Blog

Zukunftsfähigkeit ist mehr als die Wahl der richtigen Isolation

Publiziert am 21.03.2013 von Stefan Cadosch, diplomierter Architekt ETH und Präsident SIA
SIA Umsicht Window

Meinung In aller Munde ist sie gegenwärtig, die Nachhaltigkeit. Doch was genau ist nachhaltig, wo beginnt Nachhaltigkeit? Für mich beginnt sie beim Willen und der Bereitschaft für ganzheitliches und umsichtiges Denken. Das mag simpel klingen. Die Realität nicht nur in der Schweiz zeigt aber deutlich, dass die Umsetzung des ganzheitlichen, systemischen Ansatzes nach wie vor grosse Schwierigkeiten bereitet.

Immer noch sucht man lieber die schnelle Lösung in der Optimierung von Teilaspekten, Teilsystemen oder Teilprozessen. Kurzfristiges und renditeorientiertes Handeln dominiert die Abläufe. Doch Zukunftsfähigkeit – um einmal einen anderen Begriff zu verwenden – ist mehr als eine Frage der richtigen Isolation, des besten Materialrecycling oder des richtigen Sonnenkollektors.

Für wahre Nachhaltigkeit braucht es Lösungen, die sich von der rein technischen und ökologischen Betrachtungsweise wegwagen.

Es braucht die Offenheit für Ansätze, die neben der energetischen oder klimatischen Betrachtung auch soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. Es braucht Lösungen, die auch kulturelle und nicht zuletzt gestalterische Qualität anstreben.

SIA Umsicht 2013 Trailer
Mit Umsicht – Regards – Sguardi, der Auszeichnung des SIA für die zukunftsfähige Gestaltung des Lebensraums, zeichnet der SIA Arbeiten aus, die eben diesen künftigen Anforderungen des Lebensraums gerecht werden. Für die nun bereits zum dritten Mal anstehende Durchführung können bis zum 30. April Arbeiten eingegeben werden. «Wir brauchen Umsicht, und einen langen Atem», meinte Bundesrätin Doris Leuthard anlässlich der letzten Vergabe der Auszeichnungen vor zwei Jahren. Dann, so die Umweltministerin, werde die Schweiz, und die Welt tatsächlich schöner.
Stefan Cadosch

Stefan Cadosch

Stefan Cadosch ist diplomierter Architekt ETH mit Nachdiplom Betriebswirtschaft FH. Seit November 2011 ist er Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA. Von 1993 bis 2011 war er bei Eternit (Schweiz) AG zuständig für architektonische Entwicklungen. Seit 1999 führt er gemeinsam mit Jürg Zimmermann das Architekturbüro Cadosch & Zimmermann GmbH, Architekten ETH/SIA in Zürich.

Verwandter Beitrag

Veröffentlicht unter:

Kommentar verfassen

 
 

 

Kommentare

  • Ueli Meyer sagte:
    22.03.2013 09:14
    Geschätzter Herr Cadosch
    Zunächst eine Bemerkung zur "Isolation": Ein Baumeistr hat dazu bemerkt, dass wir Gebäude dämmen und nicht isolieren. Der Elektriker isoliert seine Leitungen, damit kein Strom wegfliessen kann, Gebäude werden gedämmt, damit weniger (aber sicher nicht keine) Wärme abfliesst. Stimmt's? Plausibel ist jedenfalls die Erklärung.
    Dass Nachhaltigkeit ein Umdenken bedingt scheint mir klar. Es geht ja darum, nicht mehr Resourcen zu verbrauchen als "nachwächst". Und das ist deutlich mehr als weniger Öl verbrauchen. Das hat auch mit Komforteinschränkung und Verzicht zu tun. Im Winter ein Pullover (mehr) statt bei 24° in kurzen Hosen und T-Shirt in der Wohnung herumlaufen! Auch ist meiner Meinung nach die Gebäudedämmung zwar wichtig, aber nicht die einzige Lösung.
    Soll ich bei unserem 20-jährgen Haus nun eine zweite Fassade vorbauen und alle Fenster ersetzen oder ist mit es besser, mit Solarthermie Wärme für Warmwasser und Heizung zu erzeugen? Vielleicht kann ich die Wärmepumpe sogar mit Solarstrom betreiben oder die fehlende Wärme mit dem Holzofen und selbst geerntetem Holz (holzen ist zudem noch eine gesunde Beschäftigung, selbstverständlich ohne Motorsäge!).
    Die Energiewende beginnt im Kopf!
    E gueti Zyt
    Ueli Meyer