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Speichern statt Dämmen: Das Potential der oberflächennahen Geothermie

Publiziert am 04.06.2013 von Markus Häring, Geschäftsführer Geo Explorers
ews einbau

Meinung Es gibt zwei Möglichkeiten für eine nachhaltige Wärmeversorgung von Gebäuden: Entweder wir reduzieren den Wärmebedarf oder wir decken den Bedarf mit erneuerbarer Energie. Während wir heute Gebäude bereits üppig dämmen und die Energieeffizienz mit strengen Baustandards optimieren, liegt das grosse Potential der erneuerbaren Energiequellen – insbesondere der oberflächennahen Geothermie – weitgehend brach. Wieso eigentlich? 

Der Anteil erneuerbarer Energien liegt beim Heizen und Kühlen immer noch im einstelligen Prozentbereich, obwohl jede Liegenschaft über genügend Ressourcen verfügen würde, um den Bedarf der darauf befindlichen Gebäude zu decken. Denn direkt unter dem Grundstück liegt ein massiver Wärmespeicher, der bei Bedarf genau die benötigte Wärme liefert und Überschüsse über die Jahreszeiten hinaus speichern kann. Unter praktisch jeder Liegenschaft befindet sich bis in 400 m Tiefe ein Erdkörper, der weitgehend Eigenschaften von Schamottesteinen eines Kachelofens aufweist. Und zwar mit einem Volumen im Verhältnis von mehr als 100 zu 1 zu den darüber liegenden Gebäuden.

Die oberflächennahe Geothermie kann dieses Wärmepotential mit hoher Zuverlässigkeit nutzen. Wir haben hier eine gut entwickelte Technologie zur Verfügung, die nur darauf wartet, endlich breit eingesetzt zu werden.

Will man das volle Potential der Erdwärme ausreizen, ist sie in Kombination mit Sonnenenergie zu nutzen: Im Sommer speichern wir die Energie der Sonne im Erdreich unter der Liegenschaft und können so auch gleich das Gebäude kühlen. Im Winter holen wir diese Energie dann nach oben und stellen sie dem Gebäude, kombiniert mit einer effizienten Wärmepumpe, für Heizung und Warmwasser wieder zur Verfügung.

Eine fachlich kompetente Dimensionierung und Planung der Wärmequellen und Speicher als ausgewogenes Gesamtsystem aus einer Hand ist notwendig für Erfolgsgeschichten. Die Kompetenzen dazu sind in der Schweiz vorhanden.

Auch die Wirtschaftlichkeit ist heute gegeben. Dass die Nutzung der Erdwärme als Speicher funktioniert, wurde bereits wiederholt unter Beweis gestellt, zum Beispiel im Campus Novartis in Basel, in der SUURSTOFFI in Rotkreuz oder in der Wohnüberbauung Oberfeld in Ostermundigen.

Es ist Zeit, dass wir das Potential der oberflächennahen Geothermie jetzt erschliessen und nutzen!

Markus Häring

Markus Häring

Markus Häring promovierte an der Universität Basel in Erdwissenschaften. Zunächst viele Jahre tätig als Erdölgeologe eines multinationalen Erdölkonzerns, widmet er sich seit 20 Jahren der Entwicklung geothermischer Systeme. 1999 gründete er die Firma Geo Explorers, die er seither führt. Neben der Entwicklung tiefer wie oberflächennaher Geothermieprojekte in der Schweiz, ist er für Industrie und Behörden weltweit beratend tätig.

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