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Zur Integration solarer Komponenten in die Architektur

Publiziert am 28.05.2013 von Guido Honegger, Mitglied der Geschäftsleitung Vera Gloor AG
Solare Komponenten Window

Meinung Die Integration von Elementen zur Klimaregulierung in die Architektur ist kein neues Phänomen: Die Bewohner von Hyderabad in Westpakistan bauten Windfänger auf ihren Flachdächern, um über Kanäle die tieferliegenden Räume in den heissen Sommermonaten zu kühlen. 

Die Aufstellung von Photovoltaik und Solarkollektoren auf dem Flachdach stellt bei uns – abgesehen von Schnee, Befestigung und richtigem Winkel – kein grosses Problem dar. Die Herausforderung bei begehbaren Terrassen besteht im optimierten Nebeneinander von Nutzfläche für die Bewohner, Bepflanzung (Retention) und Energiegewinnung.

Die Integration von solaren Komponenten auf dem Steildach und in der Fassade ist technisch und ästhetisch schon anspruchsvoller, nicht zuletzt weil diese vom öffentlichen Raum her einsichtbar und somit auch abhängig von der Akzeptanz der Öffentlichkeit sind. Die Fassade wird zur Visitenkarte und möglicherweise zu einem Teil der «Corporate Identity» der Bauherrschaft. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen einer analogischen und einer dialogischen Anwendung der Module: Passen sie sich der gegebenen Struktur an, ordnen sie sich ein? Oder treten sie mit eigenem Muster mit dem Bestehenden in einen Dialog? Ein Beispiel für eine analogische Anwendung ist das Projekt Mühlebachstrasse 8 in Zürich (linke Bildhälfte), ein Beispiel für eine dialogische Anwendung das ebenfalls in Zürich realisierte Projekt Riesbachstrasse 62 (rechte Bildhälfte).

Mittlerweile gibt es einige gute Beispiele für die Integration solarer Komponenten in die Architektur: PV-Panels, Glass-X oder Lucido ersetzen konventionelle Platten aus Naturstein, Metall, Eternit oder Holz in der Fassade und ebenso vollflächig Ziegel auf dem Dach. Hohe Schule bei Umbauten sind in den Rastern der Solarmodule integrierte Dachflächenfenster und niedrige Dachaufbauten:

Je besser die Integration, desto weniger sind die Elemente als Kollektoren erkennbar, weil sie Teil eines Ganzen werden. Darüber hinaus erhalten sie vielfach eine Doppelfunktion (Zum Beispiel Wetterschutz, Brüstungen, Schiebeläden) und helfen so, Baukosten zu sparen.

Angesichts des Klimawandels und vorläufig zunehmender CO2-Emissionen wird die Integration von Photovoltaik und Solarkollektoren in die Gebäudehülle mit dem Ziel des Plusenergiehauses immer wichtiger. Die Schweiz hat in dieser Disziplin, unter anderem mit dem «Norman Foster Solar Award» der Solar Agentur für vorbildliche Integration von Photovoltaik bei PlusEnergieBauten (PEB) endlich wieder eine Vorreiterrolle übernommen.

Guido Honegger

Guido Honegger

Guido Honegger ist dipl. Architekt ETH/SIA und Mitglied der Geschäftsleitung des Architekturbüros Vera Gloor AG in Zürich. Des Weiteren ist Guido Honegger Dozent für Architektur und Energieeffizientes Bauen am Forum Energie Zürich (FEZ). Das FEZ ist das Kompetenzzentrum für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Energienutzung im Bau- und Siedlungsbereich.

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