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Bundesrätliche Energiestrategie: Photovoltaik ausbremsen?

Publiziert am 19.03.2013 von David Stickelberger, Geschäftsleiter Swissolar
Solarpreis 2011 Window

Meinung Allein auf den dafür besonders gut geeigneten Dächern und Fassaden der Schweiz könnte über ein Drittel des heutigen Strombedarfs mit Solarmodulen erzeugt werden. Für Swissolar stehen deshalb Freiland-Solaranlagen nicht im Vordergrund, auch wenn sie im Alpenraum dank hohen Wintererträgen durchaus Sinn machen würden. Höchste Priorität hat hingegen die solare Nutzung all jener Gebäudehüllen, die als Neubauten entstehen oder bei Sanierungen ersetzt werden.

Die Solarstromproduktion kann so jährlich um mindestens 400 Gigawattstunden erhöht werden – bis 2020 wäre Mühleberg ersetzt.

Die Energiestrategie des Bundesrats, deren Vernehmlassung Ende Januar abgeschlossen wurde, skizziert bis 2020 lediglich 600 Gigawattstunden Solarstrom in unserem Netz. Das entspricht einem Prozent des Verbrauchs. Zum Vergleich: In Bayern liegt diese Quote bereits bei zehn Prozent, in Italien bei sieben Prozent. Der Preis als Begründung für diese Fahrt mit angezogener Handbremse taugt nicht: Solarstrom ist allein in den letzten vier Jahren rund 60 Prozent billiger geworden. Und weitere Preissenkungen sind zu erwarten - die Grenze von 20 Rappen/Kilowattstunde wird bald unterschritten. Die Netzparität ist dann erreicht – vorerst für Privathaushalte, bald auch für Gewerbebetriebe. Und damit gehört Solarstrom auch zu den preiswertesten erneuerbaren Energien in der Schweiz.

Mit einer vorwiegend dezentralen Nutzung der Solarenergie auf Gebäuden findet die Produktion in der Nähe des Verbrauchs statt, was die Notwendigkeit von Netzausbauten stark reduziert. Ein besonderer Trumpf unseres Landes ist der hohe Anteil an Wasserkraft aus Speicherseen: Diese ergänzt die Photovoltaik tageszeitlich und saisonal geradezu ideal. Und die im Bau befindlichen, zusätzlichen Pumpspeicherkapazitäten sind ein hochwillkommenes Element der zukünftigen Stromversorgung, die ohne Bandenergie auskommt.

Es spricht also nichts gegen einen raschen, vorwiegend auf Gebäuden stattfindenden Ausbau der Photovoltaik.

Nach den Berechnungen von Swissolar könnten 2025 bereits 20 Prozent unseres Strombedarfs mit Solarmodulen erzeugt werden. Pro Einwohner der Schweiz bräuchte es dazu eine Fläche von bloss 12 Quadratmetern. Damit wäre bereits die Hälfte der heutigen Stromproduktion aus Atomkraftwerken ersetzt.

Bei der Überarbeitung der Energiestrategie muss also nochmals kräftig über die Bücher gegangen werden, besonders was die Förderung der erneuerbaren Energien betrifft. In der bisherigen Fassung war es eher ein Verzögerungs- und Verhinderungsinstrument, das mit seinen unrealistischen Zielwerten zu unerwünschten «Zwischenlösungen» wie Gaskraftwerken führen würde. Neu und rasch braucht es eine Kostendeckende Einspeisevergütung ohne den unsäglichen «Deckel», unter dem über 22‘000 Photovoltaik-Projekte mit einer Leistung von 1000 Megawatt auf der Warteliste schmoren. Dahinter stehen Bauherrschaften, die ihren persönlichen Beitrag zur Energiewende leisten wollen. Geben wir ihnen endlich die dazu notwendigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und lösen damit Investitionen von rund 2 Milliarden Franken aus!

David Stickelberger

David Stickelberger

David Stickelberger, studierter Geograph mit absolviertem Nachdiplomstudium in Umweltlehre, ist Geschäftsleiter von Swissolar, dem Schweizerischen Fachverband für Sonnenenergie. Vor seiner aktuellen Tätigkeit arbeitete er von 1993 bis 1998 bei Greenpeace Schweiz als Leiter der Kampagne Klima und Energie, sowie von 1998 bis 2007 als Co-Geschäftsführer von AEE (Agentur für erneuerbare Energien und Energieeffizienz).

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