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Nachhaltige Architektur schliesst ästhetische Architektur nicht aus, stellt aber höhere Anforderungen an den Planungsprozess

Publiziert am 07.05.2013 von Hans-Peter Domanig, CEO Priora Group AG
Foyer Window

Meinung Die schweizerische Energiepolitik ist in den letzten Jahren inhaltlich immer stärker mit Themen der Klimapolitik verflochten worden und hat dadurch im Hochbau unser diesbezügliches Bewusstsein verändert. Meines Erachtens handeln mittlerweile die meisten Teilnehmer der Branche, ob in der Rolle des gesetzgebenden Bauverwalters, des entwerfenden Architekten oder als bestellender Investor, vermehrt im Sinne des Klimaschutzes. 

Die Grundsätze der schweizerischen Raumplanung beinhalten heute schon weitreichende Zielvorgaben in Bezug auf eine laufende Steigerung der Energieeffizienz aller Immobilienentwicklungen. Als Immobilienverantwortlicher gilt es daher bereits heute, in ausgewogenem Masse die energiebezogenen Richtwerte einzuhalten und fallweise auch Wege zu alternativen Lösungen zu finden. Eine weitergehende Reglementierung der Umweltschutz- und Energieziele im Bausektor erachte ich als nicht zielführend. Die Nachhaltigkeitsziele des Bundes sehe ich in Bezug auf die Ästhetik in der Architektur nicht als Hindernis, sondern vielmehr als Herausforderung. Zeitgemässe Architektur leidet meiner Ansicht nach nicht unter den strenger gewordenen Nachhaltigkeitsrichtlinien. Ein gutes Beispiel dafür ist das im Bild gezeigte Verwaltungsgebäude «Foyer», das in unmittelbarer Nähe vom Bahnhof der Stadt Zug steht. Gemessen an den Zertifizierungen (Minergie® 2009, Minergie®-Eco, US-LEED und Green Property) ist das als Niedrigenergiehaus konzipierte Büro- und Geschäftshaus das umweltfreundlichste Bürogebäude der Schweiz. Gleichzeitig genügt es dank seiner attraktiven architektonischen Gestaltung aber auch hohen ästhetischen Ansprüchen. Der gestalterische Anspruch der heutigen Architektengeneration – ihre Umwelt qualitativ nachhaltig zu verbessern – ist unverändert hoch. Verfolgt man die Bautätigkeit der letzten Jahre, insbesondere im urbanen Kontext, so zeigt sich, dass Nachhaltigkeitsaspekte wie Energieeffizienz ohne Abstriche bei der architektonischen Qualität erfolgreich umgesetzt werden. Die Zeiten, in denen ein «Energiehaus» von weitem als solches erkennbar war und den Öko-Status sozusagen nach aussen kehrte, gehören längst der Vergangenheit an. 

Entscheidend ist, dass Projektentwicklungen als kooperativer Prozess verschiedener Disziplinen verstanden werden. Nur so können die unterschiedlichen Interessen und Themen wie Nachhaltigkeitsaspekte und Architekturqualität erfolgreich unter einen Hut gebracht werden. 

Wir befinden uns in einem Jahrzehnt der vorausschauenden und somit nachhaltigen Planung. Wohnformen und Arbeitsmodelle haben sich innert weniger Jahre verändert und gerade dieses deutlich flexibler gewordene Nutzerverhalten muss zwingend in der Entwicklung und Realisierung aktueller Immobilienprojekte berücksichtigt werden. Als Immobilieninvestor stellt man sich nicht mehr die Frage wo und wann gebaut werden soll, sondern für wen und für welche Zeitspanne. Der Nutzer hat unbewusst einen grossen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsdiskussion der Immobilienbranche ausgeübt. Verändertes Nutzerverhalten und vergleichsweise kürzere Mietvertragsdauer stehen mit Sicherheit als Stichworte für die aktuell angeregte Diskussion.

Hans-Peter Domanig

Hans-Peter Domanig

Hans-Peter Domanig ist ein ausgewiesener Fachmann und ein anerkannter Branchenkenner im Schweizer Immobilienmarkt. Er ist CEO der Priora Group AG und Delegierter des Verwaltungsrates der Priora Holding AG. Ausserdem ist er Präsident des Verbandes Schweizerischer Generalunternehmer (VSGU) und Vorstandsmitglied von economiesuisse, bauenschweiz und als Verwaltungsrat bei der Cablex AG tätig.

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