eine äusserst komplexe, sehr interdisziplinäre, aber auch intergenerationelle Herausforderung mit vielen aktuellen und zukünftigen Anspruchs- und Verantwortungsgruppen der Gesellschaft handelt.

Im Lebenszyklus einer Immobilie müssen höhere Anfangs- oder Sanierungskosten für nachhaltigere Gebäude über tiefere Betriebskosten, geringere Leerstände oder gesteigerte Wiedervermietbarkeiten in der Nutzungsphase amortisiert werden können.

Urs Hausmann von Wüest & Partner hat dies bereits sehr treffend mit «There is no such thing as a free lunch» zusammengefasst.

Weiter differenziert heisst das auch, dass der Fokus der dringenden Nachhaltigkeitsfragen nicht beim Neubau liegt. Die Herausforderungen liegen ganz klar im Bestand. Unsere Untersuchung «Die Dekarbonisierung der Schweizer Immobilienwirtschaft» hat den gesamten Immobilienbestand der Credit Suisse in der Schweiz auf energetische Sanierungspotenziale analysiert und jeweils konsequent die Rentabilitätsfrage gestellt. Im Ergebnis zeigt sich: «Unter den derzeitigen Regulierungs- und Marktbedingungen könnte das Real Estate Asset Management der Credit Suisse jedoch nur einen Teil seiner Investition durch höhere Mieten oder direkte Beteiligung an Energieeinsparungsmassnahmen wieder ausgleichen».

Ohne ein aktives gesellschaftliches Selbstverständnis wird es demnach sehr schwierig, das Nachhaltigkeitspotenzial im Bestand wirklich flächendecken zu erschliessen.

Claudio Rudolf

Claudio Rudolf

Claudio Rudolf ist diplomierter Architekt ETH mit Nachdiplomstudien in Betriebswirtschaft und Corporate Real Estate Management sowie Fellow der Royal Institution of Chartered Surveyors (FRICS). Er ist seit 2006 bei der Credit Suisse AG und leitet seit 2010 als Managing Director im Real Estate Asset Management den Bereich Acquisition & Sales. In dieser Funktion verantwortet er sämtliche Immobilientransaktionen der Schweizer Immobilienanlageprodukte.

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  • Claudio Rudolf setzt sich im Rahmen eines Interviews in der Edition 01 von «Nachgefragt» mit dem Begriff der Nachhaltigkeit vertieft auseinander. Er ist der Überzeugung, dass ökonomische, ökologische und soziale Aspekte in Balance gebracht werden müssen.

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